Vitamin-D-Mangel

Müde und antriebslos im Winter

Wenn die Sonne im Winter scheint, sollten die Menschen die Gelegenheit nutzen und ins Freie gehen.

Wenn die Sonne im Winter scheint, sollten die Menschen die Gelegenheit nutzen und ins Freie gehen.

Foto: dpa

Meschede.   Müde, launisch, antriebslos. So lassen sich Gemütszustände vieler Menschen in der grauen und kalten Jahreszeit beschreiben. Oft schreibt man diese Stimmungstiefs den „Winterdepressionen“ zu. Doch als Krankheitsbegriff gibt es diese eigentlich nicht. Wir haben nachgefragt.

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Dr. Peter Kleeschulte vom Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreises in Meschede erklärt im Gespräch mit der Westfalenpost, warum sich die wintertrüben Stimmungen von klassischen Depressionen unterscheiden - und wie man ihnen entgegenwirken kann.

Warum fühlen wir uns im Winter oft antriebslos und depressiv?

Dr. Peter Kleeschulte: Wie wir uns im Winter fühlen, hängt von den Botenstoffen Serotonin und Melatonin ab. Im Gehirn sorgt Serotonin dafür, dass wir hellwach sind. Melatonin ist sein hormoneller Gegenspieler und macht uns müde. Die Produktion von beiden Botenstoffen wird vom Licht gesteuert. Bei wenig Licht wird mehr Melatonin ausgeschüttet. Das ist im Winter der Fall. Obwohl wir viel schlafen, sind wir trotzdem oft müde und fühlen uns antriebslos. Das bezeichnet der Volksmund dann oft als „Winterdepression“.

Wie unterscheiden sich Winterdepressionen von klassischen Depressionen?

Dr. Peter Kleeschulte: „Winterdepressionen“ gibt es als Krankheitsbegriff eigentlich nicht. Die Leitsymptome einer klassischen Depression sind in der Regel niedergedrückte Stimmung bis hin zu Suizidgedanken. Bei der so genannten „Winterdepression“ sind diese Symptome gar nicht oder nicht stark ausgeprägt. Die Symptome der „Winterdepression“ sind auf Lichtmangel zurückzuführen. Darin liegt der entscheidende Unterschied.

Wie können Betroffene den Symptomen entgegenwirken?

Dr. Peter Kleeschulte: Bei Lichtmangel spielt der Vitamin-D-Stoffwechsel eine besondere Rolle. Gesunde Menschen müssen sich im Sommer etwa 30 Minuten im Freien aufhalten, um ausreichend Vitamin D in ihrer Haut zu produzieren. Es muss nicht direkte Sonneneinwirkung sein, auch bei bewölktem Himmel kommen Sonnenstrahlen durch. Wenn der Himmel im Winter aber besonders dunkel ist, dann kommt nur sehr wenig Licht bei uns an. Da reicht es für die Vitamin-D-Produktion nicht aus, nur spazieren zu gehen.

Eine Tageslichtlampe mit UVB-Strahlen kann als Lichttherapie auch zu Hause angewandt werden. Man kann einen Vitamin-D-Mangel aber auch über Nahrung ausgleichen: Milchprodukte, Fettfisch und Eier besitzen einen Vitamin-D-Anteil. Man muss keine Präparate einnehmen oder ins Sonnenstudio gehen. Bei Letzterem halte ich das Hautkrebsrisiko für größer als die anderen Risiken, die durch Vitamin-D-Mangel entstehen.

Was für Auswirkungen kann ein Vitamin-D-Mangel für die Menschen noch haben?

Dr. Peter Kleeschulte: In den vergangenen Jahren hat sich die medizinische Betrachtungsweise dieses Vitamins deutlich verändert. Es war schon lange als das zuständige Hormon für Knochenstoffwechsel bekannt, Stichwort Osteoporose. Mittlerweile soll es auch Auswirkungen auf den Immunstoffwechsel haben. Dadurch soll das Risiko für Atemwegsinfektionen größer sein.

Ältere Menschen mit Vitamin-D-Mangel haben nachweislich eine erhöhte Sturzgefahr im Alltag. Auch Tumorerkrankungen, wie Brust- oder Darmkrebs, sollen häufiger bei Menschen mit niedrigen Vitamin-D-Werten auftreten. Ebenfalls ein Ergebnis neuester Studien ist, dass auch die Hirnleistung von Vitamin D abhängig sein kann: je niedriger die Werte sind, umso schlechter ist die kognitive Leistung.

Wir sind also durch Vitamin-D-Mangel nicht nur müde und antriebslos, es fällt uns auch noch schwerer zu denken. Daher sollten wir im Winter besonders auf unsere Ernährung achten und die wenigen Sonnenstunden gut für unseren Körper nutzen.

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