Gericht

Mutter besorgt ihrer minderjährigen Tochter Drogen

Eine Frau wurde in Brilon verurteilt, weil sie ihrer minderjährigen Tochter Drogen beschafft hat.

Foto: Kurt Michelis

Eine Frau wurde in Brilon verurteilt, weil sie ihrer minderjährigen Tochter Drogen beschafft hat. Foto: Kurt Michelis

Brilon.   Eine Frau (35) ist vor dem Schöffengericht Brilon zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Sie hatte ihrer Tochter (15) Drogen beschafft.

Das erste Mal kam sie bei einer Kur im Kinder- und Erholungsheim des Hochsauerlandkreises auf Norderney mit Pep in Kontakt. Danach sniefte die 15-Jährige, die im Altkreis Brilon in einer Wohngruppe lebt, eine kurze Zeit täglich das aufputschende Amphetamin. Irgendjemand aus ihrer Clique kam immer an den Stoff.

Brüche in den Biografien von Mutter und Tochter

Sie selbst wandte sich ausgerechnet an ihre Mutter. Und die machte es. Dafür handelte sich die 35-Jährige gestern am Schöffengericht Brilon eine Freiheitsstrafe von neun Monaten ein. „Ich weiß nicht, wem von Ihnen beiden ich für den künftigen Lebensweg am meisten Glück wünschen soll“, sagte Vorsitzender Richter Hans-Werner Schwens am Ende der Verhandlung zu den beiden.

Es gibt viele Brüche in den Biografien von Mutter und Tochter. Der Vater der Angeklagten verließ die Familie und seine drei Kinder, als Jugendliche riss die aus dem Rheinland stammende Frau nach Berlin aus und schlug sich mehr recht als schlecht durch. Mit ihrem Mann hat sie neben der 15--Jährigen noch eine fünfjährige Tochter.

Gericht lagen belastende Chat-Protokolle vor

Zwischendurch war auch der Mann zehn Jahre weg, mehrere davon verbrachte er im Gefängnis. Wieder zusammen, betrieben die Eltern ein Bordell - nicht gerade das richtige Umfeld für die Kinder. Die hielten sich im vergangenen Jahr eine Zeit lang bei Bekannten auf. Schule und Kindergarten schwänzten sie. Dann wurde den Eltern das Sorgerecht entzogen und beide kamen Anfang des Jahres im Hochsauerland in Heime.

Dem Gericht lagen Chat-Protokolle vor, in denen die Tochter ihre Mutter aufforderte, ihr Geld und „das Zeug“ zu besorgen. Die Mutter stritt die Vorwürfe ab. Mit „Zeug“ seien Zigaretten, Schminksachen und so gemeint gewesen, behauptete sie. Die Tochter selbst war Ostern zur Polizei gegangen und hatte die Mutter angezeigt. Zweimal soll sie ihr Amphetamine besorgt haben. „Sie hat uns immer erpresst, wenn sie was wollte“, sagte die Mutter: dass sie sich umbringen werde, dass sie sich wieder ritzen und auf den Strich gehen werde, falls sie nicht bekommen, was sie wolle.

Nach Prozesspause Geständnis der Mutter

Nach der Aussage der Tochter nahm die Verteidigern Silvia Hoffmann-Benz ihre Mandantin für zehn Minuten aus dem Saal. Danach legte die 35-Jährige ein Geständnis ab. Einmal habe sie das Amphetamin besorgt. Die Tochter sagte, dass dies zutreffe. „Du hast nie mit mir gesprochen. Ich wollte die Vergangenheit aus meinem Kopf haben“, hielt die 15-Jährige ihrer Mutter vor.

Frau muss auch 100 Sozialstunden leisten

Richter Schwens sagte, dass bei der geringen Menge von 0,8 Gramm Amphetamin und dem Geständnis ein minderschwerer Fall angenommen werden könne. Staatsanwältin Sandberg sah das nicht so und forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die Verteidigern hielt eine Geldstrafe für ausreichend.

Das Urteil: Neun Monate Freiheitsstrafe, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss die Frau 100 Sozialstunden leisten. Drogen nehme sie nicht mehr, sagte die Tochter: „Das bringt mir nichts.“

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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