Geschäftsaufgabe

Nach 43 Jahren schließt Wippenhohn in Olsberg die Türen

Das bunte Sortiment reichte vom Karnevalskostüm über Schulranzen bis hin zu Geschenkartikeln und Lotto: Schreibwaren Wippenhohn in Olsberg, im Sachseneck, schließt nach 43 Jahren, am 31. März.

Das bunte Sortiment reichte vom Karnevalskostüm über Schulranzen bis hin zu Geschenkartikeln und Lotto: Schreibwaren Wippenhohn in Olsberg, im Sachseneck, schließt nach 43 Jahren, am 31. März.

Foto: Sonja Funke / Westfalenpost

Olsberg.  Nur noch bis Ende März bleibt das Traditionsgeschäft Schreibwaren Wippenhohn in Olsberg geöffnet - wenn sich nicht doch ein Nachfolger findet.

Wie eine Jahresuhr ließ sich an ihrem Schaufenster erkennen, ob wir Winter, Frühjahr oder Herbst haben. Das ist bald vorbei: Am 31. März 2020 schließt Schreibwaren Wippenhohn in der Sachsenecke, mitten in Olsbergs neuer Mitte. Auf den Tag genau werden es dann 43 Jahre sein, die Martin Wippenhohn und seine Frau Rosi ihren Laden geführt haben. Sie gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Lachend, weil sie dank ihres Geschäftes so schöne Erinnerungen mitnehmen. Weinend, weil bis dato noch kein Nachfolger gefunden ist. „Es sind schon einige vorbeigekommen, die sagten: ,Das überlege ich mir!‘ Aber wiedergekommen ist leider niemand“, sagt Rosi Wippenhohn. Da ihr Geschäft stark vom Kundenkontakt lebt und auch die Lottolizenz hat, möchten sie es guten Gewissens abgeben. An jemanden, den sie sich gut hinter der Ladentheke vorstellen können. Davon leben konnten sie bis jetzt ins Rentenalter gut, sagen der gelernte Außenhandelskaufmann und die Verkäuferin.

Die Kunden vom Sachseneck Nr. 3 in Olsberg

Die Kunden, das sind Eltern mit Kindern, die hier vom Ranzen über den Füller bis hin zum Karnevalskostüm und Kommuniongeschenk alles besorgt haben. Oder die Kinder allein, wenn sie nachmittags nach der Schule zum Niggeln vorbeikommen. „Sie haben mir alles erzählt, wenn sie mal eben schauen wollten, ob es einen neuen Flummi gibt“, sagt Rosi Wippenhohn. Den Vereinen haben sie geholfen, als kurz vorm Karnevalsabend noch Kopfschmuck oder ganze Kostüme fehlten: „Drei Tage vorm Auftritt konnten wir noch bestellen und zusagen, dass es klappt.“ Den alten Damen, die eine ganz besondere Karte suchten, griffen sie unter die Arme. „Schon einige sagten: ,Was mache ich denn dann ohne Sie?‘“ Internet ersetzt eben lange nicht den persönlichen Kontakt und die Beratung.

Ein Rein und Raus ist es im Laden. „Wo bekomme ich denn bald meine fertigen Mietverträge?“, fragt die Stammkundin, die gerade bezahlt. „Was man hier so kriegen konnte, habe ich schon hier geholt, es geht ein Stück Seele hier weg, das ist schon so“, sagt die nächste. Und: „Wie schade!“ Dieser Ausspruch fällt nicht nur während des Besuchs der Reporterin zwei, drei Mal, sondern jeden Tag, sagen Wippenhohns „Wir haben eine sehr gute Stammkundschaft, die uns während der langen Bauphase im Stadtkern von Olsberg echt gut unterstützt hat, es sind immer so um die 120 Kunden am Tag. Es ist auch für uns schade, wenn es vorbei ist, da hängt ja auch Herzblut dran“, sagt Martin Wippenhohn und ergänzt sofort: „Aber nach 43 Jahren sollte man auch mal aufhören.“

Die „Wippis“ standen 43 Jahre lang für alle Fragen bereit

43 Jahre standen Wippenhohns, von manchem Kunden auch „Wippis“ genannt, in ihrem Laden bereit. Jahre, in denen ihre beiden Söhne – heute 39 und 42 Jahre alt – geboren sind und auch ihre vier Enkel. Die Eröffnung fand drei Wochen nach der Hochzeit statt. Davor stand die Entscheidung, es zu wagen und wirklich von Harsewinkel und Beckum nach Olsberg zu ziehen, gemeinsam den Laden zu führen mit allem Drum und Dran. Sie sie war schnell getroffen. Später der Entschluss, das Haus zu kaufen. Ein eigenes Eigenheim zu bauen und eine Zeit lang noch das Schreibwarengeschäft gegenüber zu übernehmen. Dann kam der Lottobetrieb von Kahle dazu. Stück für Stück haben sie immer mehr aufgebaut. „Schreibwaren, Schulbedarf, Lotto, Geschenkartikel und Karneval, das ist unser Kerngeschäft, wir haben über das Jahr halt immer wieder geräumt“, sagt Rosi Wippenhohn. Ganz wichtig: der persönliche Kontakt. Wem sie helfen konnten, haben sie geholfen. Und nun? Jetzt sind endlich die vier Enkel dran, ein bisschen mehr Reisen.

Viele schöne Erlebnisse nehmen Wippenhohns mit in den Ruhestand

„Das Schönste war, als ein Junge reinkam und sagte: ‚Ach, ich muss was kaufen und weiß nicht mehr, wie es heißt! Es sieht so interessant aus, der Stiel ist aus Holz und da sind so Haare dran.‘ Da habe ich ihn gefragt: ,Brauchst Du vielleicht einen Pinsel? ,Ja, genau, einen Pinsel!‘ Da war der Kleine glücklich“, erzählt Martin Wippenhohn. Für ihren Laden haben sie Messen besucht, „das war eine tolle Zeit, der Pelikan-Stand, der war so groß wie die Konzerthalle!“ In der Konzerthalle selbst haben sie am eigenen Stand zur Wohnmesse jede Menge Weihnachtsschmuck verkauft. In den letzten Jahren kamen Reiseandenken hinzu – Gläser, Magneten mit dem Olsberg-Wappen.

Ja, und nun? Gerade jetzt, wo noch so viele mehr Wohnungen nur einen Steinwurf weit entfernt entstehen, ist alles vorbei? „Wir hoffen immer noch“, sagen sie. Einem guten Nachfolger würden sie gern Starthilfe leisten. Lotto, Geschenke und Schreibwaren ließen sich bestimmt auch noch um etwas ganz anderes ergänzen. „Die Olsberger werden erst merken, was fehlt, wenn wir zu haben“, sind sich beide sicher.

Dann werden einen keine Karnevalskostüme und keine Ranzen mehr dran erinnern, dass Frühjahr und Herbst kommen. Wie schade.

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