Wirtschaft

Nach Kurzarbeit bei Impuls in Brilon jetzt Sonderschichten

Impuls und Puris nehmen gemeinsam Fahrt auf, hier Geschäftsführer Georg Billert (rechts) und Vertriebsleiter Ulrich Spleth

Foto: Jürgen Hendrichs

Impuls und Puris nehmen gemeinsam Fahrt auf, hier Geschäftsführer Georg Billert (rechts) und Vertriebsleiter Ulrich Spleth Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.   Während sich die ehemalige Konzern-Mutter Alno in der Insolvenz befindet, brummt es bei ihren früheren Töchtern Impuls und Puris so richtig.

Im vergangenen Jahr stand die Produktion an 42 Tagen still. Zu Beginn dieses Jahres waren es noch sieben. Jetzt brummt es wieder am Gallberg. Und zwar richtig. Samstags müssen Extraschichten eingelegt werden. Heute sind es sogar zwei. 170 Mitarbeiter müssen ran. Anfang des Jahres hat Georg Billert (53) die neue, 7000 qm große Logistikhalle in Betrieb genommen und vor kurzem das dreistöckige neue Ausstellungs- und Informationszentrum.

Doch schon jetzt müsse er sich „Gedanken machen, wie wir den Standort weiter ausbauen“. Keine Frage: Während die einstige Konzernmutter Alno in die Insolvenz gegangen ist, brummt es bei ihren einstigen Briloner Babys Impuls Küchen und Puris Bad richtig.

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Georg Billert, Geschäftsführer und Mitgesellschafter von Puris, zum 1. Juli 2015 gemeinsam mit der Steinhoff-Gruppe, dem nach Ikea zweitgrößten Möbelhändler der Welt, auch Impuls übernahm. 2003 hatten der Konzern und der Manager zueinander gefunden, nachdem sich Alno ganz auf den Küchenbereich fokussieren wollte und die anderen Geschäftsbereiche abgestoßen hatte. Schon damals hatte Steinhoff Puris als „Perle in Service und Qualität“ bezeichnet. Umsatz damals: 12 Millionen Euro. Aktuell stehen 75 Millionen Euro in der Bilanz.

Diese, so Billert, „tolle Entwicklung“ führte dazu, dass auch der Macher im Sauerland mehr und mehr in strategische Überlegungen des Konzerns einbezogen wurde. Das ging soweit, dass 2014/15 Pläne entstanden, in Brilon in unmittelbarer Nachbarschaft der Alno-Tochter eine eigene Kastenmöbelproduktion aufzubauen.

Dazu hatte sich Billert ein 100 000 qm großes Areal an der Dollenseite reservieren lassen. Das brauchte er mit der Impuls-Übernahme nicht mehr. Dort hat die Stadt mittlerweile andere dankbare Investoren gefunden; bei Billert verblieben rund 45000 qm

Konzernmutter vertraut Management vor Ort

Als im Rahmen des Konzern-Umbaus bei Alno die Briloner Tochter feilgeboten wurde, griffen Georg Billert und die Steinhoff-Gruppe zu. Im Alno-Geschäftsbericht für 2015 ist der Verkauf mit 28,7 Millionen Euro aufgeführt. Drei bis vier Jahre, erzählt Georg Billert, habe man sich gegeben, um das Unternehmen neu aufzustellen. Billert: „Steinhoff hat uns einen sehr großen Vertrauensvorschuss gewährt. Wir haben richtig Geld in die Hand genommen.“ Zum Beispiel für eine neue Kantenbearbeitungszentrum für die Fertigung von Arbeitsplatten. Investitionsvolumen: 800 000 Euro.

Der war auch nötig. Denn Anfang 2016 sackte der Umsatz in das erwartete Loch. Wichtige Abnehmer in Deutschland und Österreich stellten nach der Trennung von Alno den Verkauf von Impuls-Küchen ein. Das Unternehmen konnte nur noch rund 2000 Musterküchen bei den Handelspartnern unterbringen, die Produktion der Schränke sank um 13 Prozent auf 600 000 ein.

„Kunden kommen in Scharen zurück“

Mittlerweile hat das Unternehmen längst die Kurve gekriegt, Vertrieb und Marketing, die beide neu aufgebaut werden mussten, da früher alles über Alno lief, stehen. „Seit dem Frühjahr kommen die Kunden in Scharen zurück“, sagt Georg Billert. Vertriebs-Chef Ulrich Spleth kann das handfest unterfüttern. Mehr als 3400 Musterküchen habe man mittlerweile neu aufstellen können. Damit befinden sich derzeit international rund 7 500 Einheiten zur Ansicht im Handel. Ziel sind 12500.

Beim Export stehen die umliegenden Nachbarländer und Osteuropa im Mittelpunkt, es gibt aber auch, so Ulrich Spleth, „Objektgeschäfte“, bei denen man in China oder Australien ein Hochhaus mit Küchen ausstattet. Unter dem „Schnelle Küche“ liefert Impuls Küchen in drei Wochen aus. Das ist Standard. Es gibt auch eine 10-Tage-Expresslieferfrist, und wer es ganz eilig hat, kann - gegen Aufpreis - seine Wunschküche innerhalb von fünf Werktagen haben. Seit einem Jahr tragen alle Impuls-Küchen das „Goldene M“, das Siegel der Dt. Gütegemeinschaft Möbel.

Derzeit ist das Management dabei, bei den beiden Unternehmens-Schwester den Wertschöpfungsprozess zu optimieren. Im Fokus stehen dabei Montage, Logistik sowie eine gemeinsame IT-Struktur.

Rund 3000 Schränke kommen derzeit pro Tag bei Impuls aus der Fertigung. Ziel: Den Marktanteil von derzeit drei Prozent am rund vier Millionen Euro großen Kuchen in Deutschland deutlich auszubauen. Billert: „Wir können noch mehr. Das Potential haben wir.“

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