Kunst

Trauer um Briloner Künstler Pitt Moog

Brilon/Dortmund.   Der Documenta-Teilnehmer Pitt Moog ist im Alter von 85 Jahren in Brilon gestorben. Wir zeigen, warum sein Werk so bedeutend ist.

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Die Kunstszene trauert um den Maler Pitt Moog. Der Documenta-Teilnehmer starb bereits am 22. Juni in seiner Wahlheimat Brilon im Alter von 85 Jahren, wie am Donnerstag bekannt wurde. Pitt Moog hat die künstlerische Auseinandersetzung zwischen Abstrakt und Figurativ in den Gründerjahren der Bundesrepublik aktiv mitgeprägt und dabei seinen eigenen, unverwechselbaren und international anerkannten Stil gefunden. Neben seiner Malerei ist Moog auch als Grafiker und Bildhauer bekannt geworden, so hat er Wandgestaltungen für Schulzentren in Gevelsberg, Siegen und Lüdenscheid geschaffen. Bis zu seiner Emeritierung 1994 hat er an der Fachhochschule Dortmund als Professor für Gestaltungslehre und Illustration unterrichtet.

Der junge Pitt Moog, in einem hessischen Dorf als Lehrersohn aufgewachsen, studierte ab 1952 an der Werkakademie Kassel bei Prof. Arnold Bode und Prof. Fritz Winter, den Antipoden der Malerei der Nachkriegszeit zwischen Informel und neuer Figuration. Besonders dem Documenta-Gründer Bode blieb er zeitlebens eng verbunden, jenem Lehrer, der ihm den Weg zum freischaffenden Künstler wies, hat er auch seine letzte Ausstellung im Jahr 2015 in Brilon gewidmet. Abstraktion und Figuration sind für ihn nie Gegensätze gewesen. „Ich habe da mit einer gewissen ländlichen Sturheit meinen eigenen Weg gefunden.“

Grundthemen des Lebens

Als Maler hat sich Pitt Moog mit den Grundthemen des Seins beschäftigt. Wie entsteht das Leben an der Grenze zwischen Stein und Flechte? Was bewegt Menschen dazu, Gemälde in Höhlenwände einzuritzen oder Musik und Dichtung zu schaffen, die nicht zu den Überlebensbedürfnissen gehören? Auf seinen zahlreichen Reisen erforschte er die Spuren urzeitlicher Kulturen und frühgeschichtlicher Stätten.

Diese Begegnungen wurden zum Impuls für sein Werk, das den Mythen und Archetypen der Zivilisation in verschlüsselten Chiffren nachspürt. „Diese Grundthemen kann ich nicht malen, aber ich finde Symbole, die das ausdrücken können“, sagte er einmal im Interview mit unserer Zeitung. „Der Stein zum Beispiel ist manifest gewordene Geschichte aus der Schöpfungszeit.“

„Chtonische Malerei“, so definierte Pitt Moog entsprechend seinen Stil. „Chtonisch“ bedeutet: der Erde angehörend. Erdfarben bestimmen seine Palette, diese fächerte er aber in einer breiten Skala auf, oder wie er es selber formulierte: „Es gibt in Braun viel Musik.“

Atelier in der Wassermühle

Als Assistent von Fritz Bode war Pitt Moog in die spannende Gründungsgeschichte der Kasseler Documenta eingebunden und konnte bei den ersten Ausstellungen die jeweils neueste Kunst kennenlernen – ein aufregendes Abenteuer nach den Jahren der geistigen und künstlerischen Enge unter den Nationalsozialisten. Bei der Documenta III 1964 war er dann selber als Teilnehmer eingeladen, zusammen mit dem Hagener Maler Emil Schumacher übrigens. Moog war auch bei der III. Biennale von Paris und der III. Biennale von Tokio vertreten. Weiterhin war der Künstler an drei großen Ausstellungen im Hagener Osthaus-Museum beteiligt, dazu an weiteren umfassenden Kunstschauen in Bochum, Dortmund, Recklinghausen und Münster.

1971 kaufte der Maler eine Wassermühle im Briloner Aatal, errichtete sich ein Atelier mitten in der geliebten freien Natur und lebte zurückgezogen zwischen der Lehrtätigkeit und den internationalen Reisen. Erst nach seiner Emeritierung wurde Moog als Künstler auch in seiner Wahlheimat präsent, unter anderem mit einem großen, auf zehn Jahre angelegten Ausstellungszyklus.

Pitt Moogs Bilder sind das Ergebnis eines selbstkritischen Schaffensprozesses. „Das gedankliche Gebäude gehört bei mir zur Malerei. Ohne das Gedankengebäude wäre das belanglos, reiner Formalismus.“ So entstehen Erzählungen, die es zu enträtseln gilt: „Es interessiert mich immer, wo hat etwas angefangen, wie und warum ist etwas passiert? Das sind zutiefst religiöse Fragen. Ich kann das nicht malen, aber ich kann damit leben und malen.“

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