Musik

Neue CD des Olsberger Jazz-Trompeters Frederik Köster

Frederik Köster bei den Proben zur Premiere der „Homeward Bound Suite“ mit dem Philharmonischen Orchester Hagen.

Frederik Köster bei den Proben zur Premiere der „Homeward Bound Suite“ mit dem Philharmonischen Orchester Hagen.

Foto: Michael Kleinrensing

Olsberg/Köln.  Mit der Homeward Bound Suite hat der Olsberger Jazz-Trompeter Frederik Köster eine Hommage an das Sauerland komponiert. Jetzt gibt es sie auf CD.

„Lieber Thomas, hier mein aktuelles Album. Liebe Grüße, Frederik!“ Vor einigen Tagen kam die CD mit dieser kurzen Notiz auf Notenpapier per Post ins Büro. Und ich habe es leider nicht geschafft, sie mir zu Hause in Ruhe anzuhören. Bis gestern. Da landete die Scheibe mit etwas Bauchgrummeln im CD-Player meines Autoradios. Kann man sich die CD eines Jazztrompeters wirklich unterwegs beim Fahren anhören? Man kann und das sogar sehr gut.

Der Star-Trompeter aus dem Sauerland hat seiner Heimat eine eigene Komposition gewidmet. „Homeward Bound Suite“ heißt das Werk, das 2016 uraufgeführt wurde. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Hagen haben der 40-jährige Olsberger und sein Ensemble „Die Verwandlung“ das Stück im Rahmen von „Sauerland-Herbst“ auch hier bei uns gespielt. Am 12. Januar erscheint nun der Mitschnitt des Konzertes aus der Stadthalle in Mühlheim auf CD.

Verblüffende Melodien

Der zweifache Echo-Jazz-Preisträger hat mit seiner Suite ein Werk komponiert, das viele Hörer verblüffen wird. Denn es ist in einigen Passagen ausgesprochen melodisch. „Ja, das haben mir schon viele gesagt. Es freut mich, wenn die Musik überrascht. Jazz muss ja nicht immer dissonant und anstrengend sein“, sagt der Professor für Jazztrompete am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück. Mit der „Homeward Bound Suite“ begibt sich Frederik Köster in den Cross-Over-Bereich. Er sprengt musikalische Grenzen und führt eine sich blind vertrauende und per Wimpernschlag kommunizierende Jazz-Combo mit einem 60-köpfigen, klassischen Orchester zusammen. Daraus entsteht eine Programm-Musik, bei der die Ruhr lautmalerisch per Klavier und Streicher durch Olsberg plätschert und der Orkan Kyrill in Trompeten-Mezzoforti an Fichten und Fensterläden rüttelt.

Natur, Weite und Harmonie

„Ich bin mit Musik der Hochromantik groß geworden, habe früher viel Schubert oder Debussy auf dem Klavier gespielt. Ich war schon immer ein Fan von Programm-Musik – etwa Mussorgskys ,Bilder einer Ausstellung’. Während ich diese Suite geschrieben habe, dachte ich an meine alte Heimat. Ich sehe dabei viel Natur, viel Weite und viel Harmonie“, beschreibt der Musiker und Komponist seine Motivation zu viel Melodik und Wohlklang.

Natürlich ist nicht alles Harmonie in Dur. In „Kyrill“, dem mit fast zwölf Minuten längsten und kantigsten Stück, geht es stürmisch wie im Soundtrack eines Actionfilms zu.

Von Jazz- und Klassiktonmeister abgemischt

Mit einem klassischen Orchester zu arbeiten, sei schon immer sein großer Wunsch gewesen. Es sei aber auch ein Projekt, das aufgrund des riesigen Apparates binnen kurzer Zeit funktionieren musste. Während die Jazz-Combo gern an der langen Laufleine spielt, braucht ein großes Orchester feste Strukturen. Beides miteinander zu kombinieren und dabei jedem trotz Korsetts einen interpretatorischen Freiraum zum Atmen zu gönnen – das ist die eigentliche Kunst.

Jazzband trifft das Orchester Hagen

Der Jazztrompeter Frederik Köster und Band spielen mit dem philharmonischen Orchester Hagen. Wir waren bei der Probe dabei.
Jazzband trifft das Orchester Hagen

Mit der Aufnahme aus Mühlheim war das Projekt für Frederik Köster übrigens nicht abgeschlossen. „Zwei begnadete Tonmeister - einer aus dem Jazz-, und einer aus dem Klassikbereich - haben den Mitschnitt abgemischt. Ich war dabei und erstaunt, wie man so eine Aufnahme noch direkter, kompakter und aufgeräumter gestalten kann.“ Das Schluss-Mastering wurde dann in Kalifornien gemacht. In jedem Fall ist die Suite ein gutes Mittel, um Klassik-Freunde mit Jazz und Jazz-Freunde mit Klassik in Berührung zu bringen oder gar zu versöhnen.

Nach der musikalischen Fahrt im Auto hat die „Homeward Bound Suite“ definitiv einen zweiten Anlauf verdient: jetzt aber in aller Ruhe im heimischen CD-Player - fast wie im Konzertsaal.

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