Naturschutz

Nicht weitersagen: Im Raum Olsberg brütet ein Schwarzstorch

Ein Schwarzstörche in einem  Gehege in der Schweiz. Wer die Vögel im heimischen Wald sieht, sollte der Versuchung widerstehen, sie zu fotografieren, denn er kann sich strafbar machen. Foto:Diana Roos / WAZ FotoPool

Ein Schwarzstörche in einem Gehege in der Schweiz. Wer die Vögel im heimischen Wald sieht, sollte der Versuchung widerstehen, sie zu fotografieren, denn er kann sich strafbar machen. Foto:Diana Roos / WAZ FotoPool

Olsberg.   Bitte nicht stören! Wo er brütet, verraten wir nicht. Aber dass ein Schwarzstorch im Raum Olsberg lebt, hat uns ein Leser mitgeteilt.

Auf der Wiese gehet was...: von wegen gehet, im Baum sitzt der Schwarzstorch, den ein WP-Leser in einem Buchenwald bei Olsberg entdeckt hat. „Das Artensterben ist ja tatsächlich dramatisch, aber es gibt auch diese schönen Ausnahmen“, freut er sich und verrät, auch Fotos zu haben. Die aber hätte er nicht machen dürfen, so Werner Schubert, wissenschaftlicher Leiter der Biologischen Station HSK.

Fotografieren geschützter Arten ist verboten

„Ja, in Olsberg brüten Schwarzstörche“, sagt Schubert. „Aber das Fotografieren geschützter Arten am Nest ist verboten“, betont er. Oft sei Unwissenheit im Spiel, aber Störche im Baum könnten immer auch auf Horstnähe hindeuten. Ob der WP-Leser nun die Schwarzstörche entdeckt hat, die man kenne oder aber ein neues Paar, das interessiert ihn aber sehr. „Wichtig ist darum, dass die Person uns mitteilt, wo das ist.“

15 bis 20 Paare im gesamten HSK

Rund 15 bis 20 Schwarzstorchpaare gebe es derzeit im Hochsauerlandkreis, ganz genaue Zahlen habe man nicht. Darum auch die Aufforderung an die Bürger, Sichtungen mitzuteilen. „Seit Anfang der 1980er Jahre sind sie wieder Brutvögel im HSK.“ Davor hätten diese geschützten Vögel zuletzt um die Jahrhundertwende bei Meschede gebrütet. Der Grund: „Während ein Weißstorch auf dem Haus als Zeichen für Glück galt, sind Schwarzstörche als Unglücksbringer beschossen worden“, erklärt Schubert. Dadurch seien die Vögel lange Jahre weg gewesen.

Erst als es in Osteuropa viele Biber gegeben habe, die wiederum ideale Bedingungen für große einzelne Bäume in feuchten Gebieten schufen - ideal für Schwarzstorch-Nester - kam der Storch auch ins Sauerland zurück. „Der Populationsdruck war groß genug.“

Durch Eingriff der Fortswirtschaft vertrieben

Immer wieder aber würden Störche auch durch Eingriffe der Forstwirtschaft, insbesondere durch Sägen oder Holzrücken vertrieben, bedauert Schubert, dass hier nicht mehr Vorsicht herrscht. Er kennt Fälle, bei denen kurz nach der Brut ein Baum mit Horst gefällt wurde oder ein Fotograf die Schwarzstörche vertrieb, weil er sie aus nächster Nähe beobachtete und sogar noch einen Ast absägte, der im Weg war. „Der Vogel war weg. Viele denken, die Schwarzstörche bauen sich einen neuen Horst. Ja, aber dann nicht gerade in unseren Wäldern, zumal es hier nicht mehr so viele Horstbäume gibt“, erklärt Schubert.

Gefahr durch Windräder

Wenn ein nicht idealer Baum doch für den Horst genutzt werde, bestehe die Gefahr, dass er bei Wind abstürze. Ebenfalls durch Forstarbeiten stünden manche Bäume oft zu frei im Wind. Und: „Eine neue Art Gefährdung ist durch Windräder entstanden.“ Dabei sei wichtig zu wissen, dass Schwarzstörche 40 bis 60 Quadratkilometer große Reviere hätten. „Es kann sein, dass die Vögel sechs bis acht Kilometer weit entfernt von der Stelle brüten, wo sie Nahrung suchen. Wer mal beobachtet hat, wie schnell sie in der Luft weg sind, weiß, sie sind sehr gute Segler.“ Und sie fangen gerne Fische, da biete das Sauerland mit 3000 Kilometern Fließgewässer gute Bedingungen. Mit Radspuren in Waldwegen trägt die Forstwirtschaft wiederum zu einer guten Nahrungsquelle bei: „So entstehen tiefe Pfützen als ideales Habitat für Molche, die wiederum Schwarzstörche auch gerne mögen.“

In der Biologischen Station sieht man die ständige Gefahr, dass das Vorkommen immer wieder gestört wird. „Im Staatsforst gibt es eine Ruhezone von 300 Metern um einen Horst, das gilt im Privatwald nicht“, sagt Schubert. Dennoch freut er sich über tolle Beobachtungen und bittet einmal mehr darum, zu melden, wer einen Horst entdeckt hat. „Nur das auch bitte nicht rumerzählen, denn dann entsteht dieser Tourismus dorthin.“

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