Umwelt

Öko-Studie zur Artenvielfalt in Briloner Steinbrüchen

Die Forscher interessieren sich für die Artenvielfalt in Steinbrüchen, hier der Lhoist-Bruch an der B7 bei Rösenbeck.

Die Forscher interessieren sich für die Artenvielfalt in Steinbrüchen, hier der Lhoist-Bruch an der B7 bei Rösenbeck.

Foto: Hans Blossey

Messinghausen.   Bisher galten sie als „Wunden in der Landschaft“, jetzt kommt Steinbrüchen eine neue Bedeutung zu. Brilon ist Teil eines Forschungsprojektes.

„Früher“, sagt Werner Schubert, Leiter der Biologischen Station des HSK in Brilon, „galten Steinbrüche ja als Wunden in der Landschaft.“ Heute seien das für den Artenschutz wichtige Lebensräume. Statt sie zu renaturieren oder als Deponie zu nutzen, sollte man sie „einfach so lassen wie sie sind. Dann entwickelt sich dort das, was dahin passt.“ Genau das ist derzeit Gegenstand eines Forschungsprojektes der Universität Osnabrück.

Dabei geht es darum, was auch Werner Schubert am Herzen liegt: das nachhaltige Management von Steinbrüchen. Projektleiter Prof. Dr. Thomas Fartmann, Chef der Abteilung Biodiversität und Landschaftsökologie der Uni, möchte einen Leitfaden für den Erhalt der Artenvielfalt in Steinbrüchen erstellen, und zwar nicht nur für die aufgelassenen - sprich: stillgelegten - sondern auch noch für die betriebenen. Dazu nimmt das Team um Prof. Fartmann rund 150 Steinbrüche unter die Lupe. Mit dabei: Lhoist Germany Rheinkalk in Messinghausen.

Werner Schubert und Prof. Dr. Fartmann kennen sich bereits lange. Der Wissenschaftler hat bereits Projekte der Biologischen Station HSK betreut. Flora und Fauna des Altkreises Brilon sind dem Forscher schon seit fast 30 Jahren vertraut. Ende der 90er Jahre verfasste er seine Doktorarbeit über „Die Schmetterlingsgemeinschaften der Halbtrockenrasen-Komplexe des Diemeltales – Biozönologie von Tagfaltern und Widderchen in einer alten Hudelandschaft.“

Mit Hochsauerland lange vertraut

Schwerpunkt seiner aktuellen wissenschaftlichen Arbeit sind die Auswirkungen des gegenwärtigen Klima- und Landnutzungswandels auf die Biodiversität und die daraus möglichen oder notwendigen Renaturierungsmaßnahmen. Für diese Untersuchungen sei er „immer wieder“ im Altkreis Brilon unterwegs und in Kontakt mit der Biologischen Station sowie dem Verein für Natur und Vogelschutz (VNV).

Die Veränderungen und Besonderheiten sind ihm dabei natürlich nicht entgangen. Zu den Indikatoren gehören Pflanzen, Vögel, Amphibien, Spinnen, Libellen, Heuschrecken, Zikaden, Laufkäfer sowie Schmetterlingen, und hier besonders Tagfalter und Widderchen. „Fast nur noch in Steinbrüchen“ komme etwa der Argus-Bläuling vor, ein Schmetterling, der früher auf den ausgedehnten Magerrasen heimsich war. Und für die Zippammer bieten hiesige Steinbrüche seit etwa 20 Jahren das nördlichste Brutrevier in Mitteleuropa. Ihr angestammtes Zuhause sind Felsformationen des mediterranen und vorderasiatischen Raumes - ein Indikator für den Klimawandel?

Bundesstiftung Umwelt unterstützt Projekt

Mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten dokumentierte der Osnabrücker Biogeograph und Ökologe, dass Steinbrüche mittlerweile wichtige Rückzugsorte für Pflanzen und Tiere darstellen. „Selten gewordene Insekten, Lurche und Vögel profitieren von diesen besonderen Lebensräumen“, sagt auch Dr. Reinhard Stock, Fachreferent Naturschutz bei der Dt. Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt finanziell unterstützt. Und deshalb ist das Forschungsprojekt von Prof. Dr. Fartmann auch vor dem Hintergrund des weltweiten Artenschwundes relevant.

Rund 150 Steinbrüche will das Team aus Osnabrück untersuchen. Bei der Suche und den Anfragen nach Standorten hat man bei Lhoist in Messinghausen einen aufgeschlossenen Partner gefunden.

Christian Zöller, Leiter der Abteilung Politik- und Bürgerdialog bei Lhoist Germany in Wülfrath: „Artenschutz und Kalksteinabbau schließen sich nicht aus, das Gegenteil ist der Fall.“ Die enge Zusammenarbeit mit den Experten der Universität generiere für alle einen großen Mehrwert. So könnten aus den Untersuchungen viele Erkenntnisse und sinnvolle Maßnahmen abgeleitet werden, die dem Schutz der Artenvielfalt zugute kommen. Zöller: „Das sehen wir als Teil unserer Verantwortung gegenüber Mensch und Natur an.“

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