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Ökologische Mode entworfen und hergestellt in Brilon

Gudrun Beerbohm in ihrem Atelier in Wülfte

Foto: Lena Kley

Gudrun Beerbohm in ihrem Atelier in Wülfte Foto: Lena Kley

Wülfte.   Fair Fashion wird immer präsenter: Auch die Designerin Gudrun Beerbohm aus Wülfte stellt solche Kleidung her. Ihr Stil: Klassisch und zeitlos.

Ende Januar stellten Designer in Berlin im „ethical fashion show“ die neueste faire und ökologische Mode vor. Für ethisch korrekte Kleidung müssen Frauen in der Region nicht weit fahren - Gudrun Beerbohm aus Wülfte produziert hier schon lange solche Stücke: Auf Kleiderstangen in ihrem Atelier reiht sich feinster verarbeiteter Stoff aneinander: Leinen in sanften Farben, umschmeichelnde, schlichte Kleider in kräftigem Schwarz. Ganz vorne hängt ein Rock: Lila Leinen in Form von Blütenblättern liegt auf einem transparent-tülligen Stoff. Ihr Stil: Schlicht, klassisch, weiblich, ab und zu verspielt.

„Ich bekomme oft von meinen Kunden gesagt, dass sie meine Sachen jahrelang tragen“, sagt die 58-Jährige und fügt hinzu: „Meinen Stil würde ich als zeitlos und schick bezeichnen.“ Die Stücke kosten um die 200 bis 400 Euro. Doch Qualität hat ihren Preis: Hier sitzt jede Naht, feinster Stoff ist Kante auf Kante genäht und die Stücke haben noch zahlreiche Abnäher - im Gegensatz zur Ware von der Stange.

Liebe zu natürlichem Gewebe

Die große Leidenschaft von Gudrun Beerbohm findet sich bereits im Material wieder: Naturstoffe - vor allem Leinen, „je gröber, desto besser“, wie sie sagt. „Naturstoffe sind ganz anders auf der Haut zu tragen als Polyester“, sagt die Designerin und schwärmt anschließend vom Gefühl der reinen Seide, die selten in herkömmlicher Konfektionsware zu finden ist. Wolle ist auch ein großes Thema: „Ich kaufe gerne bei englischen Wollherstellern, die haben wirklich eine super Qualität“, erklärt sie. Walkstoff, ein festes filz-ähnliches Gewebe, bezieht sie aus Österreich.

Weg zur selbstständigen Designerin

Warum üben Naturstoffe so eine Anziehung auf sie aus? „Ich war immer sehr naturverbunden“, erklärt Beerbohm. Im Wendland ist sie aufgewachsen, dort wurde damals eine Kultur der Natur gepflegt – alleine wegen der Anti-Atomkraft-Bewegung, die aufgrund der Nähe zum Endlager Gorleben entstand.

Schon während des Studiums für Industriedesign in Kassel färbte sie mit Pflanzen, die sie selbst sammelte: „Dafür bin ich extra mit dem Fahrrad durchs Land gefahren“, erinnert sie sich. Nach dem Studium absolvierte sie bei „Müller & Sohn“ in München eine Schnittmacherausbildung, bei der sie lernte, Schnitte als Grundlage für die spätere Kleidung zu erstellen.

Danach fing sie bei Hess Natur in Bad Homburg an. „Die waren mit Maas Natur die Vorreiter in Deutschland für ökologische Kleidung“, sagt die Designerin. Das sei aber alles noch ganz am Anfang gewesen, als das Unternehmen noch zwanzig Angestellte hatte. „Es war sehr persönlich und gemütlich, wie eine kleine Familie“, erinnert sich Beerbohm.

Nach ihrer Anstellung dort erledigte sie Auftragsarbeiten für Mode-Firmen und nahm Lehrtätigkeiten an, danach machte sie sich 1992 selbstständig. Zunächst arbeitete sie in Frankfurt, später zog sie nach Brilon. Früher bediente sie Ladenkunden, jetzt näht sie vor allem für Privatkunden und verkauft über mehrere ökologische Onlineshops – und über ihren eigenen.

Mehr Freiheit für die Zukunft

In Zukunft möchte sie diesen Onlinestore mit dem Namen „Alhambra“ weiter voranbringen. „Das ist ein langer Weg, glaube ich“, sagt Gudrun Beerbohm. Ein weiterer Wunsch wäre, mehr experimentelle Mode zu machen: „Ich möchte entwerfen, experimentieren und einfach eine Kollektion erstellen, weil es mir Spaß macht – mit schönen Materialien“, erzählt die 58-Jährige mit sichtlicher Freude.

Vergangenes Jahr stellte sie selbst auch auf der „ethical fashion show“ in Berlin aus. Zwar sollen damals wenige Besucher da gewesen sein, aber Beerbohm sagt auch: „Die Menschen waren sehr sympathisch und der Postbahnhof, wo wir ausstellten, hatte eine wundervolle Atmosphäre.“

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