Defekt im Instrument

Orgel der Propsteikirche Brilon mit Aussetzer an Heiligabend

Die Feith-Orgel in der Propsteikirche stammt aus dem Jahr 1970. Hier Propst Dr. Richter (r.) und Hans-Ulrich Kappe vom Organisten-Team

Foto: Jürgen Hendrichs

Die Feith-Orgel in der Propsteikirche stammt aus dem Jahr 1970. Hier Propst Dr. Richter (r.) und Hans-Ulrich Kappe vom Organisten-Team Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.   Ausgerechnet an Heiligabend hatte die Orgel in der Propsteikirche einen Defekt. Der Organist und ein Messdiener fanden den Fehler aber schnell

Als sich die Propsteikirche Heiligabend allmählich zur Christmette füllte, leistete sich die Feith-Orgel einen veritablen „Heuler“. Ein Dauertiefton, dem Nebelhorn eines Dampfers nicht unähnlich, waberte durch das Gotteshaus. Dienst am Instrument hatte an diesem Abend Dr. Peter-Karl Becker. Der 44-Jährige kennt sich zum Glück nicht nur mit den Tönen aus, sondern auch mit der Technik. Als Schüler hatte er oft in Rixen der Orgelbaumeisterin Judith Mendel-Koch über die Schulter geschaut und ihr in der Werkstatt und bei Montagetouren mitgeholfen. Er wusste also, dass sich bei einem „Heuler“ ein Ventil nicht schließt und wie sich das beheben lässt.

„Das kommt öfter vor“, sagt Dr. Becker. Schließlich steckt in einer Orgel jede Menge Mechanik. 2828 Pfeifen hat das Instrument in der Propsteikirche; die längste ist 5,60 m hoch, die kleinste misst gerade einmal acht Millimeter. 40 Register sorgen für den Klang. Der Organist wusste, was zu tun ist: rein ins Instrument, den sog. „Kasten“. Da drin, so Dr. Becker, ist es allerdings „sehr, sehr eng“. Immerhin: Der Musiker mit dem geschulten Ohr hatte eine Vermutung, wo der „Heuler“ sitzt. Bei den Pedalen. Dort kreiste er den Ton ein und fand beim cis den Übeltäter. Bei der Reparatur assistierte ihm einer der jungen Messdiener, Johannes Weber. Der bediente den Blasebalgmotor und die Taste, während Dr. Becker im Windkasten die Feder des defekten Ventils neu spannte und einsteckte - eine Fuckelarbeit. Die Christmette jedenfalls konnte so, wenn auch mit etwas Verzögerung, ihren traditionellen klangvollen Verlauf nehmen.

Aufwändige Kirchensanierung

„Als ein Kind der 60er Jahre“, sagt Ulrich Schauerte, international renommierter Kirchenmusiker aus Wormbach und Stammorganist in der Propsteikirche, sei die Briloner Feith-Orgel „heute technisch marode und klanglich überholt“.

Das ist auch Propst Dr. Reinhard Richter bewusst. Allein: „Da ist es ja nicht mit ein paar tausend Euro getan.“ Rund eine Million Euro würde nach einer groben Kalkulation eine neue Orgel kosten. Ein Batzen Geld, den die Propsteigemeinde alleine aufbringen müsste, denn dafür, so Dr. Richter, „gibt es aus Paderborn keinen Zuschuss.“

Eine neue Orgel würde wohl auch nicht mehr vorne, im rechten Querschiff der Kirche angebracht, sondern hinten im Bereich eines der Seitenschiffe. Erst 1970 war das neue Instrument von der Turmhall nach vorne verlegt worden. Von dort, so der Propst, lasse sich die Kirche jedoch „klanglich nicht optimal füllen“. Die Anschaffung einer Orgel, müsse „von langer Hand geplant werden“, sagt UIrich Schauerte. Auch in finanzieller Hinsicht. Um dazu schon jetzt „einen Anstoß zu geben“, findet Neujahr in der Propsteikirche ein Benefiz-Konzert statt. Der Eintritt ist frei. Die Besucher werden um eine Spende für die Orgel gebeten. Schauerte: „Durch Ihren Besuch können Sie helfen, ein gutes Projekt mit auf den Weg zu bringen.“

Neben der in die Jahre gekommenen Orgel gibt es in der Propsteikirche bekanntlich auch andere Baustellen - im wahrsten Sinne des Wortes. Derzeit läuft die Dachsanierung. Dabei haben sich im Gebälk neue, bisher nicht bekannte Schäden gezeigt. Rund 1,2 Millionen Euro sind für diese Arbeiten einkalkuliert. Und rund 1,6 Millionen Euro fallen für die Sanierung des Kirchturms an.

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