Kyrill

Orkan Kyrill schafft wander- und wunderbare Aussichten

Das Wandern hat sich geändert. Kyrill hatviele neue Ausblicke geschaffen.

Das Wandern hat sich geändert. Kyrill hatviele neue Ausblicke geschaffen.

Foto: Horstgünter Siemon

Hochsauerlandkreis.  Der Orkan „Kyrill“ hat damals nicht nur die Wald- und Forstwirtschaft getroffen. Auch die Wandervereine standen plötzlich vor versperrten Wegen.

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„Ich sehe nur noch Tannen, Tannen, Tannen!“ Noch viele Jahre später haben mir meine Eltern immer wieder lachend vorgehalten, wie ich als Kind bei einer Familienwanderung bockig im Wald stand und partout keinen Schritt mehr weiter wollte. Heute ist es auf vielen Sauerländer Waldwegen längst nicht mehr so dunkel und eintönig wie damals vor 40 Jahren. Denn während Kyrill für viele Waldbesitzer ein dramatischer Eingriff war, brachte das Sturmtief für Wanderer auch viele neue Aus- und Weitblicke und durch Neuanpflanzungen optisch abwechslungsreichere Baumbestände.

Kyrill bedeutete einen herben Einschnitt für den Wandertourismus

Doch auch für heimische Wanderfreunde und den Wandertourismus war Kyrill zunächst ein herber Einschnitt: Bäume lagen kreuz und quer über die Wege, Wegmarkierungen waren zerstört und das Betreten der Wälder für Wanderer und Biker dort, wo der Orkan besonders schlimm gewütet hatte, erstmal aus Sicherheitsgründen tabu.

Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann spricht mit Blick auf Kyrill von einem schwierigen Jahr: „Das war schon eine harte Zäsur. Erst tobte Kyrill über das Sauerland, dann hatten wir kaum Schnee.“ Da viele Wege nicht nutzbar waren, sei es schwierig gewesen, in die Wander- und Biker-Saison zu kommen. Die Folgen des Orkans schlugen sich auch in den Gästezahlen und mit 300 000 Euro weniger Kurbeiträgen finanziell nieder, so Beckmann.

Ulrich Lange, langjähriger Wanderführer und Vorsitzender der SGV-Abteilung Grönebach, erinnert sich noch gut an den Tag nach dem Sturmtief: „Ich kannte die Landschaft kaum wieder.“ Bei einer lange für diesen Termin geplanten SGV-Wanderung wurde ihm bewusst, was Kyrill in der Nacht zuvor tatsächlich in den Sauerländer Wäldern angerichtet hatte, denn die Verwüstungen waren ja nicht flächendeckend überall gleich. Er erinnert sich: Von Grönebach aus führte die Wanderung über die Hochheide in Richtung Willingen. Im Hoppecketal fingen die Schwierigkeiten an: Umgefallene Bäume, lautes Knacken und Knistern im Wald – aus Sicherheitsgründen wechselte die Gruppe auf die anderen Talseite. Dort war alles o.k. Den Rückweg trat die Gruppe an diesem Tag allerdings nicht mehr zu Fuß an.

Erst nach zwei Jahen waren die Kyrill-Schäden aufgearbeitet

Rund zwei Jahre habe es gedauert, bis die Schäden auf den vielen Wegen wieder beseitigt waren. Mehr als 2000 Kilometer Wanderwege mussten in dieser Zeit abgewandert, kontrolliert und neu gekennzeichnet werden, so Ulrich Lange. Allein im Bereich von Grönebach waren 47 Wegweiser zugefallen, allerdings in den meisten Fällen nicht gravierend beschädigt, erinnert er sich noch gut. Viele Markierungen waren aber mit umgestürzten Bäumen komplett verschwunden.

„Für uns Wanderer hat Kyrill aber auch wunderbare Aussichten und ein neues Waldbild gebracht“, so die Einschätzung von Ulrich Lange. Denn: „Für Wanderer ist es ja auf Dauer recht langweilig immer nur durch den Wald zu laufen. Und so freuen wir uns über ganz wunderbare neue Aussichten, die heute bewusst frei gehalten werden - wie zum Beispiel der Ausblick von der Hochheidehütte in Richtung Westen oder auf dem Weg vom Langenberg Richtung Richtplatz.“

Damals ein Chaos vorgefunden

Auch Jürgen Jung, der heute Vorsitzender des SGV Brilon ist, weiß noch, dass die Briloner Wanderer vor zehn Jahren „ein Chaos vorgefunden haben“ und sich bei ihren Wanderungen erstmal behelfen mussten, da viele Wege zunächst durch umgestürzte Bäume und Äste und später durch die Aufräumarbeiten nicht passierbar waren. Doch rückblickend ist er froh, dass in den Wäldern um Brilon alles so schnell und gelungen neu begrünt und umgestaltet worden sei. Auch er freut sich über Wege, die heute in der Sonne liegen und bewusst frei gehaltene „beeindruckende Ausblicke“ in die Täler bieten, wie zum Beispiel auf dem Briloner Kammweg, auf dem alten Schnadeweg von der Feuereiche aus in Richtung Borberg oder auf dem Waldfeenweg.

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