Keyless-Go-System

Polen-Bande wird Autodiebstahl in Winterberg zum Verhängnis

Autodiebe haben es  zunehmend auf Fahrzeuge mit dem Schließmechanismus "Keyless-Go" abgesehen. Eine Bande steht jetzt vor Gericht.

Autodiebe haben es zunehmend auf Fahrzeuge mit dem Schließmechanismus "Keyless-Go" abgesehen. Eine Bande steht jetzt vor Gericht.

Foto: Matthias Balk / dpa

Winterberg/Bielefeld.  Nach dem Diebstahl von Autos im Wert von rund einer Million Euro steht jetzt eine Bande vor Gericht. Den letzten Wagen klauten sie in Winterberg.

Nur mit einer Funkkarte sein Auto öffnen und starten zu können, ist schon eine bequeme Sache. Leider nicht nur für den rechtmäßigen Besitzer, sondern auch für Kriminelle. Vier mutmaßliche Autodiebe sitzen seit Mittwoch in Bielefeld auf der Anklagebank: Sie sollen im großen Stil im östlichen Nordrhein-Westfalen Pkws gestohlen und nach Polen geschafft haben. Eine Tat in Winterberg war der eine Diebstahl zuviel.

Haupttäter lebten in Arnsberg und Hamburg

Die Bande hatte es ausschließlich auf Autos mit dem so genannten Keyless-Go-System abgesehen: Diese elektronische Fahrberechtigung funktioniert per Funksignal – das von einem elektronischen Schlüssel ausgesendet wird. Das machen sich Autodiebe zunutze: Sie verlängern das Funksignal vom Aufbewahrungsort des Schlüssels bis zum Auto mithilfe spezieller Geräte, so dass sie das Fahrzeug wegfahren können.

Und genau so soll es auch die Bande angestellt haben, die sich jetzt vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten muss: Vier Polen im Alter von 30 bis 39 Jahren, die beiden Haupttäter lebten in Arnsberg und Hamburg, sollen zwischen August und Dezember vergangenen Jahres insgesamt 30 Autos gestohlen haben.

Autos wurden an Fahrer übergeben, die sie nach Polen bringen sollten

Schwerpunkte der Taten waren der Hochsauerlandkreis, der Kreis Gütersloh und der Kreis Lippe. Die Autos wurden stets an einem Parkplatz am Möhnesee an Fahrer übergeben, die sie nach Polen bringen sollten. Ein Teil der Fahrzeuge kam dort auch an, entweder um weiterverkauft oder zur Ersatzteilgewinnung zerlegt zu werden.

In ein paar Fällen trickste das Keyless-Go-System die Diebe aus: Weil der Motor des Autos ausging, konnte er ohne den dazugehörigen Funkschlüssel nicht mehr gestartet werden. Um die Beute nicht abschreiben zu müssen, wurden in mehreren Fällen die Steuergeräte ausgebaut und in Polen umfrisiert, um die Autos wieder in Gang zu bringen.

Insgesamt sollen die Autos, vor allem Mittelklasse-Pkws, Sportwagen und SUVs, einen Wert von nahezu einer Million Euro haben.

Versucht, einen in Winterberg entwendeten Lexus nach Polen zu fahren

Die Polizei kam der Bande auf die Schliche, weil sich Autodiebstähle im Kreis Gütersloh häuften. Es wurde eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, in der die Polizei Gütersloh mit der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis und der Staatsanwaltschaft Bielefeld übergreifend zusammenarbeiteten.

Dass im Oktober 2018 in Polen ein mutmaßlicher Mittäter nach einem Unfall mit einem in Augustdorf (Kreis Lippe) gestohlenen Ford Mustang festgenommen wurde, war für die Ermittler ein Glücksgriff. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Verdächtige der polnischen Polizei umfangreiche Angaben gemacht haben und seine Aussage in dem Verfahren in Bielefeld eine große Rolle spielen.

Fünf Prozess-Termine bis Mitte August angesetzt

Die vier Angeklagten wurden kurz vor Weihnachten geschnappt. Der ins Arnsberg wohnende 33-Jährige hatte versucht, einen in Winterberg entwendeten, 40.000 Euro teuren Lexus nach Polen zu fahren. Dass er dabei bereits das Sondereinsatzkommando aus Bielefeld „am hacken“ hatte, merkte er erst beim Zugriff im nordhessischen Cölbe. Seine drei Mittäter gingen der Polizei in Meschede ins Netz, wo sie auf der Suche nach lohnenswerter Beute unbedarft in der Nacht in ihrem Mazda herumkurvten.

Zunächst sind für den Prozess fünf Termine bis Mitte August angesetzt.

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