Energiewende

Politik entsetzt über Waldrodung für Windkraft bei Brilon

Nördlich von Brilon schießen entlang der B7 zurzeit die Windräder wie Pilze aus dem Boden. Hier die Windparkerweiterung bei Radlinghausen.

Foto: Hans Blossey

Nördlich von Brilon schießen entlang der B7 zurzeit die Windräder wie Pilze aus dem Boden. Hier die Windparkerweiterung bei Radlinghausen. Foto: Hans Blossey

Brilon.   Die Schneisen, die für die Windräder am Windsberg geschlagen wurden, haben Mittwochabend den Bau- und Planungsschuss in Brilon entsetzt.

„Wir müssten alle geschlagen werden, dass wir das genehmigt haben.“ Die pauschale Selbstkritik, die CDU-Ratsherr Jürgen Kürmann gestern Abend im Bau- und Planungsausschuss an den Tag legte, kommt für den Windsberg zu spät. Was dort, so Kürmann weiter, für die drei Windräder „an intakter Natur zerstört“ worden ist, sei „eine Katastrophe“. Kürmann: „Unvorstellbar, was dort abgeht.“ Sein Fraktionskollege Manfred Göke, als Einwohner von Altenbüren mit den Windrädern und dem Ärger im Dorf hautnah konfrontiert, bezeichnet den Raubbau an der Natur, der für die Bauflächen und Zufahrten betrieben wird, als „erschreckend“.

Konzentrationszonen „Notwehr“

Zur Erinnerung: Es sind die Stadtwerke Brilon, die hoch auf dem Hausberg von Altenbüren die drei – bis zur Flügelspitze – je 212 Meter hohen Anlagen installieren und auch bei den Auf der Haar zwischen Brilon und Altenbüren geplanten Anlagen mit im Boot sind.

Ob die derzeit wie Pilze im Norden von Brilon aus dem Boden schießenden Windräder die Kommunalpolitiker aufgeschreckt haben? Jedenfalls sprach sich der Ausschuss gestern bei lediglich einer Gegenstimme (BBL) dafür aus, der Bürgerwind Hamm-Stemmel GbR das gemeindliche Einvernehmen für den Bau von drei nördlich der Mühlenbein und Rheinkalk-Steinbrüche geplanten Windräder zu versagen. Rund 1100 Meter sind es vom Ortsrand Madfeld bis zur nächstgelegenen dieser drei Anlagen.

Damit, so CDU-Fraktionssprecher Eberhard Fisch, liege der Abstand unterhalb der 1500-Meter-Marke, die die Landesregierung anwenden möchte. Die Ausweisung von Konzentrationszonen, so Fisch, sei „Notwehr“ gewesen, um den unkontrollierten Bau der privilegierten Anlagen zu verhindern. Madfelds Ortsvorsteher und SPD-Ratsherr Heinz Bickmann, der in seinem Berufsleben übrigens für das Strom-Back-Up von Atomkraftwerken verantwortlich war, appellierte an die Verwaltung, doch einmal zu prüfen, „ob uns Madfeldern das auch noch zugemutet werden kann. Es wird ja nicht dabei bleiben“.

Neuer Abstand noch nicht verbindlich

Stadtplanungsamtsleiter Oswald sagte, dass der von der neuen Landesregierung ins Spiel gebrachte Abstand von 1500 Metern zwar im Koalitionsvertrag stehe, der jedoch keine unmittelbare Auswirkung auf die Rechtslage habe. Das umzusetzen, werde „schwierig“, zumal die dafür in der Landesbauordnung vorgesehene Frist längst abgelaufen sei. Oswald: „Wenn nichts auf Bundesebene passiert, haben Sie keine Chance.“ SPD-Ratsherr Günter Wiese sagte, vielleicht sei die neue Landesregierung ja in der Lage „nicht nur Sprüche, sondern auch Fakten zu liefern“. Falls der Rat das Einvernehmen nicht erteilt, laufen die Ratsvertreter nicht Gefahr, in Regress genommen zu werden. Wie Beigeordneter Huxoll sagte, könne der HSK als Herr des Verfahrens diese Einvernehmen ja ersetzen.

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