Ausstellungsprojekt

Projekt im HSK: Künstlerin will Wald zum Gespräch machen

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Die Künstlerin Theresa Kampmeier organisiert das Ausstellungsprojekt "Brotbaumregime" im Sauerland.

Die Künstlerin Theresa Kampmeier organisiert das Ausstellungsprojekt "Brotbaumregime" im Sauerland.

Foto: Theresa Kampmeier / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Hochsauerlandkreis.  Theresa Kampmeier (31) organisiert im HSK ein Kunstprojekt. Thema: Wie der Sauerländer Wald zerstört wird und wir um ihn trauern sollten.

Wer dieser Tage durch das Sauerland fährt, sieht zahlreiche kahle Flächen und Bäume, die statt saftig-grün eher grau-braun anmuten. Die Trockenheit der letzten Jahre hat die Monokultur im Sauerländer Wald wehrlos gemacht. Schädlinge - in diesem Fall den Borkenkäfer - lassen die Wälder voller Fichten, dem Brotbaum für Forst- und Holzwirtschaft, sterben. Die Künstlerin Theresa Kampmeier nimmt sich dieses Bild des Sauerländer Waldes zum Anlass für ihr Ausstellungsprojekt „Das Brotbaumregime“.

„Es ist eine Veränderung, die wir alle sehen können“, sagt die 31-Jährige. „Im Sauerland gibt es kaum noch Fichtenflächen und das wird uns noch lange beschäftigen.“ Daher müsse das Problem auch direkter adressiert werden. „Alle machen sich Gedanken, aber das öffentliche Gespräch fehlt in meinen Augen, denn es betrifft uns alle.“ Die wichtige Frage, die sie stellt: „Was bedeutet das alles für die Kultur in der Region?“

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Die Idee für das Kulturprojekt kam der Künstlerin aus Arnsberg bei einem Heimatbesuch Anfang 2021. „Der Wald meiner Kindheit war einfach weg - Kahlschlag“, erzählt sie. „Ich bin ja im Sauerland aufgewachsen und war immer gerne im Wald. Das war vor allem als Jugendliche wichtig für mich.“ Sie habe zunächst das Kulturbüro in Arnsberg angefragt. Darauf folgten dann die Kulturbüros in Brilon und Schmallenberg, die das Projekt nun gemeinsam mit ihr organisieren. „Irgendwie wurde das Projekt dann auch extrem schnell groß“, sagt Theresa Kampmeier. Für das Projekt pendelt sie zwischen Berlin und dem Sauerland hin und her.

Ausstellung auch in Brilon geplant

In Brilon beteiligt sich das Museum Haus Hövener an Theresa Kampmeiers Projekt. Im nächsten soll unter anderem auch hier die Ausstellung zu sehen sein. In der Dauerausstellung beschäftigt man sich schon jetzt mit der historischen Briloner Bewirtschaftung des Waldes. Zusammen forscht man dort nun darüber, wie der Wald über den ökologischen Aspekt hinaus Teil der Kultur wurde. Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes, der LWL-Kulturstiftung und der Kunststiftung NRW. Neben dem Museum Haus Hövener in Brilon sind auch das Sauerlandmuseum in Arnsberg und das Museum Holthausen in Fredeburg beteiligt.

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Das Ausstellungsprojekt soll den Naturschutz und auch die Klimaresilienz der Region voran bringen. „Der Klimawandel ist angsteinflößend“, sagt Theresa Kampmeier. „Aber wir müssen auch mit dieser Veränderung leben und für diese offen sein.“ Für die Künstlerin sticht aber noch ein Anliegen besonders heraus: „Es geht ums Trauern. Trauern wegen des Verlusts des Ökosystems, das unsere Heimat ausmacht - ein emotionaler Verlust. Trauern ist ein gemeinschaftlicher Prozess“, sagt sie.

Die Rolle des Sauerländer Waldes

Das Bild der Landschaft trage schließlich auch zur Identität der dort heimischen Menschen bei. Das sei auch der Grund, warum es vor allem um die Frage gehe, wie Wald und Kultur miteinander verknüpft sind. „Ein komplexes Bild des Sauerländer Waldes soll mithilfe wissenschaftlicher Informationen, Stimmen aus der Region sowie alten und neuen Kunstwerken gezeigt werden“, erklärt Theresa Kampmeier. Die Kulturproduktion rund um den Wald und die sozialen Aspekte stünden im Vordergrund. Verschiedene Zeitzeuginnen und Zeitzeugen bildeten das Gedächtnis bei der zentralen Frage: „Welche Rolle spielte der Wald?“

Offiziell los gehen konnte es mit dem Projekt in diesem Jahr im Mai. Den Schaffungsprozess dokumentiert Theresa Kampmeier auf Social Media und der Website des Projekts. Ihr eigenes Bild vom Wald im Sauerland sei vor dem Start ihrer Recherche ein ganz anderes gewesen. „Ich bin da wahrscheinlich sehr naiv reingegangen. Mir war nicht bewusst, dass der Wald so eine große wirtschaftliche Nutzfläche ist“, sagt sie.

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Geplant ist die Ausstellung für das nächste Jahr. Vom 1. Juli bis zum 1. Oktober 2023 soll das Projekt im Sauerland-Museum, im Museum Haus Hövener und in der Südwestfälischen Galerie im Museum Holthausen ausgestellt werden. Aber schon jetzt gibt es ein offenes Rahmenprogramm, bei dem jeder mitmachen kann. „Die Besucher sollen in die Ausstellung eingebunden werden“, sagt Theresa Kampmeier. Deswegen werden zum Projekt „Brotbaumregime“ verschiedene Workshops angeboten. Damit sollen auch Dinge für die Ausstellung produziert werden.

Verschiedene kostenlose Workshops

In Brilon wird beispielsweise ein Besuch im Sägewerk angeboten. Am 28.10. wird ab 19 Uhr das Egger Werk besichtigt. Im Frühjahr sollen zusätzlich Workshops für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse angeboten werden. In allen drei Stadtgebieten wolle man Collagen aus Recherchematerial erarbeiten, die dann in den Ausstellungen präsentiert werden.

Unabhängig davon können aber alle Interessierten Teil der Ausstellung werden. Bis zum 31. Januar 2023 werden Erinnerungen aus dem Sauerländer Wald gesucht: Egal ob Fotos, Postkarten, Geschichten, Lieder oder Bilder. Das Material kann entweder direkt an Theresa Kampmeier per E-Mail geschickt oder bei den Kulturbüros in Arnsberg, Brilon oder Schmallenberg vorbeigebracht werden.

Weitere Workshops und Anmeldungsmöglichkeiten gibt es unter: www.brotbaumregime.info

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