Kommunalpolitik

Rat Brilon segnet das Fällen der Linden in der Karlstraße ab

Die Ratsmehrheit steht hinter der Beseitigung der Linden in der Karlstraße.

Die Ratsmehrheit steht hinter der Beseitigung der Linden in der Karlstraße.

Foto: Jürgen Hendrichs

Brilon.   Die Linden in der Briloner Karlstraße werden demnächst beseitigt. Die Bürgerliste findet das Bewertungssystem fragwürdig.

Die 13 Linden in der Karlstraße werden demnächst gefällt; das hat der Rat in seiner jüngsten Sitzung abgesegnet. „Das hätten wir schon vor zehn Jahren machen sollen“, so Hubertus Weber (SPD). „Das ist kein ökologischer Wahnsinn, sondern das sagt der gesunde Menschenverstand.“ Wie berichtet, klagen die Anwohner der Karlstraße schon seit Jahren darüber, dass die mittlerweile die Häuser um das Doppelte überragenden Bäume ihnen das Licht wegnehmen, Dächer und Fassaden verdrecken und teilweise die Gehwege unpassierbar machen.

Die BBL brachte den Vorschlag auf den Tisch, die Karlstraße umzugestalten und zum Beispiel als Einbahnstraße auszuweisen. Die Straße, so BBL-Ratsherr Reinhard Loos, habe ja nur für die Anlieger eine Bedeutung. Deshalb könnte man die Fahrbahn verengen und so den Bäumen und Fußgängern mehr Platz geben. Loos: „Linden sind schöne Bäume. Wir sollten froh sein, dass wir sie haben.“ Stadtgärtner Markus Düppe sagte, dass sich die dort stehenden Sommerlinden trotz ihrer 70 Jahre erst „in der Pubertät“ befinden. Und auch beim Wachstum legen sie noch zu. Zurzeit sind sie 18 bis 24 m hoch, 35 bis 40 m seien durchaus drin.

Bürgerliste kritisiert Bewertungssystem

Im Zuge der Diskussion um die Bäume in der Karlstraße diskutierte der Rat auf Antrag der BBL auch den Kriterienkatalog, mit dem die Verwaltung Straßenbäume beurteilt, die zwar gesund sind, die wuchsbedingt jedoch Schäden verursachen oder stören. Eigentlich, so Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, sei dies ein „Geschäft der laufenden Verwaltung“. Mit dem von Verwaltung und Gestaltungsbeirat aufgestellten Katalog lägen jetzt jedoch „objektive Kriterien“ und eine „gewisse Standardisierung“ vor. Bewertet werden Baumhöhe, Abstand des Baumstamms zum Haus, die bereits durch das Wurzelwerk entstandenen Schäden an Gehweg oder Fahrbahn, Vitalität des Baumes und Barrierefreiheit, d.h. in diesem Fall die eventuelle eingeschränkte nutzbare Breite eines Bürgersteigs.

Steht ein Baum zum Beispiel mehr als zehn Meter von einem Haus entfernt, bekommt er keinen Punkt, bei zwei bis drei Metern sind es gleich vier. Sammelt ein Baum acht und mehr Punkte, kann er gefällt werden. Und genau das hinterfragte die BBL. Denn ursprünglich bestand die Matrix nur aus fünf Kriterien; die Barrierefreiheit kam erst später hinzu. Deshalb, so Christiana Kretzschmar von der BBL, hätte bei der Bewertung doch logischerweise auch das Punkte-Level, ab dem Bäume gefällt werden können, angehoben werden müssen.

Weber: Bäume hätten schon früher weg gemusst

Den BBL-Antrag, deshalb den Schwellenwert von 8 auf 9 Punkte anzuheben, lehnte der Rat ab. Dann wären sieben der 13 Bäume von der Säge verschont geblieben. Das wollten aber weder CDU noch SPD. Noch einmal Hubertus Weber: „Eigentlich müssen wir uns bei den Anliegern entschuldigen, dass wir die Bäume nicht schon viel früher weggemacht haben.“

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