Europawahl

Reaktionen zum Wahl-Fiasko für CDU und SPD im Hochsauerland

Verfolgen die Ergebnisse im Kreishaus in Meschede: Links der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg, rechts Landrat Dr. Karl Schneider.

Verfolgen die Ergebnisse im Kreishaus in Meschede: Links der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg, rechts Landrat Dr. Karl Schneider.

Foto: Kortmann

Hochsauerlandkreis.  Bei der Europawahl jubeln im Hochsauerland nur die Grünen. FDP und AfD gewinnen leicht. Patrick Sensburg (CDU): „Wir bieten keine Visionen an.“

Die CDU hat bei den Europawahlen im Hochsauerlandkreis ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Zwar bleiben die Christdemokraten stärkste Partei, sie bekamen aber nur 41,6 Prozent. Die SPD verliert deutlich. Gewinner sind – wie im Bundestrend – die Grünen. Die FDP, die bei der letzten Europawahl ein schlechtes Ergebnis eingefahren hatte, legt zu. Die AfD gewinnt ebenfalls – aber nur moderat. Die Partei bleibt deutlich hinter dem Bundesergebnis zurück. Die ersten Reaktionen aus dem Hochsauerlandkreis zur Wahl.

Patrick Sensburg (CDU): Lehre aus der Wahl ziehen

Im Kreishaus verfolgten nur rund zwei Dutzend Zuschauer die Zahlen – alles Parteifunktionäre. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg sprach von einem „sehr schlechten Ergebnis“ für die Union: „Wir bieten keine Visionen an, wo wir hinwollen“ – etwa bei Landwirtschaft oder beim Klima. Er nannte das Beispiel, das immer noch das Schreddern von Küken erlaubt sei: Seit neun Jahren werde darüber gesprochen, „aber wir haben es immer noch nicht gelöst“. Seine Lehre für die Bundestags- und Kommunalwahlen 2020: „Wir müssen unsere Positionen klarer machen.“ Außerdem müsse die CDU stärker Jüngere einbeziehen.

SPD: Das ist ein desaströses Ergebnis

Die SPD hat ähnliche Probleme. Reinhard Brüggemann, stellvertretender Landrat, sagte: „Wir treffen nicht den Nerv der Bevölkerung mit dem, was wir tun.“ Seit Jahrzehnten würden Themen in der SPD kontrovers diskutiert: „Manchmal wäre eine klare Position für uns besser.“ Das Ergebnis der Europawahl nannte er ein „Alarmsignal“ für die Wahlen 2020. Brüggemann kündigte an, dafür viel mehr Meinungen der Bürger einholen zu wollen: „Wir müssen uns den Informationen der Menschen draußen stellen.“

Für den heimischen SPD-Bundestagsabgeordneten Dirk Wiese gibt es am Abschneiden seiner Partei nichts zu beschönigen: „Das ist ein desaströses Ergebnis“. sowohl auf Bundesebene wie auch vor allem in seiner Heimatstadt Brilon. 2029 Wähler machten ihr Kreuz bei der SPD, vor fünf Jahren waren es noch 3729. Ein positiver Aspekt: die gestiegene Wahlbeteiligung. Der Wahlsonntag sei „kein guter Tag“ gewesen.

Ein Trauerspiel

Auch Landrat Dr. Karl Schneider (CDU) mahnte endlich politische Entscheidungen an. Er beklagte, „über dem Land liegt Mehltau“: „Es kommt nichts voran. Egal welches Gesetz, die Regierung einigt sich nicht. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, was läuft, und was nicht.“ Die Grünen - der große Gewinner im HSK - waren im Kreishaus nicht vertreten

„Der Niedergang der großen Parteien ist ein Trauerspiel“, sagt Gereon Fritz, ehemaliger Präsident der Vereinigung der Deutsch-Französischen Gesellschaften in Deutschland mit Blick auf die Ergebnisse. Besonders „schlimm“ findet er den Vormarsch der rechten Parteien. Er hoffe, dass sich die großen Parteien – und da zählt er neben den Christ- auch die Sozialdemokraten, die Liberalen und die Grünen zu – auf eine proeuropäische Politik einigen können.

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