Naturschutz

Rebhuhn-Ruf kommt nur noch vom Band

Robert Trappmann versucht, ein Rebhuhn zu finden. Dafür hat er einen MP3-Player dabei, auf dem der Ruf eines Artgenossen aufgenommen ist. Ohne Erfolg: Es kommt keine Antwort. Foto:Stefanie Bald

Robert Trappmann versucht, ein Rebhuhn zu finden. Dafür hat er einen MP3-Player dabei, auf dem der Ruf eines Artgenossen aufgenommen ist. Ohne Erfolg: Es kommt keine Antwort. Foto:Stefanie Bald

Medebach.   Vor 40 Jahren waren sie sehr häufig, heute sind Rebhühner aus dem Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht praktisch verschwunden. Woran liegt das?

„Zehn Prozent.“ Größer schätzt Friedhelm Schnurbus vom Verein für Natur- und Vogelschutz die Chance nicht ein, an diesem Abend ein Rebhuhn aufzustöbern. Und das liegt nicht nur daran, dass es noch früh im Jahr ist. Es liegt vor allem daran, dass es hier praktisch keine Rebhühner mehr gibt.

Dabei steht die kleine Gruppe um Schnurbus mitten im sogenannten Pietzfeld im Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht. Doch selbst hier sind die Rebhühner eine „mehr oder weniger aufgegebene Art“, sagt Robert Trappmann, Gebietsbetreuer bei der Biologischen Station HSK. Ganze drei Tiere, sagt Jäger Alfons Brocke, habe er 2018 noch gesehen; ein Paar und ein Einzeltier.

Vor 40 Jahren, erinnert er sich, hat er in der Gegend Rebhühner erlegt. Allerweltsvögel seien das gewesen. „Ich werde nie vergessen“, erinnert sich auch Friedhelm Schnurbus, „wie ich in den 70ern mal nach Hallenberg fuhr und vor mir plötzlich sicher 80 Rebhühner die Straße überquerten“.

Landschaft zu eintönig und offen

Doch seitdem hat sich die Landschaft enorm verändert und mit ihr die Lebensbedingungen. Die intensive Landwirtschaft, die damals bereits die Ebenen von Rheinland und Münsterland prägte, ist im Hochsauerland angekommen. Die relativ kleinen Felder, auf denen Hafer, Kartoffeln und Rüben wuchsen, mit Grasstreifen oder Hecken dazwischen, gibt es fast nicht mehr. Heute sind die Felder und Wiesen größer, einheitlicher, werden öfter gemäht.

Das macht dem Rebhuhn gleich dreifach zu schaffen. Ihm fehlt das Futter – die Jungtiere brauchen Insekten, die Alttiere Sämereien, Wildkräuter und Getreide, im Winter auch gern Reste von Feldfrüchten. Ohne niedrige Hecken und Büsche und Gras, das stehenbleiben darf, fehlen zudem Verstecke für die Gelege und Jungvögel. So sind sie leichte Beute für Füchse, Marder, Waschbären und Wildschweine, die im Gegensatz zu den Vögeln immer zahlreicher werden. Dabei ist das Rebhuhn auf hohe Verluste eingestellt: Es legt zwischen zehn und 20 Eier. Aber selbst das reicht nicht ohne Deckung, ohne Futter und mit zu vielen Räubern.

Deshalb ist es wichtig, die Jäger an Schutzmaßnahmen zu beteiligen – ebenso wie die Landwirte. Denn sie sind es vor allem, die dem Trend entgegenwirken können. „Schutzmaßnahmen funktionieren nur, wenn die Leute überzeugt sind und wenn es auch finanzielle Ausgleiche oder Anreize gibt“, sagt Trappmann. Was – das betonen die drei unisono – nicht an Rücksichtslosigkeit liege. Man sei sich der Vorgaben und Zwänge, denen Landwirte ausgesetzt seien, bewusst. „Die müssen mit jedem Quadratmeter rechnen.“

Hoffen auf den Maßnahmenplan

Deshalb setze man auf Kooperation und Akzeptanz. Unter dem Arbeitstitel „Rebhuhninitiative Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht“ hat sich ein loser Zusammenschluss von Vertretern von Naturschutz, Kommunen, Kreis, Jagd und Landwirtschaft gebildet, der auf eine Verbesserung hinarbeiten will.

Hintergrund ist der Vogelschutzmaßnahmenplan, den das Land NRW für alle Vogelschutzgebiete gefordert hat. Noch ist er in Abstimmung, doch es steht Entscheidendes drin: Die Medebacher Bucht habe Potenzial, eine Modellregion zu werden. Darin könnten NRW und EU den Landwirten neue Anreize und Fördermittel zur Verfügung stellen, damit diese z.B. Blühstreifen anlegen, Totholz stehenlassen und Wiesen später mähen. Zum Wohle des Rebhuhns und vieler anderer Arten.

Elf Punkte, die in diese Richtung gehen, hat der Medebacher Rat schon im vergangenen Sommer beschlossen – als freiwillige Absichtserklärung. Ausgleichszahlungen an die Landwirte hält auch er für zwingend notwendig. Diese könnten mit dem Vogelschutzmaßnahmenplan in erreichbare Nähe rücken. Einen Zeitplan gibt es indes nicht. Obwohl die Zeit drängt. Trappmann: „Wir kämpfen hier den Kampf, der vor 30, 40 Jahren im Münsterland und Rheinland verloren wurde.“

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