Amtsgericht

Rentnerpaar in Marsberg wegen Hausfriedensbruchs angeklagt

Das Amtsgericht Marsberg verhängt eine Geldstrafe für beide Angeklagte von 700 Euro. Bei Zahlung ist das Verfahren eingestellt

Das Amtsgericht Marsberg verhängt eine Geldstrafe für beide Angeklagte von 700 Euro. Bei Zahlung ist das Verfahren eingestellt

Foto: Annette Dülme

Marsberg.  Weil sie sich unrechtmäßig Zugang in die Wohnung der Mieter verschafft und ein Laptop gestohlen haben, landet ein Rentnerehepaar vor den Kadi.

Richter Eberhard Fisch sprach klare Worte: „Das war eindeutig Hausfriedensbruch.“ Für die Rentnerin auf der Anklagebank in zwei Fällen und ihren Ehemann, der neben ihr saß, sogar in drei Fällen in Tateinheit beim dritten Mal mit Diebstahl. Er hatte den Laptop der jungen Familie mitgehen lassen, in deren Wohnung sie „eigentlich nur nach dem Rechten schauen wollten“. Die Rentner bewohnen mit ihrem Sohn ein Doppelhaus im Stadtgebiet Marsberg. In der Hälfte des Sohnes wohnte die junge dreiköpfige Familie zur Miete.

Anfangs haben sich das Rentnerehepaar und die junge Familie sogar recht gut verstanden. Wie die angeklagte Rentnerin in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Marsberg aussagte, habe sie sogar das Kleinkind zeitweise betreut. Sie benutzten gemeinsam die Gefriertruhe der Rentner im Keller des Hauses. Dann kippte die Mietsfreundschaft irgendwann.

Mieter waren auf Wohnungssuche

Oberamtsanwalt Lämmerhirt warf dem Rentnerehepaar widerrechtliches Eindringen in deren Wohnung ein. „Am 13. April haben Sie sich um 7.30 Uhr gemeinschaftlich mit einem Schlüssel ohne Befugnis Zugang zu der Wohnung verschafft“, hielt er den Angeklagten vor. Und dann drei Tage später noch einmal um 5.50 Uhr. Um 8.15 Uhr ist der Rentner dann noch einmal in die Wohnung und hat den Laptop mitgehen lassen. Amtsrichter Fisch: „Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, da einfach reinzugehen. Das erschließt sich mir nicht.“

Die Mieter seien auf Wohnungssuche gewesen. Die Möbel waren schon ausgeräumt, erklärte der angeklagte Rentner. Das Schlafzimmer sei abgeschlossen gewesen. Der Rentner: „Die Wohnung ist mit Parkett ausgelegt. Das Schlafzimmer war vier Wochen nicht gelüftet. Wir hatten Angst, es könnte sich Schimmel gebildet haben.“ Den Wohnungsschlüssel hatten sie von ihrem Sohn geholt.

Kamera in Wohnung aufgestellt

Was die Angeklagten nicht ahnten: Die Mieter hatten eine Kamera aufgestellt. Die Fotos überführten sie auf frischer Tat. Die Angeklagte: „Den Laptop wollten wir nicht stehlen. Wir haben gedacht, die Fotos würden darauf sein.“ Die hätten sie nur löschen wollen, so ihr Mann. Die Fotos waren aber nicht auf dem Laptop, sondern auf der Kamera. Wenn sie das gewusst hätten, hätten sie die mitgenommen, so die Angeklagten. Richter Fisch: „Sie wollten eine Straftat verdecken.“

Die Angeklagte kleinlaut: „Es tut uns alles auch leid. Das ist der erste Fehler, den wir in unserem Leben gemacht haben.“ Aber mit den Mietern sei nicht zu reden gewesen. „Mit denen hatten wir richtig Zoff, mit Einschaltung des Mietervereins und Mietminderung,“ fügte ihr Mann an.

Verfahren gegen Geldstrafe eingestellt

Vor dem Hintergrund der Streitigkeiten und weil das Rentnerehepaar voll geständig war sowie strafrechtlich vollkommen unbelastet ist, machte der Richter den Vorschlag, das Verfahren einzustellen, gegen eine Geldstrafe von 300 Euro für die Angeklagte und 400 Euro für ihren Mann. Der Oberamtsanwalt führte Bedenken an. „Sich Zutritt zu einer Wohnung zu verschaffen, ist schon kriminell“, sagte er, stimmte aber dem Vorschlag zu. Die beiden Angeklagten nahmen es erleichtert an.

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