Courage

Retter steht nach Brand in Brilon selbst vor dem Nichts

Selvije, Medina, Eniz und Mohammed Zenuni in ihrer kahl eingerichteten neuen Wohnung (von links).

Selvije, Medina, Eniz und Mohammed Zenuni in ihrer kahl eingerichteten neuen Wohnung (von links).

Foto: Jan Haselhorst

Brilon.  Couragiert setzte sich Eniz Zenuni beim Brand des 10-Familienhauses in Brilon für Mitbewohner ein. Seine Familie hat dabei alles verloren.

Beim Brand des Zehn-Familien-Hauses am Hellenteich Ende Juli gab es glücklicherweise keine Schwerverletzten. Zu verdanken ist es neben dem Einsatz der Feuerwehr besonders Eniz Zenuni. Der 30-jährige Einwanderer aus Mazedonien rettete dank seiner schnellen und entschlossenen Handlungen nicht nur seine Frau und zwei Kinder, sondern auch die anderen zehn Hausbewohner. Wenige Stunden vorher deutete nichts auf die bevorstehende Tragödie hin.

Zenuni war mit seiner Frau Selvije und den beiden Kindern Medina und Mohammed spazieren. Nach der Rückkehr in die eigenen vier Wände, die sich im dritten Stock befinden, hielt sich die Familie im Wohnzimmer auf. „Plötzlich habe ich einen Brandgeruch bemerkt“, sagt Eniz Zenuni.

Treppenhaus bereits verqualmt

Der Familienvater kontrollierte zuerst die Kabel und Elektrogeräte in seiner Wohnung, konnte aber nichts Ungewöhnliches feststellen. Als er die Wohnungstür öffnete, kam ihm dicker Rauch entgegen. „Da war mir klar, dass ich keine Zeit verlieren darf und wir hier alle so schnell wie möglich raus müssen“, erinnert sich Zenuni. Er nahm seine Kinder auf den Arm, schützte Mund und Nase vor dem Rauch und lief durch das verqualmte Treppenhaus bis zum Ausgang.

Kaum war er unten, sprintete er wieder hoch und rettete seine Frau. „Ich war geschockt und habe einfach nur funktioniert“, sagt Eniz Zenuni. Als er seine Familie in Sicherheit gebracht hatte, kümmerte er sich direkt um die anderen Hausbewohner. „Überall war Rauch, es war schwer, überhaupt etwas zu sehen“, sagt der 30-Jährige, der als Krankenpfleger-Azubi im Krankenhaus Maria-Hilf arbeitet.

Lob von Rettungskräften

Einen älteren Mitbewohner, der an einer Lungenkrankheit leidet und zum Zeitpunkt des Brandes schlief, rettete er, indem er die Tür eintrat. „Ich musste sie kaputt machen, um helfen zu können. Sonst wäre er im Schlaf erstickt“, sagt Zenuni. Mehrmals lief er durch das verqualmte Treppenhaus, um Nachbarn aus dem zweiten und dritten Stock aus dem Haus zu holen und sicherzustellen, dass sich jeder der Gefahr bewusst war. „Ich habe laut geschrien, an Türen geklopft und sie im Notfall auch eingetreten“, sagt der Mazedonier.

Für sein mutiges Einschreiten bekam er von den Rettungskräften viel Lob. „Ich musste helfen, wir haben ja alle zusammen in einem Haus gewohnt“, sagt Eniz Zenuni. Erst nachdem das Adrenalin nachließ und er aus dem Haus war, zeigten sich bei ihm die Folgen. „Ich habe schlecht Luft bekommen und habe mich ganz kaputt gefühlt. Außerdem träume ich ständig von den Erlebnissen“, sagt der Familienvater, der heilfroh ist, dass alle überlebt haben und es seiner Familie gut geht.

Behelfsquartier in Ferienhütte

Allerdings sind bei dem Brand alle Wertgegenstände, Möbel, Dokumente und Erinnerungsstücke verloren gegangen. „Jetzt müssen wir wieder komplett bei Null anfangen“, sagt Zenuni. Die erste Zeit nach dem Brand wurde seine Familie in einer kleinen Ferienhütte untergebracht, seit einigen Tagen leben sie in einer Wohnung im Norden Brilons.

Die Wände sind kahl, es gibt keine Tische oder Betten – geschlafen wird auf dünnen Matratzen auf dem Boden. Das Gehalt seiner Ausbildung und die Sozialhilfe reichen nicht, um sich auf die Schnelle neu auszustatten. Eine Hausratversicherung hatte er nicht abgeschlossen. „Finanziell sieht es nicht gut aus“, sorgt sich Eniz Zenuni. Seit viereinhalb Jahren lebt er mit seiner Familie in Deutschland, hatte sich in Brilon eine Wohnung und einen Alltag aufgebaut – und steht jetzt wieder vor dem Nichts.

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