Gerichtsverhandlungen

Richter: „Verhandlungen fernzubleiben lohnt sich nicht“

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Foto: David-Wolfgang Ebener

Brilon.   Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Angeklagten und Zeugen zum Erscheinen zu bewegen. Welche das sind erklärt Richter Johannes Kamp.

Die Gerichtsverhandlung beginnt, Richter, Staatsanwalt und Justizfachangestellter sind bereit, doch der Angeklagte fehlt. So geschehen bei mehreren Verhandlungen am Montag vor dem Amtsgericht in Brilon. Die Verhandlung findet dann natürlich nicht statt.

Ein probates Mittel also, um dem Verfahren komplett zu entgehen? Ganz klar nein, denn dem Gericht stehen Möglichkeiten zur Verfügung, um die Personen für den nächsten Verhandlungstermin zum Erscheinen zu bewegen. „Ein Haftbefehl ist immer denkbar“, sagt Richter Johannes Kamp. Dabei wird der Angeklagte in Gewahrsam genommen und in ein Untersuchungsgefängnis gebracht.

Zeugen müssen ordnungsgemäß geladen sein

Das ist nicht bei allen Taten möglich, aber beispielsweise, wenn Fluchtgefahr besteht. Auch eine Vorführung ist im Bereich des Möglichen. „Die funktioniert ohne U-Haft. Die Polizeibeamten holen den Angeklagten dann zu Hause ab und führen ihn dem Gericht vor. Das ist die klassische Norm“, erklärt Kamp weiter.

Aber nicht nur Angeklagte können dem Gericht fernbleiben, sondern auch Zeugen. Die Staatsanwaltschaft kann in einem solchen Fall beispielsweise ein Ordnungsgeld beantragen. Wichtig ist dafür allerdings, dass die Zeugen ordnungsgemäß geladen sind. Die Ladung zur Hauptverhandlung ist die Aufforderung des Gerichts, zur Verhandlung zu erscheinen.

Sollte das Ordnungsgeld keine Wirkung zeigen, ist eine Ordnungshaft möglich. „Sonst gibt es auch hier noch die Vorführung durch die Polizei. Sollten die Beamten den Zeugen nicht vorfinden, gucken sie, wo er sein könnte und sonst haben wir Pech“, sagt Richter Daniel Langesberg. Eine Vorführung muss vom Richter angeordnet werden, weil es sich dabei um eine Freiheitsberaubung handelt.

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