Gläser aus Essentho an aller Munde

Ritzenhoff: Eigenes Logistikzentrum geht in Betrieb

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Essentho. Mit einem Milchglas fing alles an. Schwarze Kuhflecken auf (im gefüllten Glas) weißem Untergrund. Seit 1992 segelt der Glashersteller Ritzenhoff mit der gleichnamigen Kollektion bunt dekorierter Gläser und Designerprodukte auf einer Erfolgswelle.

Neu: Ab Oktober gibt es einen exklusiven Aschenbecher und ab den nächsten Tagen wird das komplette Vertriebsnetz über Essentho abgewickelt. Gläser über Gläser. Mehr als 400 Mitarbeiter in Essentho sorgen dafür, dass in drei Linien Tag für Tag aus Sand, Soda, Kalk, Pottasche und Kalisalpeter 120 000 Gläser produziert werden. Tagtäglich. Das macht über 36 Millionen Stück pro Jahr! „Hauptabnehmer sind Brauereien, für die wir die typischen Stielgläser herstellen”, erklärt Peter Eichinger, der für die Qualitätssicherung zuständig ist beim Rundgang durch die Produktion. Die Schmelzöfen geben eine enorme Wärme ab. Wer hier arbeitet, tut das im Schweiße seines Angesichts. Außer einer Mundblas-Stelle wird das Glas inzwischen rein maschinell produziert. In zwei Arbeitsgängen werden z.B. die Pilstulpen hergestellt. Erst wird das eigentliche Gefäß geblasen. Die Gussformen dafür müssen relativ häufig wieder in Maismehl aufgearbeitet werden. In Phase 2 wird der glühend heiße Stiel bzw. Fuß angesetzt. Per Sandstrahl bekommt das Bierglas je nach Größe seinen Eichstrich und das typische RC-Firmenlogo für Ritzenhoff Cristal. Mehrere Kontrollgänge folgen; jedes abgekühlte Glas wird von Hand auf Herz und Nieren geprüft, bevor es im grauen Karton landet oder eben veredelt und nahezu kunstvoll verpackt wird. „In puncto Lieferung müssen wir sehr spontan reagieren können. Das erfordert ein Höchstmaß an logistischer Erfahrung. Die Brauereien haben meistens keine großen Lagerflächen. Daher haben wir ständig 5000 Palettenplätze für Brauereigläser vorrätig”, erklärt der Fachmann und zeigt auf die riesige Halle. Ein Wort zum Thema Veredelung - das bedeutet beim Bierglas zum Beispiel das jeweilige Emblem der Brauerei im Siebdruckverfahren oder von Hand als Abziehbild auftragen und einbrennen. Damit sind wir wieder beim Thema Milchglas. 1992 feierte der Deutsche Milchverband einen runden Geburtstag und gab dafür bei uns ein Jubiläumsglas in Auftrag. Wir haben einen Becher konzipiert, der Verband wollte aber ein Stielglas”, erinnert sich Martin Schulte vom Designmanagement der Firma. Ritzenhoff ließ das Glas trotzdem produzieren. Ein Sensationserfolg! Seitdem wurden über zwei Millionen Gläser von mehr als 150 Architekten, Designern und Künstlern gestaltet und verkauft. Inzwischen gibt es die Design-Kollektion mit den bunten Motiven als Champagnerkelch, Proseccoglas oder Pilstulpe, um nur einige zu nennen. „Zusammen mit unserer eigenen Graphikabteilung werden bei uns im Haus Briefings erstellt. Wir arbeiten mit über 300 Designern weltweit zusammen. Diese Ausschreibungen zur Dekorerstellung enthalten eine Geschichte um den Artikel. Wir geben vor, wieviel Farben sie benutzen dürfen. Eine Jury wählt dann aus, was in die Produktion geht”, erklärt Cordula Schmidt, ebenfalls für Designmanagement zuständig. Weltbekannte Designer wie Paul Giovanopoulos, Alessandro Guerriero oder Karim Rashid haben für Ritzenhoff entworfen. Inzwischen umfasst die Designer-Kollektion auch Porzellan-Artikel wie Teller, Zuckerstreuer oder Kaffeebecher, die aber nicht hier gefertigt werden. Der Vertrieb der Glas- und Porzellanprodukte lief bislang außer Haus. In diesen Tagen wurde das neue Logistikzentrum in Essentho in Betrieb genommen: Für sieben Millionen Euro sind dort 15 000 Palettenplätze entstanden. Etwa 700 verschiedene Artikel aus dem Bereich Design werden dann von hier aus in alle Welt geliefert. Das schaffte auch weitere Arbeitsplätze. Jedes Jahr wird die Produktpalette um neue Motive oder auch Produkte ergänzt: Jetzt im Herbst ist ein neuer Aschenbecher auf den Markt gekommen. „Der Lebensraum des Tabakliebhabers ändert sich zurzeit. Früher konnte man bei jeder Gelegenheit rauchen, jetzt grenzen Gesetze den Tabakgenuss ein. Daher soll zumindest zu Hause in gepflegtem Ambiente ein Rauchopfer dargebracht werden”, lautet die Firmenphilosohie für den neuen Ascher. Viel Erfolg!

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