Brand-Katastrophe

Sauerländer Fachmann: Das ist die Gefahr bei Kirchsanierung

Trümmerteile und verkohlte Holzbalken liegen im Inneren der Kathedrale Notre-Dame.

Trümmerteile und verkohlte Holzbalken liegen im Inneren der Kathedrale Notre-Dame.

Brilon.   Wie Notre-Dame wird die Briloner Propsteikirche derzeit saniert. Die größte Brandgefahr geht nicht vom Holz aus, sagt Experte Gunther Rohrberg.

Gunther Rohrberg ging es Montagabend beim Anblick des Infernos wie vielen anderen Fernsehzuschauern: „Eine Katastrophe.“ Notre-Dame in Flammen - den Diplom-Bauingenieur aus Lippstadt bewegt dabei vor allem eines: „Ich möchte nicht wissen, wie das entstanden ist!“ Denn Vorsicht ist oberstes Gebot, wenn der Fachmann für Denkmalschutz mit der Arbeit an einem neuen Objekt beginnt. Wie zurzeit die Sanierung des Daches und des Turmes der Briloner Propsteikirche.

Werkzeuge, die Funkenflug verursachen, sind tabu

Die Sicherheitsmaßnahmen beginnen schon bei der Ausschreibung der einzelnen Gewerke: Werkzeuge, die Funkenflug verursachen, sind tabu. Den Trennschleifer müssen die Handwerker durch den elektrischen Fuchsschwanz ersetzen - „Auch wenn das fünfmal länger dauert und eine Sauarbeit ist“, wie Rohrberg weiß. Das müssen die Handwerksbetriebe bei ihrer Kalkulation von vorneherein berücksichtigen.

Die akute Brandgefahr kommt dabei nicht einmal von den Jahrhunderte alten und knüppelharten Eichenbalken. Vielmehr ist es der Staub, der sich im Lauf der Zeit im Dachstuhl abgelagert hat.

Falls sich dort Funken einnisten und unbemerkt züngeln, könne sich eine Anfangsglut entwickeln, gegen die „man keine Chance mehr“ habe.

Wenn es beim mechanischen Entfernen alter Streben oder Bolzen aus Metall doch einmal zum Funkenflug kommen sollte, sagt der Fachmann, müsse die Feuerwehr 24 Stunden Nachwache halten.

Erinnerung an Brand der St. Laurentius-Kirche in Erwitte

Noch in Erinnerung hat Gunther Rohrberg den Brand der St. Laurentius-Kirche in Erwitte im Oktober 1971. Damals war bei Bauarbeiten der aus dem 13. Jahrhundert stammende Turm der Kirche in Brand geraten und eingestürzt. Im vergangenen August hat die Laurentius-Gemeinde zur Erinnerung an dieses Unglück eine neue Glocke installieren lassen - die „Christus Salvator“.

Sie ist mit ihren acht Tonnen Gewicht übrigens die schwerste in einer Kirche in Westfalen eingesetzte und betriebene Glocke. Und selbst erlebt hat Rohrbach einmal im Ruhrgebiet, wie ein Zimmermann bei Bohrarbeiten in einer Kirche eine Zigarette rauchte und sich daran Bohrstaub explosionsartig entzündete.

Briloner Propst erschrocken über das Feuer

Mit „tiefem Erschrecken“ hat Propst Dr. Reinhard Richter das gewaltige Feuer am Montagabend zur Kenntnis genommen. Natürlich hat er dabei auch sofort an die Arbeiten an der eigenen Kirche gedacht: „Das kann überall passieren“, meint er.

Darüberhinaus interpretiert er das Feuer aber auch als „Zeichen für den inneren Zustand der Kirche“ und all die Schwierigkeiten, in denen die Kirche heute stecke. Dr. Richter: „Es gibt ein inneres und äußeres Brennen.“

Von der Feuersbrunst in Vorlesung in Paris erfahren

Kaum anderthalb Kilometer Luftlinie von der Kathedrale Notre-Dame entfernt, im Boulevard Arago, lebt Ariane Meynaud. Die 29-Jährige hat Wurzeln in Brilon. Ihre Mutter ist eine gebürtige Witteler, die bereits seit mehr als 30 Jahren in Paris lebt.

Von der Feuersbrunst erfährt Ariane Meynaud in einer Vorlesung an der Université II wie der rechtswissenschaftliche Ableger der Sorbonne genannt wird. Dort ist die junge Juristin als Dozentin tätig.

Als sich die Nachricht im Hörsaal herumspricht, holen alle ihre Smartphones heraus. „Jeder hat auf sein Handy geguckt“, sagt die 29-Jährige, und alle guckten das Gleiche. Am Abend habe sie zwar ihre Wohnung noch erreichen können, viel weiter sei es aber nicht gegangen. „Die Ile de la Cité war abgeriegelt.“

Wie wird es weitergehen? Das, sagt Ariane Meynaud, sei am Morgen danach überall Thema gewesen. Am Oster-Wochenende werde sie auf jeden Fall mal hingehen. Wie auch noch am vergangenen Sonntag und so viele Male vorher. „Wir laufen ständig dort vorbei.“

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