Jahrhundertwinter

Sauerlandwinter: Als der Arzt zu Pferd die Patienten besucht

Winterschlagzeilen aus der WP im Januar 1979.

Winterschlagzeilen aus der WP im Januar 1979.

Foto: ierkes

Altkreis.   Der Winter 1978/79 gilt als Rekordwinter. Wir suchen die ganz persönlichen Winter-Erinnerungen unserer Leser im Sauerland.

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Erinnern Sie sich noch an den Jahrhundertwinter 1978/79? In Norddeutschland ging gar nichts mehr. Aber auch das Sauerland hatte es eiskalt erwischt. Welche Erinnerungen haben Sie an diesen oder an andere echte Winter? An zugefrorene Autotüren, verschnupfte Autobatterien, Schlittschuhlaufen auf dem Dorfteich, an Streusalz-Engpässe, geschlossene Schulen oder verfrorene Wasserrohre?

„Am 30. Dezember 1978 zeigt das Thermometer am Kahlen Asten noch vier Grad plus. Einen Tag später in der Silvesternacht werden minus 24,1 Grad gemessen. Das ist die zweittiefste Temperatur seit den Wetteraufzeichnungen 1918“, sagt Julian Pape vom Wetterportal Sauerland. Nur am 1. Februar 1956 war es dort mit minus 26 Grad noch kälter.

Rekordtemperaturen

Über Skandinavien hat sich damals Ende Dezember 1978 tagelang kalte Luft angesammelt und aufgestaut, die sich lange Zeit gegen die milden Schichten in Mitteleuropa nicht durchsetzen kann. Doch dann macht sich die Kälte Luft, bringt heftige Schneemengen in Norddeutschland und ganz abrupt schneidende Kälte ins Sauerland.

„So viel Schnee gab es bei uns gar nicht mal. Neujahr waren es 18 Zentimeter am Kahlen Asten. In den Tälern und auch in Brilon lag sogar mehr, weil oben auf den Höhen der kräftige Wind einiges weggepustet hatte. Der gesamte Winter brachte maximale Schneemengen von 80 bis 85 Zentimetern“, weiß Julian Pape. Und das ist nichts, wenn man an den sogenannten Pockenwinter 1969/70 denkt, der den bisherigen Schneehöhen-Rekord von 2,39 Meter markiert hat. Pape: „Damals wurden sogar Lawinen am Kahlen Asten gesprengt.“

Doch zurück zum Januar 1979. Anhand von alten Zeitungsberichten aus der WP wird deutlich, wie sehr die kälte-erprobten Sauerländer mit dem Wetter zu kämpfen hatten. Das Auf und Ab von Kälte und Tauwetter scheint besonders problematisch gewesen zu sein. Wintersport ist trotz der Kälte nur bedingt möglich, weil die Pisten vereist sind. Im Kreis Olpe setzt sich ein Arzt aufs Pferd, um einen schwer kranken Patienten zu behandeln, den er wegen Schneeverwehungen bzw. Glätte mit dem Auto nicht erreichen konnte. Die Räumdienste kommen nicht mehr nach.

Unterrichtsausfall

Im gesamten Kreisgebiet fällt wegen glatter Straßen der Schulunterricht tagelang aus. In Neheim gibt ein Großhändler Kalisalz zum Abstreuen heraus, das eigentlich als Düngemittel gedacht ist. In Bredelar kommt ein belgischer Militärlaster auf einer Brücke ins Rutschen und stürzt in die Hoppecke. Im Interview mit dem damaligen VEW-Bezirksdirektor wird die Frage diskutiert, ob Stromausfälle und Mastenbrüche wie in Norddeutschland auch das Sauerland treffen könnten

Tagelang bestimmt das Wetter die Schlagzeilen, bis sich Anfang März die Wetterlage beruhigt. Der Sauerländer an sich lässt sich vom Winter nicht aus der Ruhe bringen. Aber der Winter 1978/79 war schon besonders.

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