Archäologie

Schatzsuche: Landwirt findet Tonscherben in Oberschledorn

Archaeologische Funde: Johann Krevet hat diese Gegenstände 

Archaeologische Funde: Johann Krevet hat diese Gegenstände 

Foto: Thomas Winterberg

Oberschledorn.   Sind sie wertvoll oder nicht? Landwirt Johann Krevet hat in seinem Garten auffällig viele Tonscherben und ein altes Fundament entdeckt.

Nein! Karl der Große hat sich vermutlich nicht in Oberschledorn sein Pferd besohlen lassen. Und Hermann, der Cherusker, hat sicherlich auch kein Met im heutigen Garten von Johann Krevet getrunken. Aber irgendwie könnte dieses Gelände an der „Wilden Aar“ durchaus eine gewisse historische Bedeutung gehabt haben. Denn schon seit einigen Jahren findet der pensionierte Landwirt beim Umgraben seines Nutzgartens immer wieder Scherben und Münzen.

Mit Hilfe unserer Zeitung wurde die Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen eingeschaltet. Und die will dem 70-Jährigen und seinem Garten in naher Zukunft einen Besuch abstatten.

Schätze werden in einer Holzkiste gelagert

Auf dem Gartentisch in der Garage liegt ein ganzes Sammelsurium. „Das hier ist eine Tonscherbe – vielleicht eine Vase? Wenn solche Keramikscherben unglasiert sind, sollen sie älteren Datums sein. Das hat mir ein Fachmann gesagt. Das hier ist für mich eine Steinsäge und das sieht so aus, als hätte man damit Knochen vom Fleisch gelöst.“ Johann Krevet kramt in einer kleinen Holzkiste und holt immer neue „Schätze“ hervor. Seit Jahren schon findet er beim Bestellen seines Gartens immer wieder solche Einzelteile. Er müsse nur „schüppentief“ graben, um auf immer neue Funde zu stoßen. Dieses Jahr, bei den Vorarbeiten für Salat, Bohnen und Kartoffeln, sei ihm ein Fundament in der Erde aufgefallen: „Ich habe gelesen, dass hier mal eine Schmiede gestanden haben soll. Die Heidenstraße verlief ja auch fast genau hier durch den Garten. Ich weiß nicht, ob die Funde hier wertvoll sind. Da müsste man mal Fachleute ‘dran setzen.“

Archäologe bremst Euphorie

Die WP hat einige der Stücke fotografiert und an Prof. Dr. Michael Baales (LWL-Archäologie für Westfalen) geschickt. Er bremst die Euphorie des Oberschledorners ein wenig: „Bei der vermeintlichen Säge handelt es sich vermutlich um ein geschiefertes Grauwackestück, das durch Klüfte und Verwitterung in diese Form gekommen ist und durch Bestoßungen eine Art Sägekante erhalten hat“, so Prof. Dr, Baales. Die vermeintlichen Dukaten oder Taler hält er für undefinierte Metallscheiben. „Sie sehen nicht nach Münzen aus, da es offenbar kein wertvolles Metall ist, denn sie sind aufgeplatzt. Es sind eher Eisenscheiben aus der Neuzeit.“

Auch die durchlochte Kugel, die der Laie durchaus für ein Steinschleuder-Geschoss halten könnte, vermag der Fachmann vom Foto einzusortieren: Ein glasierter Ton-Spinnwirtel aus dem späten Mittelalter oder aus der frühen Neuzeit. Damit wurden früher Fasern gesponnen. Prof. Dr. Baales: „ Ein typischer Fund, wie er oft mit dem Mist vom Hof auf die Felder gelangte.“

„Vor Ort einmal anschauen“

Die Scherben hält er für sogenannte Hafnerware aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. „Dass sie nicht mehr glasiert sind, liegt eher daran, dass sich die Glasur im Laufe der Jahre zersetzt hat.“ Die Fachleute sprechen bei solchen Keramiken von „Mistschleier“, weil die Bauern sie früher als Müll mit auf die Felder warfen. Stutzig machen den Archäologen aber die Vielzahl und die Fundamente, die Johann Krevet freigelegt hat. „Das müssten wir uns aber doch vor Ort einmal anschauen.“

Johann Krevet hat nicht nur ein stückweit das Indiana-Jones-Fieber gepackt. Er hat alte Bücher gewälzt und vom ersten großen Dorfbrand anno 1620 bis zur Besiedelung seiner Hofstätte alles Mögliche an Daten zusammengetragen. Jetzt will er aber gerne wissen, warum ausgerechnet in seinem Garten so viele Schätze liegen. „Die Archäologen können gerne kommen.“

Angst muss er nicht haben, dass ihm die Fachleute komplett den Boden auf links drehen. Prof. Dr. Baales: „Wir würden ja nichts ausgraben und herausholen, sondern die Mauerreste anschauen, dokumentieren und im Boden belassen.“

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