Verurteilung im Amtsgericht

Schwarzfahrer zu Bewährungsstrafe verurteilt

In Weiß-Grau präsentiert sich nach dem Anstrich das Briloner Amtsgericht. Nebengebäude und Anbau sind im Kontrast dazu in Ockertönen gehalten

In Weiß-Grau präsentiert sich nach dem Anstrich das Briloner Amtsgericht. Nebengebäude und Anbau sind im Kontrast dazu in Ockertönen gehalten

Foto: Hendrichs Jürgen

Brilon.   Mindestens fünfmal fuhr ein 27-Jähriger schwarz mit der Bahn von Brilon nach Winterberg. Dafür musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten.

In Handschellen vorgeführt wurde am Montag ein 27 Jahre alter Mann aus Meschede im Amtsgericht Brilon. Sein Vergehen: Fünf Schwarzfahrten mit der Bahn auf den Strecken zwischen der Kreisstadt, Brilon und Winterberg. Ticketpreis: jeweils 5,10 Euro.

Knapp eine Woche hatte der Angeklagte im Gefängnis verbringen müssen. Weil er dem ersten Verhandlungstermin ohne Entschuldigung ferngeblieben war, hatte Richter Dietmar Härtel einen sogenannten Sicherstellungs-Haftbefehl erlassen.

Drei Monate Haft auf Bewährung brummte Richter Härtel dem 27-Jährugen auf. Gefesselt zurück ins Gefängnis musste er gleichwohl. Weil aus einem früheren Urteil wegen Schwarzfahrens noch 80 Tagessätze zu je 30 Euro offen standen, hatte die Staatsanwaltschaft einen sogenannten Ersatzstrafenhaftbefehl beantragt.

„Das war damals alles ein bisschen blöd“

Die hätte nur sofortige Begleichung umgangen werden könne. Doch da weder der Angeklagte noch seine mitgekommenen Familie das Geld ad hoc auftreiben konnten, musste der Angeklagte zurück in die JVA. Trost des Richters: „Mit jedem Tag wird es billiger.“

Schon zweimal war der Angeklagte wegen des „Erschleichen von Leistungen“, wie das Schwarzfahren offiziell heißt, verurteilt worden.

Die Taten räumte der 27-Jährige, der rund 1700 Euro netto im Monat verdient, rundum ein. „Das war damals alles ein bisschen blöd“, sagte er. Es habe Stress mit seiner schwangeren Lebensgefährtin gegeben, die eine eigene Wohnung unterhielt. Er sei zwischen Brilon, Meschede und Winterberg hin- und hergefahren, „um die Beziehung zu retten“.

Leben umkrempeln

Wegen der Vorstrafen - es gibt insgesamt sechs mit Geldstrafen ausgegangenen Prozesse, darunter Beleidigung, Sachbeschädigung und Betrug - forderte Staatsamwältin Sophia Schlothmann dieses Mal eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung. „Ich habe den Eindruck, dass Sie Ihr Leben umkrempeln möchte“, sagte sie zu dem jungen Vater.

Dass der 27-Jährige vermutlich öfter als die angeklagten fünf Fahrten schwarz unterwegs war, stellte Richter Härtel in den Raum. Allerdings: „Das war ja nur Nahverkehr, also keine lange Tatdauer.“ Sein Urteil: drei Monate Freiheitsstrafe, die er auf drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Sein guter Rat: „Sehen Sie zu, dass Sie das durchstehen. Sonst fahren sie ein.“

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