Gedenken an Pogromnacht

Schweigen, um sich der Erinnerung zu öffnen

Foto: WP

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Bigge. (le) Der 70. Jahrestag der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde am Sonntagabend an historischer Stätte und in der Pfarrkirche St. Martinus mit einem sensiblen Gedenken - mit Gebet, Schweigen und mahnenden Worten - begangen.

Zahlreiche Bürger versammelten sich zunächst an der Gedenkstätte, an der einst die Bigger Synagoge stand. Sie wurde in der Pogromnacht zerstört, aber wegen der naheliegenden Häuser nicht abgebrannt.

Bei der Eröffnung der Gedenkstunde erinnerte PGR-Vorsitzender Eberhard Eilinghoff daran, dass es neben der Bigger Synagoge weitere Synagogen im Sauerland traf.

Kerzen entzündet

Ortsheimatpfleger Michael Maiworm trug dazu einen Bericht von der Zerstörung der Mescheder Synagoge vor. Während Kerzen an der Gedenkstätte entzündet wurden, ergriff Pastor Richard Steilmann das Wort: „Die Erinnerung an das schreckliche Geschehen weckt in uns Trauer um die zahllosen Toten, um die verweigerte Hilfe, auch um den fehlenden Widerstand auf christlicher Seite.” Sie sprenge das Fassungsvermögen des Verstandes und mache sprachlos. Schweigen könne helfen, sich der Erinnerung zu öffnen. Schweigen könne verändernde Kraft haben, könne sich in Gebet verwandeln.

Dann machten sich die Teilnehmer schweigend auf den Weg zur Pfarrkirche. Dort las Claus Finger den bewegenden Brief einer Mutter über die Zerstörung der Bigger Synagoge: „Man hört da schreckliche Dinge. Dass so etwas auch in unserem Dorf geschehen könnte, das hätte ich nicht für möglich gehalten.”

Bürgermeister Elmar Reuter sagte: „Kein Tag hat die deutsche Geschichte so geprägt wie der 9. November. Die Ereignisse von 1938 stehen stellvertretend für das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Die Zerstörung der Synagogen und Bethäuser der jüdischen Kultusgemeinden waren der Beginn der systematischen Verfolgung und Vernichtung der Juden.” Auch nach 70 Jahren sei die Mahnung „nie wieder” die Aufgabe unserer Zeit.

Überall in Deutschland

„Wir haben die Verantwortung, für eine Gesellschaft einzutreten, die Menschenwürde in einer friedlichen Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt”, so Reuter weiter.

Überall in Deutschland - auch in Brilon - zogen in der Nacht vom 9. und 10. November 1938 aufgehetzte Nazischergen durch die Straßen, überfielen Geschäfte und Wohnungen von Bürgern jüdischen Glaubens und zündeten Synagogen an. Bürger der Stadt Brilon, die sich für das Erinnern und gegen das Vergessen der Taten einsetzen, trafen sich am Sonntagabend auf dem Platz der ehemaligen Synagoge und legten Blumengestecke nieder.

Bürgermeister Franz Schrewe sagte in der kleinen Feierstunde, die Erinnerung an die grausamen Verbrechen, die Deutsche an Mitmenschen verübten, dürfe nie aus den Köpfen der heute Lebenden weichen. Die jüdischen Briloner seien getötet worden, nur weil sie einen anderen Glauben hatten. Die Generation der Zeitzeugen, der Täter und der Opfer sei bald nicht mehr am Leben. Deshalb müsse auf Erziehung, Bildung und Verarbeitung der Konsequenzen Wert gelegt werden. Zur Erfüllung dieser Ziele seien gute Lehrer und Erzieher und aufgeklärte Eltern nötig.

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