Interview

Schwimmspaß: Spielgeräte bieten trügerische Sicherheit

Angesichts der wachsenden Zahl von Nichtschwimmern hat die nordrhein-westfälische Landesregierung einen Aktionsplan «Schwimmen lernen in NRW 2019 bis 2022» für den Schwimmunterricht entwickelt.

Angesichts der wachsenden Zahl von Nichtschwimmern hat die nordrhein-westfälische Landesregierung einen Aktionsplan «Schwimmen lernen in NRW 2019 bis 2022» für den Schwimmunterricht entwickelt.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Olsberg.  Zum Start in die Feriensaison erklärt Holger Schmidt von der DLRG-Ortsgruppe Olsberg, wie wichtig es ist, dass Kinder sicher schwimmen können.

Sommerzeit – Ferienzeit – Badezeit und leider oft auch die Zeit für Schwimmunfälle. Die beste Vorbeugung ist es, möglichst früh, möglichst sicher schwimmen zu lernen und sich die Gefahren bewusst zu machen. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten die DLRG-Ortsgruppen durch ihre Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung. Wir haben darüber mit Holger Stahlschmidt, dem ersten Vorsitzenden der DLRG-Ortsgruppe Olsberg gesprochen.

Eine repräsentative Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 hat gezeigt: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer. Kann man bei Ihnen im Verein als Kind schwimmen lernen?

Wir machen keine klassische Anfängerschwimmausbildung. Das würde unseren Rahmen sprengen. Entsprechende Kurse dafür werden im Aqua Olsberg angeboten, welche mit der Prüfung zum Schwimmabzeichen: „Seepferdchen“ enden. Aufbauend darauf können die Kinder an unserem Schwimmtraining teilnehmen. Unser Ziel ist es, die Kinder dann zu sicheren Schwimmern auszubilden. Bei den Anfängern geht es erstmal darum, ihnen die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Dabei vertiefen wir die Grundfertigkeiten der Wasserbewältigung: Tauchen, Schweben und Gleiten im Wasser. Später werden dann neben dem Brustschwimmen auch verschiedene Schwimmtechniken wie Kraulschwimmen oder Rückenschwimmen trainiert. Nach und nach kann man dann alle Jugendschwimmabzeichen erwerben. Darauf aufbauend ist unser Ziel die Jugendlichen zum Rettungsschwimmer auszubilden. Natürlich kommen auch Spiel und Spaß nicht zu kurz und einmal im Jahr richten wir Stadtmeisterschaften aus.

Mit Seepferdchen noch kein sicherer Schwimmer

Sie haben das Seepferdchen als Grundvoraussetzung genannt, um bei Ihnen einzusteigen. Ein sicherer Schwimmer ist man damit aber noch lange nicht oder?

Nein, auf keinen Fall. Das sind noch richtige Anfänger. Meistens können sich die Kinder dann gerade mal ein paar Meter über Wasser halten. In der Regel ist es so, dass jemand, der das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, also den sogenannten Freischwimmer, geschafft hat, als sicheren Schwimmer bezeichnen kann. Dafür muss man 200 Meter in höchstens 15 Minuten zurücklegen, etwa zwei Meter tief tauchen, dabei einen Ring aus dem Wasser holen und vom Einer ins Wasser springen. Außerdem ist damit die Kenntnis der Baderegeln verbunden.

In welchem Alter sollten Kinder schwimmen können?

Dafür gibt es keine verbindliche Regel. Mit der Wassergewöhnung kann man ja schon sehr früh zum Beispiel durch Baby-Schwimm-Kurse anfangen. Erfahrungsgemäß ist es gut, schwimmen zu können, wenn man in die Schule kommt. Also bis dahin ist es sicher sinnvoll, das Seepferdchen zu haben. Sechs Jahre, das ist auch ein gutes Einstiegsalter bei uns hier in der DLRG – manchmal sind Kinder aber auch schon mit fünf soweit. Ich denke, man kann als Eltern nicht davon ausgehen, dass die Kinder im Schwimmunterricht in der Schule schwimmen lernen, sondern sollte sich schon im Kindergartenalter selbst darum kümmern.

Positiver Blick in die Zukunft

Wie sieht es bei Ihnen im Verein mit dem Nachwuchs aus?

Wir haben zurzeit 250 Mitglieder. An unserem montäglichen Training nehmen von 16 bis 21 Uhr in verschiedenen Gruppen insgesamt im Schnitt 80 bis 90 Leute teil. Die Resonanz ist also sehr gut. Und auch mit Blick auf den Trainernachwuchs ist die Situation momentan gut. Das sah auch schon mal anders aus und es gab Engpässe. Aktuell aber haben wir zwei junge Leute, die eine Trainer-Ausbildung absolvieren, so dass wir da beruhigt in die Zukunft blicken können. Sehr zufrieden sind wir auch mit unseren Trainingsbedingungen hier im Aqua Olsberg.

Kinder immer im Auge behalten

So und jetzt geht es erstmal ab in die Sommerferien mit hoffentlich viel Schwimm- und Badespaß für alle. Was sollten man unbedingt beachten, damit das ein möglichst gefahrloses Vergnügen wird?

Die größte Gefahr ist es, sich zu überschätzen. Oft schwimmen Menschen zum Beispiel am See oder am Meer sehr weit alleine raus und merken erst zu spät, dass ihre Kräfte nachlassen. Trügerische Sicherheit bieten Spielgeräte wie zum Beispiel Luftmatratzen oder Gummitiere. Das kann sehr gefährlich werden. Eltern sollten ihre Kinder unbedingt immer im Auge behalten – egal, ob im Schwimmbad oder am Strand. Ertrinken kann ganz schnell und lautlos passieren. Deshalb ist es gut, mit kleinen Kindern nicht in zu tiefe Gewässer zu gehen und möglichst Badebuchten oder Strandabschnitte mit Badeaufsicht zu wählen. Aber auch hier gilt: Eltern müssen ihre Kinder im Blick behalten. Und: Niemals ins Wasser springen, wenn man die Gegebenheiten nicht kennt oder dort, wo es verboten ist – von Brücken zum Beispiel.

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