SEK-Einsatz

SEK-Einsatz bei Marsberg: Familie schildert Hintergründe

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei - hier ein Symbolfoto - musste vor einigen Wochen nach Marsberg anrücken. Die Angehörigen schildern die Hintergründe aus ihrer Sicht

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei - hier ein Symbolfoto - musste vor einigen Wochen nach Marsberg anrücken. Die Angehörigen schildern die Hintergründe aus ihrer Sicht

Foto: Marius Becker / dpa

Marsberg.  „Es sollten die geladenen Waffen aus dem Haus“, sagt eine Angehörige. Deshalb rief sie die Polizei und löste einen SEK-Einsatz in Marsberg aus.

„Wir waren richtig erschrocken, als wir am anderen Morgen die Polizeimeldung gelesen, gehört und gesehen haben“, sagt das Ehepaar. Sie sind die Verwandten des bei einem Polizeieinsatz in der Sauerlandstraße festgenommenen 93-jährigen Mannes, bei dem Schusswaffen sichergestellt worden waren. (Sie sind der Redaktion namentlich bekannt)

Von der Kreispolizeibehörde HSK sei der Hintergrund des Geschehens, das dem Einsatz vorausgegangen ist, „völlig falsch“ wiedergegeben worden, so das Ehepaar gegenüber der WP. Dadurch sei ein falsches Bild entstanden, das in der Öffentlichkeit und in den sozialen Medien heftigst diskutiert worden sei.

Viel Streit und Drohungen in der Vergangenheit aber nicht an jenem Abend

Die Polizei hatte angegeben, dass an jenem Donnerstagabend im Juli abends ein Streit zwischen den alten Leuten und den Verwandten ausgebrochen sei. Der 93-jährige Mann habe hierbei gedroht, sich und andere umzubringen, wenn er und seine 83-jährige Frau in ein Seniorenheim gebracht würden.

Zum einen seien die Senioren nicht miteinander verheiratet, so die Verwandten weiter, und an dem besagten Abend sei es nicht zu einen Streit zwischen ihnen gekommen. Die Angehörige hätte lediglich nach den beiden Senioren geschaut, weil er erst seit einer Woche wieder zu Hause war nach einem Krankenhausaufenthalt. Der Senior ist schwer sehbehindert, die Seniorin zeitweise orientierungslos. Beide sitzen im Rollstuhl.

93-Jährige besaß legal mehrere Schusswaffen

„Ja“, so die Angehörigen weiter, es habe in der Vergangenheit sehr oft Streit mit den alten Herrschaften gegeben und dabei habe der alte Herr auch aggressiv gedroht, dass er sich und andere umbringen würde, wenn er und seine 83-jährige Lebensgefährtin in ein Seniorenheim gebracht würden. Aber eben nicht an jenem Abend. Das habe sie auch ausdrücklich den Polizeibeamten gesagt.

Der Senior besaß legal mehrere Schusswaffen. Eine habe an dem Abend im Schlafzimmer geladen auf dem Nachttisch gelegen. Die Verwandte habe sie in den Waffenschrank einschließen wollen, hätte den aber nicht wieder verschließen können, weil er geklemmt habe. Der Senior habe dies vermutlich mitbekommen und sei unruhig geworden. Daraufhin habe sie das Haus verlassen.

Polizei sollte die Waffen an sich nehmen

Die Verwandte: „Ich habe draußen die Polizei gerufen, damit sie die Waffen an sich nehmen sollte. Ich wusste mir keinen anderen Rat mehr, weil er sie freiwillig doch nie hergegeben hätte. Und wer weiß, ob nicht irgendwo noch weitere Waffen einfach so rumlagen.“ Mehr sei an dem Abend nicht gewesen. „Ich war einzig und allein um die Sicherheit besorgt.“

Nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung der Polizei sei es vor allem auch bei Facebook zu heftigen Beschuldigen ihnen gegenüber gekommen. „Die Täter-Opfer-Situation war plötzlich vollkommen umgedreht“, so der Angehörige zur WP. „Wir wurden beschuldigt, dass wir meine Mutter und ihren Lebensgefährten nur hätten abschieben wollen.“

Polizei: „Egal wann der Streit eskalierte, es lag eine konkrete Gefahrensituation vor.“

Holger Glaremin, Pressesprecher der Polizei auf Nachfrage der WP: „Am 18. Juli wurde die Polizei darüber informiert, dass ein 93-jähriger Mann innerhalb der Familie mit einer Waffe gedroht habe und die geladene Waffe offen in der Wohnung herumliegt. Aus diesem Grund wurde auch das SEK hinzugezogen. Unabhängig ob der Streit an dem Abend eskalierte oder bereits vorher ausgebrochen war, lag eine konkrete Gefahrensituation vor.“

Angehörige kritisieren Vorgehensweise der Polizei nicht

Die Angehörigen: „Die Vorgehensweise der Polizei kritisieren wir auch nicht.“ Im Gegenteil, das fünfköpfige SEK-Team sei „sehr umsichtig und rücksichtsvoll“ vorgegangen. „Es geht uns ausdrücklich um eine Korrektur der Darstellung der Hintergründe, die zu dem Einsatz geführt haben.“

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