Polizei warnt

Sexting – Wenn Schüler mit Nacktbildern erpresst werden

Sexting-Attacken sind auch im Hochsauerlandkreis keine Ausnahme. Die Polizei warnt: Schüler werden schnell zu Opfern – oder auch zu Tätern.

Sexting-Attacken sind auch im Hochsauerlandkreis keine Ausnahme. Die Polizei warnt: Schüler werden schnell zu Opfern – oder auch zu Tätern.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Hochsauerlandkreis/Brilon.  Immer früher kommen Schüler mit digitalen Medien in Kontakt. Auch beim Entdecken der Sexualität. Das birgt das Risiko, Opfer und Täter zu werden.

Schüler werden immer häufiger Opfer von so genannten Sexting-Attacken. Dabei drohen die Täter den Jugendlichen entweder erotische Aufnahmen oder Bilder mit pornografischem Inhalt zu verbreiten. In vielen Fällen kursieren die Fotos sogar bereits zum Beispiel in Whats-App-Gruppen, weil ein Schüler Aufnahmen von sich leichtfertig verschickt hatte. Die Polizei warnt: Sexting ist auch im Hochsauerlandkreis keine Ausnahme. Schüler werden auch schnell zu Tätern. Im schlimmsten Fall droht ein Verfahren wegen des Verbreitens kinder- oder jugendpornografischer Schriften.

„Wir haben jede Woche mit dem Thema zu tun“, sagt Hauptkommissar Stefan Didam. Die Dunkelziffer sei hoch. Bei vielen Jugendlichen überwiegt die Scham, wenn sie Nacktaufnahmen von sich leichtfertig aus der Hand gegeben haben.

Aufnahmen einer Schülerin aus dem Großraum Winterberg im Umlauf

In einem aktuellen Fall sind Aufnahmen einer Schülerin aus dem Großraum Winterberg im Umlauf. Die Jugendliche hatte im einem Chat einen vermeintlichen Schüler kennen gelernt und ihm sehr freizügige und aufreizende Bilder zukommen lassen. Der Chatpartner entpuppte sich als Krimineller. Jetzt wird das Mädchen erpresst. Immerhin: Sie vertraute sich ihren Eltern an. Die Polizei wurde eingeschaltet. „Das ist das einzig richtige Verhalten, wenn man erpresst wird. Denn die Täter werden auch keine Ruhe geben, wenn man gezahlt hat“, weiß Didam.

Die Masche ist nicht neu und sehr verbreitet, warnt der Hauptkommissar: „Zum Teil stecken dahinter professionelle Strukturen. Die Täter sind oft bandenmäßig organisiert.“

Schule ist Tatort: Verbreiten kinder- oder jugendpornografischer Schriften

Sexting-Attacken gibt es nicht nur nach aus dem Ruder gelaufenen Internet-Chats. Auch im Klassenzimmer selbst nehmen die Taten zu. Viele Jugendlichen sind sich dabei nicht bewusst, wie schnell sie selbst zum Täter werden und ihnen eine Anklage zum Beispiel wegen Verbreitens kinder- oder jugendpornografischer Schriften droht.

„Dass Jugendliche aufreizende oder sogar pornografische Aufnahmen von sich verschicken, ist leider keine Ausnahme mehr“, sagt Hauptkommissar Didam. Die Bilder werden zum Beispiel an den Freund gesendet. Zerbricht aber die Beziehung, schickt der Ex-Partner sie möglicherweise aus Rache weiter. Über Whats-App-Gruppen verbreiten sich dann die Bilder in Windeseile. Oder eine Schülerin versendet an eine Freundin Aufnahmen, die unter anderem ihre entblößten Geschlechtsteile zeigen. „Jugendliche machen so etwas leider. Sie möchten Selbstbestätigung“, sagt Didam. Auch diese Bilder können den Weg auf Handy-Displays finden, für die sie überhaupt nicht bestimmt waren.

Weiterverbreitung strafbar – Man wird schnell zu einem Haupttäter

„Solche Fälle häufen sich leider“, weiß Didam aus seiner Erfahrung als Ermittler. Für Eltern sei meist kaum lückenlos zu kontrollieren, was Kinder mit ihren Handys machen. Wer solche Bilder erhält oder sie weiterverbreitet, macht sich strafbar. Denn es sind im schlimmsten Fall kinder- beziehungsweise jugendpornografische Schriften. „Wer solche Aufnahmen weiter verbreitet macht sich zum Haupttäter“, warnt Didam: Wenn z.B. ein 14-Jähriger ein pornografisches Nacktbild seiner ein Jahr jüngeren Freundin bekomme, handele es sich bereits um Kinderpornografie. Wenn er es weiter versende, mache er sich der Verbreitung kinderpornografischer Schriften strafbar. Dabei geraten Schüler schnell ins Visier der Ermittler: Nach dem Auftauchen von Kinderpornos in Klassenchats werden nicht selten Handys von Dutzenden Schülern einsammelt und überprüft. „Das beste ist, wenn Schüler sich sofort ihren Eltern oder Lehrern anvertrauen, wenn sie entsprechende Bilder erhalten haben“, rät Didam.

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