Interview

So als Leihski in Altastenberg ist man ständig auf der Piste

Skier über Skier: In einem Skiverleih stehen viele Modelle bereit.

Skier über Skier: In einem Skiverleih stehen viele Modelle bereit.

Foto: Foto: Lorenzen

Altastenberg.   Im „Interview der Woche“ kommt heute ein Leih-Ski zu Wort. Daniela Wemhoff vom Skiverleih in Altastenberg gibt ihm eine Stimme.

Er ist momentan ständig im Einsatz, immer auf der Piste, stets zum Sprung und zur Abfahrt bereit. Er muss gute Fahreigenschaften haben und sich immer wieder auf andere Menschen einstellen können. Mit einem Augenzwinkern haben wir heute einen anderen Interviewansatz gewählt: Wir haben mit einem „Leih-Ski“ für Kinder gesprochen. Er ist einer von vielen beim Skiverleih Wemhoff in Altastenberg. Und weil Skier an sich recht hölzern sind, hat ihm Daniela Wemhoff vom gleichnamigen Skiverleih in Altastenberg ihre Stimme gegeben. Sie hat die Fragen beantwortet.

Regelmäßig wachsen

Ständig am Abhang stehen - das ist auf Dauer ganz schön stressig. Wie wirst Du auf die Saison vorbereitet?

Ja, ich muss ständig auf der Piste sein und einiges leisten. Als ich ganz neu war, wurden mir erstmal die Bindungen montiert. Die werden außerdem immer wieder überprüft. Und ich werde natürlich regelmäßig gewachst. Das hängt von der Art des Schnees ab. Bei Neuschnee bekomme ich sehr oft eine neue Wachs-Schicht. Ist der Schnee schon etwas älter, dann muss ich nicht mehr ganz so oft gewachst werden.

Wann beginnt Dein Tag und wie oft ist Partner-Wechsel angesagt?

Im Normalfall habe ich pro Tag nur eine Person, mit der ich unterwegs bin. Das kann schon morgens um 9 Uhr losgehen, dass ich in den Schnee komme. Wenn jemand gut durchhält und Kondition hat, bin ich bis nachmittags um halb Fünf im Einsatz. Das ist aber auch o.k.

Geht man pfleglich mit Dir um oder schrappt man schon mal mit Dir über Stock und Stein?

Es gibt solche und solche Kunden. Manche gehen sehr lieb mit mir um. Bei manchen ist es ein bisschen anders. Man hat schon mal Leute, die mit mir über den steinigen Parkplatz schlurfen. Das tut natürlich weh. Aber die meisten behandeln mich gut.

Hast Du dir schon mal was gebrochen und konnte das dann wieder repariert werden?

Wenn ich wirklich mal dicke Macken auf meinem Belag abbekomme, dann muss ich in die Werkstatt und meine Löcher werden geflickt. Mein Kern besteht oft aus Holz, aber unten drunter trage ich einen Kunststoffbelag, der im schlimmsten Fall ausgebessert werden kann.

Kurze Lebenserwartung

Man spricht ja nicht gerne über das Sterben. Aber was für eine Lebenserwartung hast Du denn bei einer so starken Beanspruchung?

Ich lebe ja in einem Skiverleih. Da hängt es sehr davon ab, wie lange unsere Winter sind. Es gibt kurze Winter, da ist es hier im Regal recht langweilig für mich. Aber es gibt ja zum Glück auch Winter, die sehr lang sind. Meine Lebenserwartung richtet sich auch viel danach, wie oft ich geschliffen werde. Denn irgendwann ist mein Belag dann auch mal durch. Wenn ich Pech habe, werde ich dann leider direkt entsorgt. Es kann aber auch mal sein, dass ich wieder aufgearbeitet, gebraucht verkauft werde und mit einem Kind fröhlich durch die Skigebiete fahre. Den ganzen Winter über werden meine Kollegen und ich auch als Gebrauchtmaterial zum Kauf angeboten.

Aber wie lange musst Du denn durchschnittlich als Leih-Ski arbeiten?

Also, drei Jahre muss ich mindestens arbeiten. Dann hängt es einfach sehr davon ab, wie stark der Abnutzungsgrad ist. In einer guten Saison habe ich etwa zwischen 30 und 40 Arbeitstage. Aber das kann man so pauschal schwer sagen.

Gibt es denn noch ständig neue Modelle von Dir?

Meine Kollegen und ich sind ganz schön ausgereift. Da gibt es keinen Quantensprung mehr. Das Einzige, was mal ausleiern kann, sind die Bindungen. Irgendwann kann man nicht mehr garantieren, dass die Feder in meiner Bindung noch gut funktioniert.

Gibt es Leute, die Dich ausleihen, ausprobieren und Dich dann zurückbringen, weil sie mit Dir auf der Piste nicht klargekommen sind?

Das gibt es schon. Aber bei mir als Kinder-Ski kommt das eher selten vor. Ich lasse mich von Natur aus gut drehen, bin wendig, eigentlich ganz einfach in der Handhabung und verzeihe so manchen Anfänger-Fehler. Als Kinderski fahre ich mit den Anfängern auch oft mit dem Förderband nach oben. Die Kinder finden das klasse – ich übrigens auch!

Keine Helmpflicht

Tragen die Kinder, die auf Dir fahren, eigentlich Helme?

Wenn ich in Österreich fahren würde, müsste ich darauf achten, denn da ist es Pflicht. Hier in Deutschland nicht. Aber der Skiverleih achtet darauf und empfiehlt das in jedem Fall.

Was machst Du eigentlich im Sommer?

Wenn die Saison zu Ende ist, werde ich sorgfältig aufgearbeitet und ordentlich gewachst, damit meine Kanten nicht rosten. Dann hänge ich in meinem Regal ab und erhole mich vom Stress – bis zum nächsten Winter.

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