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So arbeitet die Pressestelle der Polizei im Hochsauerland

Polizeipressesprecher Sebastian Held

Polizeipressesprecher Sebastian Held

Foto: Polizei

Hochsauerlandkreis.  Jüngere und ältere Leser ansprechen ist nur eine der Herausforderungen auf Facebook, Twitter und bald Instagram. Auch online geht es auf Streife.

Während soziale Netzwerke aus dem Privat- wie auch aus dem Berufsleben nicht mehr wegzudenken sind, setzt auch die Pressestelle der Polizei im Hochsauerlandkreis seit fast einem Jahr auf diese Möglichkeiten.

Was genau machen Sie in den sozialen Netzwerken?

Sebastian Held: Im Endeffekt wollen wir zwei Sachen: Die Vorteile, die die Netzwerke mitbringen, in Bezug auf die polizeiliche Arbeit nutzen. Zum Beispiel im Bereich der Fahndung und der Prävention. Wir können schnell unsere Zielgruppe erreichen - unabhängig von der Tageszeit und ohne Umweg über die klassischen Medien nutzen zu müssen. Bei der Prävention von Motorradunfällen erreichen wir nur Leute, die hier wohnen, wenn wir auf herkömmliche Kommunikation setzen. Aber mit der Reichweite im Internet kommen wir über die Kreisgrenzen hinaus.

Außerdem stellt die Polizei 2.500 neue Kollegen ein. Die Personalwerbung ist sehr wichtig und da müssen wir neue Wege schaffen, um uns zu präsentieren. Wir wollen auch zeigen, was die Polizei macht. Ich bezeichne es gerne als kleines Fenster zum Hof. Hier gibt es dann einen anderen Einblick in unsere Arbeit.

Welche Zielgruppe haben Sie?

Die müssen wir differenziert betrachten. Bei Facebook haben wir eine sich wandelnde Altersstruktur. Die Zielgruppe ist da mindestens 18 Jahre alt. Hier fehlen also die Jüngeren, die wir für den Job begeistern könnten. Die 18 bis 24-Jährigen sind aber dennoch interessant, weil wir bis zum 37. Lebensjahr einstellen.

Bei Twitter haben wir die Möglichkeit, direkt zu kommunizieren. Die Nutzer sind hauptsächlich Journalisten oder Leute, die Informationen weitergeben. Hier geht es dann um Themen rund um einen Einsatz oder um Unfälle und Sperrungen. Das Medium ist ein großer Vorteil, weil wir einen Einsatz direkt begleiten können und andere nehmen das Thema auf. Das reduziert Gerüchte und Fragen an uns.

Wie wollen Sie die jüngere Zielgruppe ansprechen?

Da Facebook nicht mehr der richtige Kanal ist, schauen wir uns regelmäßig verschiedene Kanäle an und wollen zeitnah einen Account bei Instagram betreiben.

Wieso ist es so wichtig, in den sozialen Netzwerken aktiv zu sein? Ging doch vorher auch ohne.

Aber wo findet denn heute der Großteil des sozialen Lebens statt? Das ist alles im Internet mittlerweile. Und die Polizei ist ein Teil der Gesellschaft, daher gehört ein Teil unserer Arbeit auch dorthin.

Wie viele Beiträge veröffentlichen Sie täglich?

Das machen wir von den Themen abhängig, daher ist das schwer zu sagen. Wir setzen nicht auf Masse, sondern darauf, was die Leute interessiert und für sie wichtig ist. Im Schnitt haben wir drei Beiträge pro Woche bei Facebook. Bei Twitter ist es von der Einsatzlage abhängig.

Wonach wird ausgesucht, was veröffentlicht wird?

Bei Facebook bringen wir die kleinen Einblicke hinter die Kulissen. Was erlebt man hier? Kurioses oder auch Dinge, bei denen man den Kopf schüttelt oder eben Präventionsmaterial. Aber dann anders aufgemacht. Mit unseren Freiheiten veröffentlichten wir beispielsweise einen Brief, den Kinder ihren Eltern geschrieben haben, um sie davon zu überzeugen, dass sie jetzt auch alleine den Weg zur Schule gehen können. Das sind andere Darstellungsformen, die auch emotional berühren und nicht mehr nüchtern und sachlich sind. So erreichen wir auch mehr Leser.

Gibt es verbindliche Richtlinien für die Beiträge?

Es gibt Regelungen für die Polizei in NRW, die sagen, wie der Auftritt im Internet gestaltet sein soll. Dabei geht es um die Wiedererkennung der Polizei. Bei den Inhalten gelten für uns rechtliche Regelungen und Erlasse, die sagen, was wir nicht rausgeben dürfen. Wir können bei Facebook nicht plötzlich anders arbeiten, als in unserer anderen Pressearbeit.

Wer kontrolliert das?

Wir sind für die Beiträge im Internet verantwortlich. Wir entscheiden im Tagesdienst, was raus geht. Außerhalb der Geschäftszeiten übernimmt die Leitstelle und ist dann in der Verantwortung.

Gehen Sie im Internet auf Streife und treten Gerüchten und/ oder Fake News entgegen?

Wenn wir konkret solche Sachen finden, die unsere Behörde betreffen und es nicht stimmt, dann sind wir darauf aus, das richtig zu stellen. Aber das kam bisher glücklicherweise noch nicht vor.

Gab es schon Fahndungserfolge mit Hilfe von Social Media?

Mittlerweile ja. Wir haben ein Fahrrad an der Ruhr in Meschede liegen sehen, inklusive Helm. Am Tag davor stürzte erst ein Mann mit seinem Fahrzeug ins Wasser. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir mit unserem Aufruf eine große Reichweite und es stellte sich dank einer Frau, welche unseren Aufruf auf Facebook gesehen hatte, heraus, dass ein Junge sich bloß seines Rades entledigen wollte. Das war ein schöner Erfolg für uns.

Gibt es Nachrichten, die besonders oft geliked werden?

Wenn es um Tiere geht. Wir haben einen neuen Polizeihund, Ramsey, den wir begleiten. Das finden die Leute immer super. Aber da dürfen wir dann keine Details verraten, beispielsweise wie die Ausbildung genau aussieht.

Wie sieht die Zwischenbilanz nach fast einem Jahr Social Media aus?

Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung. Das ist für eine kleine Behörde mit viel Arbeit und auch viel Vorbereitung verbunden. Wir müssen alle Seiten im Blick haben und sind sehr glücklich darüber, wie es funktioniert. Es macht viel Spaß und wir haben den Eindruck, dass es auch gut bei den Lesern ankommt.

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