Defizit

Stadt Brilon prüft Regress gegen frühere Krankenhaus-Manager

Blick auf das Maria Hilf-Krankenhaus. Das Restrukturierungspaket soll bis Ende des Jahres greifen und der Standort gesichert werden.

Blick auf das Maria Hilf-Krankenhaus. Das Restrukturierungspaket soll bis Ende des Jahres greifen und der Standort gesichert werden.

Foto: Krankenhaus

Brilon.  In welchem Umfang haben eventuell Verantwortliche des Briloner Krankenhauses zur Schieflage beigetragen? Wie geht es mit der Trägerschaft weiter?

Der Aufsichtsrat des Maria Hilf-Krankenhauses will die von früheren Geschäftsführern geschlossenen Verträge rechtlich darauf prüfen lassen, „wo Regressansprüche möglich sind“. Das sagte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, auf Anfrage der WP. Marschroute bei der Prüfung: „Je jünger desto intensiver“. Denn neben strukturell die Krankenhausfinanzierung betreffende Problematik seien „auch Managementfehler“ für die angespannte wirtschaftliche Lage des Briloner Krankenhauses verantwortlich.

Solidarbeitrag der Belegschaft in Höhe von 3,9 Prozent Entgeltverzicht

Wie gestern berichtet, sollen die Mitarbeiter des Krankenhauses einen Solidarbeitrag in Höhe von 900.000 Euro zur Stabilisierung des laufenden Betriebes leisten. Einen gleich hohen Betrag legt die Stadt Brilon als Träger des Krankenhauses dazu. Der Obolus ist formell freiwillig und bezieht alle Bereiche inklusive Verwaltung und Ärzteschaft ein. Wie in der Betriebsversammlung am Mittwoch erläutert, soll jeder Beschäftige einmalig auf 3,9 Prozent seines Entgelts verzichten. Damit soll ein Teil des für das laufende Jahr auf rund 2,4 Millionen Euro kalkulierten Defizits abgefangen werden, um die Liquidität des Hauses zu erhalten. Für das vergangene Geschäftsjahr zeichnet sich ein Defizit von rund 3,7 Millionen Euro ab.

Managementfehler aufarbeiten

Neben den bekannten strukturellen Finanzierungsproblemen - befürchten die Krankenhausdirektoren in NRW einen politisch gewollten Klinik-Kahlschlag - führten interne Entscheidungen in die roten Zahlen. So verschlang zum Beispiel im vergangenen Jahr der gescheiterte Ausbau der Gynäkologie einen sechsstelligen Betrag. Auch das Medizinische Versorgungszentrum ist bisher nicht installiert. Der neue Geschäftsführer, Rene Thiemann, ist zurzeit dabei, dessen Zulassung zu retten.

Ungemach droht auch aus einem zu Beginn des neuen Jahrtausends abgeschlossenen Architektenvertrag zum Ausbau des Krankenhauses. Nach den ersten, noch von dem langjährigen Geschäftsführer Bernd Schulte vorgenommenen Ausbaustufen ruhten die weiteren Maßnahmen über viele Jahre. Mit den aktuellen Modernisierungsmaßnahmen wurde jedoch ein anderer Architekt beauftragt. Nun gibt es eine rechtliche Auseinandersetzung über Honoraransprüche, die auf einen mittleren sechsstelligen Betrag hinauslaufen könnten.

Für Bürgermeister Dr. Christof Bartsch steht der Erhalt des Krankenhaus-Standortes Brilon im Mittelpunkt - „in welcher Form muss man sehen“.

Positive Signale aus Düsseldorf

Keinen Hehl machen sowohl die Geschäftsführung wie auch der Träger daraus, dass zurzeit Kooperationsmöglichkeiten geprüft werden. Dr. Bartsch: „Das Haus hat Potential. Brilon ist ein guter Standort.“ Die Bedeutung des Maria Hilf-Krankenhauses für die Daseinsvorsorge in der Region habe auch die Landesregierung erkannt: „Die Signale aus Düsseldorf sind positiv.“ Derzeit bemühe man sich um einen Sicherstellungszuschlag für die Geburtshilfestation - Brilon ist zwischen Paderborn, Arnsberg, Bad Arolsen, Korbach und Lennestadt die einzig verbliebene - und sowie um Zuschüsse für den Ausbau der Intensiv- und Isolierstation.

Ziel der Restrukturierungsmaßnahmen sei, so Dr. Bartsch, das Krankenhaus bis Ende des Jahres so auf Kurs zu bringen, dass es auch weiterhin in kommunaler Trägerschaft verbleiben könnte. Dr. Bartsch:: „Wir haben jetzt richtig gute Chancen, das Ruder herumzureißen.“

Auch Kritiker sehen gute Chancen für das Haus

FDP-Fraktionsvorsitzender Dr. Alexander Prange, der mit seiner Kritik an der Krankenhauspolitik von CDU und SPD immer wieder aneckte, sieht mit der neuen Geschäftsführung immerhin „den Hauch einer Chance“, das Maria Hilf „langfristig wieder ins Fahrwasser“ zu steuern. Allerdings meint er auch, dass die Zeit der kommunalen Krankenhäuser zu Ende gehe.

Für ihn sei wichtig, die „politische Verantwortung“ für die Schieflage schnell zu klären. Er selbst hat dabei den „Hauptverantwortungsträger“ bereits ausgemacht: Bürgermeister Dr. Bartsch.

Aufsichtsrat verzichtet auf Sitzungsgeld

Betriebsratsvorsitzender Thorsten Rudolf war Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Und der Ärztliche Direktor, Dr. Marc Garbrecht, verwies auf eine Abmachung mit der Krankenhaus-Geschäftsführung, dass nur von dort Statements zur Situation abgegeben würden. Eine Welle von Empörung und Kritik an dem Solidarpakt gibt es auf der Facebook-Seite der Westfalenpost. Einen eher symbolischen Sparakt steuern die Mitglieder des Aufsichtsrats bei. Sie verzichten auf ihr Sitzungsgeld. Gesamtbetrag in 2017: 3250,73 Euro.

„Vorwärtsbewegung erzeugen“

Geschäftsführer Rene Thiemann, seit Juni als Nachfolger von Sonja G. Drumm Geschäftsführer des Maria Hilf, hofft auf eine „hohe Beteiligung der Belegschaft“ an dem Solidarpakt. Neben der Aufarbeitung der Versäumnisse sei es aber gleichermaßen wichtig, darauf zu gucken „was in der Vergangenheit gut gelaufen ist“. Jetzt komme es darauf an „eine Vorwärtsbewegung zu erzeugen“.

Die soll auch mit der Fortführung der Zimmersanierung dokumentiert werden. Dazu hatte die Stadt vor drei Jahren acht Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

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