Windkraft

Stadtwerke Brilon legen mit 30-Millionen-Euro-Projekt los

Brilon.   Vom Aatal bis Altenbüren erstreckt sich künftig ein Windpark. Sechs Anlagen werden in diesem Jahr errichtet. Fünf bauen die Stadtwerke Brilon.

Von den tollen Tagen hat Axel Reuber in diesem Jahr nicht viel mitbekommen, obwohl er als gebürtiger „Kattfiller“ den Karneval in Attendorn sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat. Der Chef der Stadtwerke Brilon stand in der vorletzten Woche gehörig unter Zeitdruck. Bis Veilchen-Dienstag musste er eine Sammelbestellung auf den Weg bringen. Sechs Windräder. „Ende Februar war Deadline, um die Anlagen noch in diesem Jahr geliefert zu bekommen,“ sagt Reuber. Aber es ist geschafft. Das halbe Dutzend Vestas ist geordert.

Bereits in diesem Monat soll mit dem Bau der sechs Windräder auf dem Windsberg und Auf der Haar zwischen Brilon und Altenbüren begonnen werden. Noch im vierten Quartal sollen die Anlagen ans Netz gehen und für die ersten Einnahmen sorgen. Investitionsvolumen: rund 30 Millionen Euro,

Investoren

Das vertragliche Konstrukt der Betreibergesellschaft ist noch in Arbeit. Dabei handelt es sich um öffentlich-rechtliche Investoren und Privatpersonen. Fünf der sechs Windräder bauen die Stadtwerke Brilon gemeinsam mit ihrem hessischen Partner, der Energie Waldeck Frankenberg (EWF), das sechste, das Auf der Haar am weitesten westlich nach Altenbüren hin gelegene, die Fa. Philma Ventus. Hinter der steht eine Briloner Familie, der Auf der Haar ein Teil der zum Bau des Windparks benötigten Flächen gehört. Weitere zum Bau der Windräder benötigten Flächen gehören der Briloner Propstei-Gemeinde.

Partnerschaft

Die EWF hat für ihr Geschäft mit dem Öko-Strom die Verbands-Energie-Werk (VEW) Gesellschaft für Erneuerbare Energien gegründet. Stammkapital: 12 Millionen Euro. Die VEW und die Stadtwerke Brilon wollen den Windpark gemeinsam über die Windpark Brilon GmbH & Co KG stemmen. Derzeit sind die VEW noch alleiniger Gesellschafter. Axel Reuber: „Der Rat Brilon muss noch die entsprechenden Beschlüsse fassen.“

Gemeinsame Infrastruktur

Für die gemeinsame Infrastruktur des Windparks schließen sich die drei Investoren zu einer eigenen Gesellschaft zusammen. Dabei geht es um den Leitungsbau und den Bau des zur Einspeisung ins Stromnetz erforderlichen Umspannwerks. Das entsteht im Aatal in Nähe des dort an der Straße nach Rixen am Gretenberg geplanten Windrades. Fläche: rund 40 qm.

Zwei Typen

Die Stadtwerke errichten vier 212 m hohe Windräder vom Typ Vestas V 126-3.3 (Nabenhöhe 149 m, Rotorradius 63 m, Leistung von 3,45 MW) sowie eine Vestas V 117-3.3 (Nabenhöhe 116,5 m, Rotorradius 58,5 m, Leistung von 3,45 MW). Die Philma Ventus baut eine 212 m hohe Vestas wie die Stadtwerke.

Logistik

Für jede Anlage ist eine Baulast auf einer Kreisfläche von etwa 28000 qm rund um das Windrad erforderlich; Durchmesser: rund 190 m. Für den Transport der Bauteile müssen diverse Wege verbreitert, Schleppkurven angelegt sowie Leitplanken und Straßenschilder demontiert werden. Reuber: „Alles wird später zurückgebaut.“

Naturschutz

An Ausgleichszahlungen für Naturschutzmaßnahmen hat der HSK pro Anlage 100000 Euro festgelegt. Zudem gibt es für ein Windrad auf dem Windsberg die Auflage, wegen des dort vorkommenden Uhus das Rad täglich eine Stunde vor und nach Sonnenuntergang abzuschalten. Dagegen gehen die Investoren zurzeit rechtlich vor. Außerdem gibt es aktuelle Hinweise auf einen Rotmilan-Horst im Nahbereich eines der Windräder.

Finanzpartner

Finanziert wird das gesamte Projekt gemeinsam von der Sparkasse Hochsauerland, der Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten und der Volksbank Paderborn. Axel Reuber: „Im Paket war das das wirtschaftlichste Angebot.“ Die Stadtwerke und die VEW bringen dabei rund 10 Prozent ihrer Investitionskosten als Eigenanteil ein.

Bürger-Windrad

Eine Anlage wollen die Stadtwerke als Bürgerwindrad ausweisen. Über die Art und Weise der Beteiligungsmöglichkeiten werde derzeit noch gesprochen.

Vermarktung

Den Windstrom vermarktet das Windpark Brilon-Unternehmen direkt an der Börse. Bei einer Inbetriebnahme noch im vierten Quartal ist gemäß EEG eine Vergütung von rund 7,6 Cent je kWh fest; dazu kommen künftig Abschläge von rund 2 Prozent pro Quartal. 2018 tritt das sog. Ausschreibungs-Verfahren in Kraft. Dabei müssen die Betreiber mit ihrer Kalkulation um die Fördermargen mitbieten. Reuber: „Da weiß man nicht, ob man den Zuschlag erhält und zu welcher Vergütung.“

Ökostrom-Anbieter

Neben dieser Direktvermarktung an der Börse bieten die Stadtwerke Brilon seit vergangenem Herbst mit ihrer Enno Energie GmbH online bundesweit Öko-Strom und Gas an. Kunden zurzeit: rund 400, davon 75 Prozent im Bereich Strom.

Regional-Versorger

Als regionaler Energieversorger beliefern die Stadtwerke Brilon derzeit rund 2700 Kunden mit Strom (Zuwachs im Vorjahr: rund 800) und rund 2300 mit Gas (plus 100). Im Gasbereich decken die Stadtwerke einen Marktanteil von 45 Prozent ab. Im Strombereich betrug der Absatz im Vorjahr rund 12 Millionen Kilowattstunden, im Gasbereich lag die Durchleitungsmenge – die Stadtwerke betreiben das auch von anderen Anbietern genutzte, insgesamt rund 180 km lange Gasnetz – bei insgesamt rund 15 Millionen cbm.

Standort-Erweiterung

Noch in diesem Frühjahr beginnen die Stadtwerke mit der Erweiterung ihres Standortes an der Keffelker Straße.

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