Gesundheit

Stammzellen: Wie Heiko Beulen aus Medebach Leben rettete

 Die Hand eines Angestellten extrahiert in der DKMS Life Science Lab GmbH in Dresden DNS von Gewebeproben.

Die Hand eines Angestellten extrahiert in der DKMS Life Science Lab GmbH in Dresden DNS von Gewebeproben.

Foto: Oliver Killig / dpa

Deifeld/Hochsauerlandkreis.  Eine Stammzellen-Spende ist für gesunde Menschen ein kleiner Aufwand, für Leukämie-Kranke aber oft die einzige Chance. Ein Erfahrungsbericht.

Stammzellen-Spende. Durch die schwere Leukämie-Erkrankung von Florian Hellwig aus Deifeld und die Typisierungsaktion für ihn und weitere Erkrankte am 26. Januar 2020 in der Schützenhalle Medebach ist dieses Thema momentan weit über die Region hinaus aktuell. Am Arbeitsplatz, am Stammtisch, beim Kegeln, auf der Skipiste, in den sozialen Medien - überall wird diskutiert: „Bist Du schon typisiert? Gehst Du auch? Was passiert da eigentlich genau?“ Die WP hat Fakten und Erfahrungen zu Stammzellen-Spenden zusammen getragen.

Eine Stammzellen-Spende wird bei schweren Bluterkrankungen wie u.a. Leukämie angewandt. Vorab werden das Knochenmark und die kranken Stammzellen des Patienten durch Chemotherapie und ggf. Bestrahlungen zerstört. Durch die Übertragung von Stammzellen eines passenden Spenders soll sich nach ca. 10 Tagen ein neues und gesundes blutbildendes System im Körper des Patienten aufbauen.

Zwei Formen von Spenden

Die gesunden Stammzellen werden in 80 Prozent aller Fälle durch eine Blutentnahme („periphere Stammzellenspende“) gewonnen. Nachdem der Spender in einem gesonderten Termin gründlich untersucht und für fit befunden worden ist, bekommt er vorab einige Tage ein Medikament (ähnlich einer Thrombose-Spritze), das die Bildung von Stammzellen steigert. Diese Stammzellen werden dem Spender dann über einen venösen Zugang im Arm mit Blut entnommen, in einer speziellen Maschine aus dem Blut herausgefiltert. Anschließend kann das Blut wieder über den anderen Arm zurückfließen. Der Vorgang dauert einige Stunden.

In 20 Prozent der Fälle ist eine Entnahme von Knochenmark und Stammzellen aus dem Beckenknochen des Spenders nötig. Hierfür wird der Beckenknochen unter Vollnarkose punktiert. Die Behauptung, dass für eine Stammzellen-Spende aus der Wirbelsäule Rückenmark entnommen wird, ist völlig falsch!

Keine Kosten für den Spender

Nach der Spende können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder leichte Grippesymptome auftreten, die harmlos sind und sich mit Schmerztabletten behandeln lassen. Bei der Punktion kann ein Wundschmerz hinzukommen. Der Körper bildet die entnommenen Stammzellen innerhalb von ca. zwei Wochen neu. Dem Spender entstehen keinerlei Fahrt- oder Behandlungskosten, diese werden von der Krankenkasse des Empfängers getragen. Auch ein Verdienstausfall wird ersetzt.

Heiko Beulen aus Medebach ist seit ca. 20 Jahren als Stammzellenspender registriert und hat bereits zweimal gespendet - einmal per Blutentnahme und einmal per Beckenknochen-Punktion. Er kennt die Sorgen und Ängste der Familie Hellwig aus eigener Erfahrung: Sein Sohn hatte vor knapp acht Jahren eine Krebserkrankung und ist jetzt wieder gesund. Deshalb ruft er alle Menschen dazu auf, sich registrieren zu lassen: „Eine Stammzellen-Spende ist für den Spender nichts gegen das, was ein Patient durchmachen muss. Nebenwirkungen hatte ich bei beide Male nicht - wer mich kennt, weiß, dass das einzig Unangenehme für mich das Still-Liegen während der Spende war. Ich würde sofort wieder Stammzellen spenden. Einfacher kann man kein Leben retten!“

Fakten

  • Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Typisierung um nähere Untersuchungen wegen einer Spende gebeten zu werden, liegt bei zehn Prozent. Bei ein bis fünf Prozent aller Typisierten kommt es tatsächlich zu einer Spende.
  • In Deutschland gibt es 30 verschiedene Spenderkarteien, die größte ist die Deutsche DKMS, die auch die Typisierungsaktion für Florian Hellwig durchführt. Alle Daten dieser Karteien werden in einem Zentralregister in Ulm erfasst und stehen weltweit für betroffene Patienten zur Verfügung.
  • Für neun von zehn Patienten wird ein geeigneter Spender gefunden. In Deutschland sind rund 8,5 Mio. Spendenwillige registriert (rund 5 Mio. davon bei der DKMS), weltweit gibt es 36 Mio. Spender.
  • Pro Jahr werden 7000 Stammzell-Transplantationen mit Spendern aus Deutschland durchgeführt. Ausschlusskriterien für eine Stammzell-Spende sind u.a. starkes Über- oder Untergewicht; schwere Herz-Kreislauf-, Lungen-, Nieren-, Blut- oder Stoffwechselerkrankungen; schwere neurologische oder psychische Erkrankungen; schwere chronische oder Autoimmun-Erkrankungen wie Diabetes, Zöliakie oder Rheuma; Infektionen mit HIV, Hepatitis B oder C; eigene (auch ausgeheilte) Krebserkrankungen.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben