Wirtschaft

Stimmen zum Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie

Foto: DPA/Carmen Jaspersen

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Olsberg.   Was sagen für das Hochsauerland mitverantwortliche Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu dem Abschluss in Baden-Württemberg?

4,3 Prozent mehr Lohn, Flexibilisierung der Arbeitszeit, eine lange Laufzeit bis 2020 - mit dem Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg ist ein flächendeckender Streik abgewendet. Was sagen heimische Arbeitgeber- und Arbeitnehmer? Die WP befragte dazu den Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte, Dr. Volker Verch, und den 1. Bevollmächtigten der IG Metall Olsberg, Helmut Kreutzmann.


Arbeitszeit

Dr. Volker Verch: Generell ist der Abschluss komplex und zieht sicherlich erhöhten Erklärungsbedarf für die Unternehmen vor Ort nach sich. Positiv zu bewerten ist die zusätzliche Flexibilität bei der Arbeitszeit, die sowohl Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer gewonnen haben. Laut Abschluss kann die Arbeitszeit entsprechend der Bedürfnisse beider Seiten unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt oder verlängert werden. Wichtig ist, dass der von der IG Metall geforderte Teillohnausgleich abgewendet werden konnte und die Unternehmen kein Arbeitszeitvolumen verlieren.

Helmut Kreutzmann: 28-Stunden-Woche - ohne Lohnausgleich und auf Wunsch variabel möglich. Belastende Arbeitszeiten, Kindererziehung und Pflege werden zudem honoriert. Eine Wahlmöglichkeit, ob Geld oder Freizeit in der entsprechenden persönlichen Situation wichtig ist und nicht zuletzt ein ordentliches Lohn-Plus, das Kaufkraft und Rentenansprüche erhöht, das alles ist ein sehr guter Abschluss.

Aber ich denke, auch die Arbeitgeber können zufrieden sein. So haben die Metallarbeitgeber mit der flexiblen Gestaltung ein hervorragendes Argument, um ihre Arbeitsplätze zu bewerben. Sie haben bei entsprechender Tarifbindung eine lange, planungssicher Laufzeit. Und sie bekommen weitere entsprechende Flexibilisierungsinstrumente an die Hand. Selbst die Auszubildenden können sich durch freie Tage vor Prüfungen noch besser auf gute Abschlüsse vorbereiten.

Entgelt

Dr. Volker Verch: 4,3 Prozent mehr Entgelt ab April 2018 wird sicher viele Betriebe an die Grenze der Belastung bringen. Um so mehr ist die Planungssicherheit durch die lange Laufzeit von 27 Monaten und die Möglichkeit, das tarifliche Zusatzgeld ab 2019 als jährlich wiederkehrende Sonderzahlung ausgezahlt wird, zeitlich zu verschieben, zu reduzieren oder ggf. auch zu streichen, wichtige Elemente für die Unternehmen.

Helmut Kreutzmann: „Ich glaube, dieser Abschluss wird nicht nur den wirtschaftlichen Erwartungen der Arbeitgeber gerecht, er erfüllt auch die wirtschaftlichen Erwartungen der Beschäftigten. Zudem ist er modern, zeitgemäß und er könnte auch richtungsweisend für unsere Regierenden sein. Ich hoffe, dass dieser Abschluss in NRW übernommen wird.

Warnstreik

Dr. Volker Verch: In den Streikaktionen, insbesondere den 24-Stunden Streiks sehen wir nach wie vor überflüssige und vollkommen sinnlose Maßnahmen. Damit hat die IG Metall die ohnehin schwierigen Verhandlungen weiterhin erschwert. Für die Unternehmen sind massive Streiks viel mehr als ein teures Ärgernis, sie sind unter Umständen existenzbedrohend. Insbesondere Geschäftspartner im Ausland haben wenig Verständnis für verspätete Lieferungen oder sogar Lieferausfälle. Sie bewerten solche Vorkommnisse womöglich als Unzuverlässlichkeit und schließen Verträge mit anderen Partnern ab. Das kann nicht im Sinne der IG Metall und der Beschäftigten sein.

Helmut Kreutzmann: Die großartige Beteiligung an den Warnstreiks, auch in der Geschäftsstelle Olsberg, hat dieses Ergebnis erst entstehen lassen. Ich möchte den Kolleginnen und Kollegen, die sich für den Erfolg durch die Beteiligung an den Warnstreiks aktiv eingebracht haben. Eine Forderung, die so viel Beteiligung in den Betrieben, auch deutlich über dem Organisationsgrad, hervorruft, zeigt doch, dass sie genau dem Wunsch der Menschen entspricht.

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