Gefängnisarzt

Tatort-Star Joe Bausch unterhält mit skurrilen Geschichten

Die Rolle, die ihn einem großen Publikum bekannt machte: Joe Bausch

Die Rolle, die ihn einem großen Publikum bekannt machte: Joe Bausch

Foto: Stefanie Bald

Altastenberg.   Auf Einladung des Lions Clubs Winterberg erzählte der Schauspieler und Arzt aus seinem Leben – und gab Tipps für den gelungenen Giftmord.

„Machen Sie es allein.“ Alle Giftmörderinnen, die Joe Bausch in seiner Laufbahn als Gefängnisarzt begegnet sind, hätten den Fehler gemacht, einen Killer, den Geliebten oder sonst wen hinzuzuziehen. Die allein gehandelt hätten, müssten demnach noch alle frei sein, gab Bausch den Zuhörern am Dienstag im Berghotel Astenkrone zu bedenken. Dort war er auf Einladung des Lions Clubs Winterberg zu Gast.

Doch nicht nur Tipps für den gelungenen Giftmord gab es, auch keine Lesung aus seinen beiden Büchern, sondern ein bisschen von allem – Anekdoten von einem, der seine Berühmtheit einer Krimiserie und der zutiefst grauen Gefängniswelt verdankt, aber selbst ein so knallbuntes Leben geführt hat, dass man als Zuhörer staunen kann. Theaterwissenschaften, Germanistik, Politik, Jura, Medizin. Das ist nicht das komplette Angebot einer kleinen Uni, sondern das, was Bausch alles studiert hat. Außerdem war er Kabelschlepper beim Fernsehen, langhaariger Linksaktivist und Theaterschauspieler, -gründer und -regisseur, dessen erste Inszenierung im damals noch braven Marburg als „zu progressiv und nackt“ ein jähes Ende fand.

Erste Schritte als Mediziner

Nach dieser Erfahrung eigentlich innerlich fertig mit seiner alten Liebe Theater, verschlug es ihn per „Kinderlandverschickung der ZVS“ (Zentrale Vergabestelle für Studienplätze) zum Medizinstudium nach Bochum. Das zog er durch, wurde aber vom Theaterleben schnell wieder angelockt.

Und so sei es gekommen, dass beide Facetten, Medizin und Kunst, Realität und Fiktion, einen Platz in seinem Leben behielten. Wobei er darüber hinwegschauen kann, wenn Medizin im Fernsehen nicht immer realitätsgetreu dargestellt wird: „Bei manchen Leichen im Tatort könnte man auch behaupten, der hatte eine Überdosis Smarties. Das wäre medizinisch plausibler als das, was im Drehbuch steht.“

Als ihm „das Veröden der Besenreiser von Architekten-Gattinnen“ zu langweilig wurde, wandte er sich einer abwechslungsreicheren Patientenklientel zu: Strafgefangenen. Auch das – man ahnt es schon – nicht auf ganz gerader Straße. Denn auf eine mündliche Zusage im Vorstellungsgespräch sei ein Brief gefolgt, der selbst einen wie ihn sprachlos machte: Der Vorgesetzte in spe stellte darin die „bereits heute verdächtige Nähe des Bewerbers zur Klientel“ fest und sprach sich dringend dagegen aus, diesen einzustellen.

Gewalt in Realität und Fiktion

In der Justizvollzugsanstalt Werl war man offener. Dort fand Bausch eine Stelle als Gefängnisarzt, die er schließlich über 30 Jahre lang bis zum Ruhestand 2018 ausübte. Schnell habe er dort gemerkt, dass die Medizin hinter Gittern anders läuft als draußen: Allein im ersten Jahr wurde er 129 Mal von Patienten angezeigt, wegen Körperverletzung und sogar Mordversuchs. Nicht wegen medizinischer Fehler oder tatsächlichen Angriffen auf Patienten. Sondern, weil die eigene Gesundheit oft das Letzte sei, über das diese Menschen frei verfügen und das sie als Spielraum nutzen könnten. Außerdem sei die Juristensprache ihnen einigermaßen vertraut. Sorgen um seine Existenz muss sich der Arzt deshalb nicht machen. „Die Patientenbindung liegt bei 100 Prozent.“

Immer wieder ist zu spüren, dass Bausch die Gefangenen damals und heute als Menschen sieht und respektiert – ohne zu vergessen, mit wem er es zu tun hat. Große Themen wie Ursachen von Gewalt und der generelle Sinn von Haft und Sicherungsverwahrung werden angeschnitten („Bei manchen ist es gut, dass sie sicher untergebracht sind, bis der Zahn der Zeit sie ungefährlich macht. Sie glauben, lebenslänglich sind 15 Jahre? Vergessen Sie’s!“).

Ebenso seltsam wie diese falschen Vorstellungen sei der Bezug der Öffentlichkeit zu Gewalt im Fernsehen. „Jemanden wegballern geht schon um 15 Uhr. Todesangst zeigen erst um 22 Uhr. Und für das Aufschneiden einer ausgestopften Katze hagelt es Protestmails.“

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