PSYCHOLOGIE

Tipps gegen Stress und Streit in der Weihnachtszeit

Vor den Feiertagen rauscht die Zeit oft nur so an einem vorbei.

Foto: Matthias Graben

Vor den Feiertagen rauscht die Zeit oft nur so an einem vorbei. Foto: Matthias Graben

Marsberg.   Psychologe Wolfgang Heiler redet über die Ursachen vom Druck vor und während des Fests. Gründe: zu wenig Planung und zu hohe Erwartungen.

Die Adventszeit läuft auf vollen Touren und Weihnachten steht vor der Tür. Pünktlich dazu segeln auch die Einladungen für Feiern, Weihnachtsmarkt-Treffen und Konzerte der Kinder ins Haus. Geschenke müssen wir obendrein auch noch besorgen. Am Ende rauscht die eigentlich so besinnliche Zeit wie bei einer Zugfahrt an einem vorbei - Endstation Heiligabend. Statt endlich schöne Momente mit den Liebsten zu verbringen, endet Weihnachten oftmals in Streit.

Wolfgang Heiler, Leitender Psychologe der LWL-Institutsambulanz Marsberg, erläutert die typischen Konfliktsituationen und rät, wie sich Stress und Streit vermeiden lassen. Doch Wolfgang Heiler betont vorab: „Die Tatsache, dass wir die Weihnachtszeit häufig als stressig erleben, muss nicht zwangsläufig negativ sein.“

Grundsätzlich müssten wir zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Stress unterscheiden. Der Wert eines Geschenks könne durch die damit verbundenen Anstrengung sogar noch erhöht werden. Negativ wird der Druck erst erlebt, wenn die Termine und Aufgaben nicht richtig organisiert werden.

Die richtige Zeitplanung

„Oft planen wir uns für diese Vorbereitungen zu wenig Zeit ein und versuchen die Dinge noch nebenbei zu erledigen“, erklärt Heiler. Manche Termine, etwa eine betriebliche Weihnachtsfeier, könnten auch mehr wie eine Verpflichtung empfunden werden. Die wird zu noch einem Termin, der irgendwo im Kalender untergebracht werden muss. In diesen Fällen wird der Stress von den meisten als negativ erlebt.

„Gleichzeitig mag in dieser Zeit auch der Wunsch nach Ruhe und Besinnlichkeit stärker wahrgenommen werden“, erklärt Heiler. So entstehe eine Kluft zwischen Bedürfnis und dem wahrgenommenen Zeitdruck.

„Zum Jahresende wollen wir oft unsere Vorhaben, Aufgaben noch zu Ende bringen“, sagt der Psychologe. Zum Beispiel kommt auf viele eine Jahresabschlussprüfung zu. Je mehr wir unsere Zeiteinteilung fremdbestimmt erleben, umso schneller würden gefühlt die Tage vergehen. „Für kleine Kinder, für die Weihnachten emotional noch etwas ganz Besonderes ist, und die es nicht abwarten können, vergeht die Vorweihnachtszeit unerträglich langsam“, erklärt Wolfgang Heiler das Phänomen.

Das Gefühl des Vorbeirauschens des Advents entsteht ähnlich: Wenn die Ereignisse für uns an Bedeutung verlieren, beschleunige sich damit auch unser Erleben von der Zeit.

Gegen den Trend

Zudem sei es ein neuer Trend, ständig unter Zeitdruck zu stehen und mit wichtigen Dingen beschäftigt zu sein. „Oute ich mich Zeit zu haben, werde ich schnell als nicht produktiv bewertet“, sagt der Psychologe. Dann sei es für viele oft besser, zu denen zu gehören, an denen auch alles vorbeirausche.

Weg von hohen Erwartungen

„Auch wenn es schwer fällt, sich von dem Anspruch des perfekten Weihnachtsfestes zu verabschieden — weniger kann mehr sein!“, sagt Wolfgang Heiler. Häufig hätten Menschen feste Vorstellungen, wie Weihnachten sein soll und würden an alten Traditionen festhalten wollen. Doch die Rahmenbedingungen für das Fest verändern sich stetig — die Kinder sind vielleicht aus dem Haus oder haben schon eine eigene Familie.

Viele Menschen würden auch noch romantische Wunschvorstellungen von Weihnachten hegen. „Zeitgleich haben wir einen inneren Katalog, was alles an Weihnachten abgearbeitet werden muss“, gibt der Psychologe zu bedenken.

Dazu können noch Konflikte hervorkommen, die schon lange in der Familie bestehen. „Schnell werden die alten ungeliebten Verhaltensweisen gegenseitig wieder kritisiert, sind die Kinder von den alten Maßregeln oder den ‘doch nur gut gemeintem Ratschlägen’ genervt oder fühlen sich die Eltern nicht mehr ernst genommen“, weiß Heiler. Auch Rivalitäten der Geschwister aus der Kindheit können wieder zum Vorschein kommen. Sich selbst klarzumachen, dass sich diese alten Muster der Familienmitglieder nicht an Weihnachten ändern werden, hilft die Erwartungen ebenfalls runterzuschrauben. Diese Anstrengungen sollten sich alle lieber für die Zeit nach Weihnachten aufsparen, ist der Psychologe überzeugt.

Im Vorfeld sprechen

Wer früh genug und offen miteinander redet, könne die Wünsche und Bedürfnisse der ganzen Familie besser einplanen. Dann klappe es auch, die Veränderungen im Leben aller zu berücksichtigen.

„Sie können miteinander verabreden, wer sich dieses Jahr um was in der Vorbereitung kümmert“, rät Wolfgang Heiler und fügt hinzu: „Sie können sich darauf einigen, was vor Weihnachten nicht mehr erledigt werden muss und bis ins neue Jahr warten kann.“ Wenn Aufgaben schon vorneherein verteilt werden und feststehen, läuft am Tag selbst alles reibungsloser ab.

Bei alten Streitigkeiten sollten die Betroffenen im Vorfeld besprechen, wie damit umgegangen werden soll. „Praktisch wird dies aber nur in den seltensten Fällen umgesetzt werden“, sagt Wolfgang Heiler.

Die gemeinsame Zeit schätzen

Und wenn Eltern und Geschwistern einen vollkommen auf die Palme bringen? „Zuletzt hilft sicherlich auch, sich des Anlasses bewusst zu bleiben, warum man das Weihnachtsfest zusammen feiert“, betont Heiler. Es lohnt sich also, vorher ein paar Tipps zu beherzigen, um die Zeit in der alle mal zusammenkommen, richtig genießen zu können.

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