Umweltskandal

Trockenheit lähmt die PFT-Sanierung bei Brilon

Rund  2,489 Millionen Euro Kosten sind bis Ende 2018 für den Bau und den Betrieb der PFT-Aktivkohlefilteranlage in Scharfenberg angefallen. Der Hochsauerlandkreis will den Verursacher in Regress nehmen; eine Verfahren läuft.

Rund  2,489 Millionen Euro Kosten sind bis Ende 2018 für den Bau und den Betrieb der PFT-Aktivkohlefilteranlage in Scharfenberg angefallen. Der Hochsauerlandkreis will den Verursacher in Regress nehmen; eine Verfahren läuft.

Foto: Jürgen Hendrichs

Scharfenberg.  Die aufwändige Aktivkohlefilteranlage bei Brilon-Scharfenberg steht still. Grund: Von dem PFT-verseuchten Feld fließt kein Wasser mehr ab.

Die anhaltende Trockenheit blockiert die Sanierung des PFT-verseuchten Feldes bei Scharfenberg. Weil wegen ausbleibender Niederschläge kein Wasser mehr in das Sammelbassin abgeleitet wird, steht die Aktivkohlefilteranlage zurzeit still. Deshalb will der Hochsauerlandkreis die rund 10 ha große Fläche beregnen und die Filtrierung optimieren lassen. Dazu wird in diesen Tagen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Kosten der Untersuchung: rund 70.000 Euro.

Regressfordernungen liegen bei Gericht

Auch diesen Betrag dürfte der Hochsauerland den ehemaligen Verantwortlichen aus dem Firmengeflecht der GW Umwelt in Rechnung stellen. Mittlerweile sind rund 2,5 Millionen Euro für die Sanierung der Scharfenberger Fläche aufgelaufen. Seit gut zehn Jahren versucht der Kreis, das Geld zurück zu bekommen. Bisher vergebens. Gegen die Leistungsbescheide legten die Beklagten, so der Kreis, stets Widerspruch ein. Die folgenden gerichtlichen Verfahren gingen und gehen durch die Instanzen. Derzeit liegt beim Oberverwaltungsgericht Münster die Berufung gegen eine Forderung über 1.494.873,82 Euro auf dem Tisch. Ein Verhandlungstermin sei zurzeit „nicht absehbar“, so OVG-Pressedezernentin Dr. Gudrun Dahme auf Anfrage der WP.

Giftige Schlämme als Biodünger getarnt

2006 war bei Wasseruntersuchungen der Ruhr herausgekommen, dass seit 2004 auf der 10 Hektar großen ehemaligen Weihnachtsbaumkulturfläche bei Scharfenberg - und auf rund 800 anderen im Sauerland - in großem Umfang mit Perfluorierten Tensiden (PFT) verseuchte, als Biodünger und organischer Bodenverbesserer getarnte Industrieabfälle ausgebracht worden war. Die zum Beispiel von einer belgischen Firma bezogenen Schlämme waren mit Abfallschlüsseln versehen, die - wie es in einem OVG-Urteil von 2015 heißt - „bei der Zubereitung und Verarbeitung von Obst, Gemüse, Getreide, Speiseölen, Kakao, Kaffee, Tee und Tabak, der Konservenherstellung, der Herstellung von Hefe- und Hefeextrakten sowie der Zubereitung und Fermentierung von Melasse anfallen“.

15-monatiges Strafverfahren

In einem aufwändigen Prozess vor dem Landgericht Paderborn war das sich über 15 Monate hinziehende Strafverfahren gegen mehrere ehemalige Verantwortliche der Firmengruppe 2013 nach 55 Verhandlungstagen gegen eine Geldauflage von 440.000 Euro eingestellt worden. Es sei nicht sicher, ob die PFT-Belastung der Ruhr ausschließlich durch dieses belastete Material verursacht worden sei.

Das Feld bei Scharfenberg war mit bis zu 6000 Mikrogramm PFT pro Kilo war belastet. Daraus berechneten die Umweltfachleute eine Gesamtfracht von rund 390 kg PFT auf der 10 ha großen Fläche. Das Prinzip der Sanierung: Mittels einer großflächig angelegten Drainage wird das Grundwasser in einem Becken gesammelt und durch insgesamt fünf mit Aktivkohle gefüllte Tanks geleitet. Einmal pro Jahr wird das Granulat - insgesamt 55 cbm - ausgetauscht. Die Filteranlage schafft bis zu 67 cbm pro Stunde. Bisher seien rund 660.000 cbm belastetes Wasser gereinigt worden.

„Zurzeit stehen die Pumpen still“, so HSK-Pressesprecher Martin Reuther. Für den Betrieb der Anlage sei ein Wasserstand von 1,30 m erforderlich. Dann könnten die Aktivkohletanks zusammen 10 cbm pro Stunde reinigen. Reuther: „Das ist aber weit von den möglichen 67 cbm entfernt.

Im Ablauf kein PFT mehr nachweisbar

Die PFT-Konzentration des Bodens ist unterschiedlich, sie reicht - aktuelle Messungen liegen allerdings nicht vor - von 250 bis 4900 Mikrogramm pro Kilo auf der Nord- und von 200 bis 3000 Mikrogramm pro Kilo auf der Südfläche. Im Sickerwasser, das vor der Reinigung in dem - zurzeit allerdings leeren - Bassin gesammelt wird, schwankt die Belastung zwischen 50.000 und 100.000 Nanogramm pro Liter; das sind 50 bis 100 Mikrogramm. Im Ablauf der Anlage ist nach Angaben der Kreisverwaltung „kein PFT mehr messbar“. Das gereinigte Wasser wird in einem zweiten Teich aufgefangen und von dort in die Steinbecke und dann weiter in die Möhne abgeleitet. Außerdem dient dieses Ausgleichsbecken der Reinigung der Filtertechnik.

Bis Ende 2011 sind nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) insgesamt etwa 52 kg PFT ausgeschwemmt worden. Ein Ende der Sanierung, so hieß es noch jüngst im Kreis-Umweltausschuss sei „nicht absehbar“. Pro Jahr fallen dafür Kosten zwischen 60.000 und 80.000 Euro im Jahr an.

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