Gericht

Umweltskandal - glückliches Ende für Angeklagte im PFT-Prozess

Der Prozess um den PFT-Skandal im Landgericht Paderborn hat große Aufmerksamkeit erfahren.

Der Prozess um den PFT-Skandal im Landgericht Paderborn hat große Aufmerksamkeit erfahren.

Foto: dpa

Paderborn/Brilon.   Der Prozess um den PFT-Umweltskandal im Sauerland ist am Donnerstag vor dem Landgericht Paderborn zu Ende gegangen. Das Verfahren vor der 2. Großen Strafkammer wurde nach 55 Verhandlungstagen in 15 Monaten eingestellt.

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Für die fünf Angeklagten im PFT-Prozess vor dem Landgericht Paderborn ist es ein glückliches Ende, für die Besitzer der PFT-verseuchten Ackerflächen in Brilon-Scharfenberg ein Ende mit Schrecken.

Elisabeth Henne hat den ersten Prozesstag vor 15 Monaten und den letzten Verhandlungstag gestern im Zuschauerraum des Schwurgerichtssaals 205 verfolgt. „Sehr angespannt“, wie sie sagt. Nachdem Richterin Margret Manthey die Einstellung des Verfahrens verkündet hat, rennt Elisabeth Henne auf den Flur und muss „erst einmal eine Runde heulen“. Als sich die in Scharfenberg aufgewachsene Betriebswirtin wieder gefangen hat, findet sie ein deutliches Wort: „Unfassbar!“

Nicht vorbestraft

Der Prozess ist mit der Zahlung einer Gesamtgeldauflage in Höhe von 440.000 Euro nach 55 Verhandlungstagen eingestellt. Die fünf Angeklagten - darunter der frühere Chef von GW Umwelt und sein damaliger Betriebsleiter (beide wohnhaft in Brilon), die der Staatsanwaltschaft Bielefeld zufolge für einen der größten Umweltskandale verantwortlich sein sollen, verlassen nicht vorbestraft das Gericht. Die Genugtuung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Elisabeth Henne mag gar nicht hinschauen. Sie arbeitet seit 40 Jahren im Umweltbereich und düst nach dem Ende des Prozesses zu ihrem Arbeitsplatz im Fachbereich Abfallentsorgung bei der Kreisverwaltung des Ennepe-Ruhr-Kreises. „Ich fühle mich auch beruflich in Frage gestellt“, sagt die 57-Jährige. „Wenn ich bedenke, was veranstaltet wird, wenn ein Kanister Öl umfällt“, sagt die Frau, die ein Stück Verbitterung eingesteht.

Sie habe über vier Instanzen - bis zum Bundesgerichtshof - um ihre Existenz gekämpft und in einem Vergleich ihr mit PFT verseuchtes Maisfeld an den Pächter und Aufbringer eines Bodenverbesserers - verkauft - „damit ich aus der Ewigkeitshaftung komme“. 2006 war in verschiedenen Gewässern und im Trinkwasser hohe Konzentrationen der Industriechemikalie PFT gemessen worden. Perfluorierte Tenside stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

„Regienanweisung für Umweltsünder“

Elisabeth Henne muss noch neun Jahre lang ein Bank-Darlehen abbezahlen, das sie aufnahm, um die Prozess- und Anwaltskosten zu bezahlen. „Mehr als 20.000 Euro hat mich der Spaß gekostet“, sagt sie, die wie drei andere Grundstücksbesitzer in Scharfenberg die PFT-Fläche los geworden ist. Drei Landwirte sind immer noch Besitzer. „Die kleinen Bauern können sich doch nicht dagegen wehren.“

Die 57-Jährige fühlt sich im Paderborner Landgericht wie im falschen Film. „Die Einstellung des Verfahrens ist wie eine Regieanweisung für Umweltsünder.“ Will heißen: Der eine importiere industriellen Klärschlamm, vermische ihn mit Dünger und verkaufe ihn an Landwirte als Bodenverbesserer. Der andere pachte viel billiges Land und bringe das Gemisch darauf auf. Und wenn die Sache auffliegt, habe man von alledem nichts gewusst.

„Die Einstellung ist ein fatales Signal“, so Elisabeth Hennes Fazit. Ein Fazit, das Gerichtssprecher Bernd Emminghaus so nicht ziehen will. „Es ist ein sehr schwammiges Gebiet“, sagt er fast schon entschuldigend in dem Wissen, dass die Reaktionen auf das Ende des Prozesses sehr gemischt sein dürften. Weitere Ermittlungsarbeit (z.B. die Zusammenhänge zwischen den Angeklagten) und weitere Gutachten (z.B. die Frage, ab welchem Konzentrationsgrad PFT gefährlich ist) hätten das Verfahren um weitere eineinhalb Jahre in die Länge ziehen können, glaubt Emminghaus. „Dieser Aufwand hätte in keinem Verhältnis zu einer möglichen Verurteilung auf Bewährung gestanden.“

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