Landwirtschaft

„Unerträglich und zynisch“: HSK-Bauern wettern gegen die EU

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Auf der Pressekonferenz des Landwirtschaftsverbandes Hochsauerland wurde mit Kritik nicht gespart

Auf der Pressekonferenz des Landwirtschaftsverbandes Hochsauerland wurde mit Kritik nicht gespart

Foto: Rita Maurer

Düdinghausen/Hochsauerlandkreis.  Der Landwirtschaftsverband Hochsauerland hat bei seiner Pressekonferenz die EU hart attackiert. Auch ein prominenter Politiker wurde kritisiert:

Erntedank – das ist traditionell vor allem in der Landwirtschaft im HSK ein Zeitpunkt, um Rückschau zu halten. Aus diesem Grund hatte der Landwirtschaftliche Kreisverband Hochsauerland zu einer Pressekonferenz geladen. Gastgeber waren Karl, Manuela und Verena Kropff, die in Düdinghausen einen Bio-Hof mit 166 Milchkühen und 166 Hektar Land betreiben.

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„Wir konnten säen und ernten, die Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln und unsere Tiere mit gutem Grundfutter versorgen. Dafür sind wir dankbar, das ist nicht überall auf der Welt so“, resümierte Wilhelm Kühn aus Arnsberg. Er ist nach dem Tod des bisherigen Vorsitzenden Josef Schreiber kommissarischer Leiter des Kreisverbandes und voraussichtlicher Nachfolger. Posthum wurde eine Anregung von Josef Schreiber umgesetzt: Die Erntebilanz wurde gemeinsam mit den Verantwortlichen aus verschiedenen Ausschüssen wie Milch (Stefan Fuchte), Mutterkuhhaltung (Thomas Wiese), Veredlung (Josef Dreps), Christian Niggemann vom Ortsverband, Stefan Belke als Kreislandwirt sowie Klaus Bauerdick vom Waldbauernverband vorgestellt.

Lange Trockenheit und Hitze

Mit dabei waren neben drei Junglandwirten von der Fachschule für Agrarwirtschaft in Meschede auch die Medebacher Landfrauen, die zusammen mit Kreissprecherin Anne Babilon die traditionelle Erntekrone übergaben, die einen Platz im Kreishaus bekommen wird. Das Erntejahr 2022 war bekanntlich geprägt durch die lange Trockenheit und Hitze des Sommers. Der Milchpreis sei momentan zufriedenstellend. Steigende Kosten für Energie, Dünger und Futter bereiten den Landwirten große Sorgen. Die Grün-Ernte sei nach dem zweiten Schnitt durch die Trockenheit und Hitze abrupt geendet. „Mit dem Wetter müssen wir Bauernfamilien klarkommen, da ist unsere Anpassungsfähigkeit gefordert“, erklärte Kühn.

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Deutliche Kritik richtete er dagegen an die Politik: Unerträglich und zynisch sei der Vorschlag der EU-Kommission, Pflanzenschutzmittel zu verbieten, noch dazu in Zeiten, in denen die Versorgung mit Lebensmitteln nicht mehr gesichert sei: „Ein komplettes Pflanzenschutzmittelverbot in sensiblen Gebieten wäre das Aus für den Ackerbau im HSK. Warum sehen die laut EU schutzwürdigen Gebiete so aus: Durch die sachgemäße Bewirtschaftung durch unsere bestens ausgebildeten Landwirte. Ich fordere auf, den Schutzzweck dieser Gebiete zu überprüfen und gute Ackerböden herauszunehmen.“ Weiter habe Bundesagrarminister Cem Özdemir immer noch keine Entscheidung angestoßen, wie der geforderte Umbau der Tierhaltung finanziert werden könne. „Özdemir predigt viel und hält wenig. Mittlerweile gibt es echte Schicksale unter den Bauernfamilien“, klagte Josef Dreps an. „Fachlich fundierte und zuverlässige politische Rahmenbedingungen sind unsere Hauptforderung zum diesjährigen Erntedankfest“, lautete daher die einhellige Meinung aller Anwesenden.

In der Forstwirtschaft werde nicht in Jahren, sondern in Generationen gedacht, betonte Klaus Bauerdick vom Waldbauernverband. Der seit Jahrzehnten angekündigte Klimawandel sei selbst in den Höhenlagen des Sauerlandes angekommen. Die Borkenkäfer hätten 57 Prozent der Fichtenbestände vernichtet; mittlerweile zeigten sich auch Schäden unter anderem an Buchen. Die Auswirkungen der Dürre kämen erst mit Verzögerung zum Vorschein. „Der Wald braucht uns, wir brauchen den Wald“, so Bauerdick. Allein in NRW gelte es, 320.000 Hektar Wald zu schützen und klimaresistent neu aufzuforsten. Das sei für die Waldbauern eine unlösbare Aufgabe, deshalb bräuchten sie neue Einkommensmöglichkeiten. Ihre Vorschläge: Genehmigung von Windkraft im Wald, Ausgleichsmaßnahmen zur Kompensation von Flächenversiegelung im Wald und die Honorierung von ökologischen Leistungen des Waldes wie die CO²-Bindung und die Wasserreinhaltung, die bislang kostenlos erbracht wurden.

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Ein Kiri-Baum aus Asien

Dreps überreichte der Familie Kropff einen Kiri-Baum, der aus Asien stammt, innerhalb von rund 12 Jahren seine Endhöhe von 15 Metern erreicht und als Klimaretter gilt. Der Biobereich habe in den vergangenen Jahren eine Berg- und Talfahrt erlebt, beschrieb Karl Kropff die Situation: Während der Hochphase der Corona-Pandemie sei das Bewusstsein für regional produzierte Lebensmittel merklich gestiegen. Doch durch die Inflation und den Ukraine-Krieg müssten viele Verbraucher verstärkt auf ihre Kosten achten, so dass oftmals an höherpreisigen Lebensmitteln wie solche aus dem Bio-Bereich gespart würde.

Zum Abschluss stellten Hannah Raschke, Mareike Kordes und Simon Dielenhein ihren zweijährigen Vollzeit-Studiengang zum „Staatlich geprüften Agrarbetriebswirt“ vor. Warum ist Landwirt trotz aller widrigen Umstände ihr Traumberuf? Da müssen die Studenten nicht lange überlegen: „Die Arbeit mit Tieren im Jahresverlauf der Natur, die Selbstständigkeit, die vielfältigen Aufgaben und immer neuen Herausforderungen – in der Landwirtschaft kann man zeigen, was man drauf hat“, zählen sie ihre persönlichen Pluspunkte auf. Dem schloss Karl Kropff sich an: „Wenn frühmorgens im ersten Sonnenschein über 100 Kühe zufrieden an einem vorbei in ihre Weiden ziehen, dann weiß man trotz allem, dass man an der richtigen Stelle ist.“

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