Winterspiele

Vater und Sohn reisen mit 30 Jahren Abstand zu Olympia

Frank Soccal in seiner kanadischen Teamjacke vor den olympischen Ringen in Südkorea

Frank Soccal in seiner kanadischen Teamjacke vor den olympischen Ringen in Südkorea

Foto: privat

Winterberg/Pyeongchang.  Frank Soccal aus Winterberg gehört zum Trainerteam der kanadischen Rennrodler. 1988 war sein Vater Eismeister bei den Spielen in Calgary

Sieben Sportler aus dem Hochsauerland starten in den nächsten Tagen bei den olympischen Winterspielen für Deutschland. Und ein weiterer Winterberger kämpft im Hintergrund für einen Erfolg Kanadas: Frank Soccal ist Teil des Trainerteams der kanadischen Rodler.

Das Besondere: Vor genau 30 Jahren, bei den Spielen in Calgary, stand schon einmal ein Soccal im Eiskanal – Franks Vater Peter war als sogenannter Eismeister mit zwei Kollegen dafür verantwortlich, dass die Rodler und Bobfahrer eine perfekt präparierte, schnelle Bahn unter den Kufen hatten.

Der Sohn

Frank Soccal wohnt derzeit mit seinem Team im kanadischen Haus im olympischen Dorf. Er ist der dritte Bahntrainer der Kanadier und hilft auch bei der Bearbeitung der Schlitten. „Dabei fühle ich mich sehr geehrt, der Dritte im Team neben zwei echten Größen der Szene zu sein – Cheftrainer Wolfgang Staudinger und Trainer und Mechaniker Bernhard Glass.“ Außerdem gehören – neben den Sportlern – ein Krafttrainer, eine Physiotherapeutin, ein Manager und mehrere Helfer zum Team. Dass Frank Soccal sich als gelernter Hotelfachmann so gut mit Eis und Kufen auskennt, kommt nicht von ungefähr: 1999 wurde er selbst Junioren-Vizeweltmeister auf dem Rodelschlitten.

Seit etwa einem Jahr hat er das Sauerland gegen die kanadische Weite getauscht. Dass er bei Olympia dabei sein würde, entschied sich aber erst vor einigen Wochen. Seinen derzeitigen Tagesablauf beschreibt der 37-Jährige so: „Die Trainingszeiten sind vorgegeben. Wir fahren dann mit einem Shuttlebus zur Bahn. Bei Olympia wird nicht wie bei Weltcups oder anderen Meisterschaften nach Nationen trainiert, sondern nach Disziplinen. Also erst alle Herren, dann alle Damen und irgendwann kommen die Doppelsitzer dazu. Dadurch wird der Aufenthalt an der Bahn für die Trainer entsprechend länger. Die Sportler, die gerade kein Rodeltraining haben, gehen zum Krafttraining. Wenn wir von der Bahn zurückkommen, werden die Schlitten wieder überarbeitet und es gibt eine Besprechung.“

Sein Ziel für diese Spiele: Seine Mannschaft so gut wie möglich unterstützen, damit sie ihre Hoffnung auf eine Medaille verwirklichen kann. „Es ist toll, ein Teil dieses Teams zu sein.“

Ehrgeizig, akkurat und „ein anständiger Typ“ – so charakterisiert Peter Soccal seinen Sohn. 2005 sind beide mit einem Wohnmobil durch Kanada gefahren. „Wahrscheinlich hat er sich dabei in das Land verliebt“, vermutet der Vater.

Der Vater

Zeitsprung: 1988 reiste der heute 78-Jährige selbst über den Atlantik. Zwei Jahre zuvor hatte er als Bahnarbeiter an der Winterberger Bobbahn angefangen. Mit dem Eis war er da schon vertraut: Zehn Jahre lang war er selbst Bob gefahren. Als 1988 die Winterspiele anstanden, bewarb er sich für den Job im olympischen Eiskanal.

„Das war eine Mordsarbeit, alles von Hand“, erzählt er fröhlich. „Es gab Arbeitstage, die von 7 Uhr morgens bis nachts um 2 Uhr dauerten.“ Zeit, um andere Wettbewerbe zu besuchen, blieb da nicht. „Direkt neben der Bahn lag die Schanze, aber wir kamen gar nicht raus. Trotzdem war es eine schöne Zeit, in der ich viele Leute kennengelernt habe. Insgesamt gingen die Uhren 1988 noch etwas langsamer.“

Flexibilität war aber schon damals gefragt: Erst eine Woche vor dem Abflug bekam Soccal Bescheid, dass er wirklich dabei sein würde. Das Know-how des Winterbergers wurde gebraucht – dem Bahnteam von Calgary fehlte die Erfahrung.

Wie lange es dauert, eine Bahn zu profilieren, hängt von vielen Faktoren ab. „Am schlimmsten ist warme Luft“, sagt der Profi. Noch früh am Morgen wird der Raureif abgehobelt, überschüssiges Eis mit Eisgabeln und Schaufeln entfernt und die Ein- und Ausfahrt jeder Kurve profiliert. Zum Schluss wird alles mit Wasser besprüht.

Seit 2003 ist Peter Soccal im Ruhestand. Trotzdem besucht er noch gern die Bobbahn und hilft an der Waage im Auslauf. Denn ob Trainer, Eismeister oder Helfer: Hinter jedem sportlichen Erfolg steht ein ganzes Team.

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