Kriminalität

Vergewaltigung in Marsberg löst Waffen-Diskussion aus

Eine Frau hält eine Dose mit Pfefferspray in der Hand.

Eine Frau hält eine Dose mit Pfefferspray in der Hand.

Foto: Ingo Otto/Funke Foto-Services

Brilon/Marsberg.   Wie kann ich mich vor einem Angreifer schützen? Darüber wird nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Marsberg heftig diskutiert.

Die Vergewaltigung einer 19-jährigen Frau in Marsberg (wir berichteten) hat in den Sozialen Medien eine Diskussion zum Thema Waffen ausgelöst: „Ich kenne viele Frauen, die sich eine Schreckschusswaffe zugelegt haben. Das schreckt ab und gibt ein wenig Sicherheit, dazu sind die Waffen auf kurze Distanz sehr effektiv“, schreibt eine Nutzerin. Aber stimmt das wirklich?

Generell ist der Umgang mit Pistolen, Gewehren und Munition im Waffengesetz geregelt. Das gilt auch für Schreckschusspistolen, für die man einen kleinen Waffenschein (KWS) braucht. Die Anforderungen dafür sind geringer als beim großen Waffenschein. Aber auch er muss beim Kreis beantragt werden. Voraussetzungen sind u.a. die Zuverlässigkeit des Antragstellers, eine ausreichende körperliche und geistige Eignung sowie die Volljährigkeit.

Nachfrage ist wieder rückläufig

2012 beantragten gerade einmal 52 Bürger im HSK den kleinen Waffenschein, drei Jahre später waren es 151 und 2016 auf einmal 677. „Die Übergriffe bei der Silvesternacht 2015 in Köln waren damals der Grund für diesen rasanten Anstieg“, sagt Bianca Scheer von der Polizeipressestelle in Meschede. Mittlerweile geht die Nachfrage wieder stark zurück. 2017 wurden beim HSK 332 KWS beantragt und Stand gestern sind es für dieses Jahr 196. Das Mitführen einer Schreckschusswaffe hält Bianca Scheer für die denkbar schlechteste Lösung: „Die ungeübte Handhabung in einer akuten Notsituation birgt mehr Gefahren, als dass sie Sicherheit gibt.“ Und in der Tat: Wo soll man die Waffe z.B. als Frau tragen? In der Handtasche? Wie lange soll es dauern, bis man sie greifbar hat? Bianca Scheer: „Wenn – wie im Fall Marsberg – eine Frau von hinten überrascht und zu Boden geworfen wird, hilft auch keine Schreckschusspistole, weil man sie so schnell einfach nicht zu fassen bekommt.“

„Verhältnismäßigkeit“

„Erwerb und bloßer Besitz von Schreckschusswaffen sind für volljährige Personen erlaubnisfrei“, heißt es auf der Internetseite des HSK zum Thema Waffenwesen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man die Waffe auf offener Straße bei einem Schützenfest oder einem Open Air einsetzen darf. Selbst eine Schießerlaubnis (z.B. an Silvester oder bei Familienfeiern) ist mit der Ausstellung des KWS nicht verbunden. Das komplizierte deutsche Waffenrecht kennt zwar Notfall- und Nothilfe-Situationen. Aber juristisch wird auch in diesen Fällen immer das Stichwort „Verhältnismäßigkeit“ fallen.

Pfefferspray: Ab 18 Jahren erhältlich

Nach den Übergriffen in Köln stand Pfefferspray als probates Abwehrmittel hoch im Kurs. Die Nachfrage nach den Sprühdosen habe allerdings ebenfalls nachgelassen. Ab 18 Jahren könne man es zur Tierabwehr frei kaufen, erklärt ein Fachhändler, der namentlich nicht genannt werden möchte. Mittlerweile gebe es sogar Sprays mit einem Marker. Das heißt, ein mit dem Spray in Kontakt geratener Täter kann später noch eindeutig identifiziert werden.

Einen schönen Satz hat der Händler noch parat gehabt: „Das Spray ist offiziell nur zur Abwehr von Tieren zulässig. Aber wenn sich jemand wie ein Tier aufführt...“. Im Marsberger Fall gibt es noch keine neuen Erkenntnisse. Die Polizei bittet Anwohner, die etwas gehört oder das Pärchen bzw. die Gruppe junger Männer aus der Tatnacht gesehen haben, sich zu melden.

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