Justiz

Verhungertes Kind – Zehnfache Mutter tritt Haft bald an

Verteidiger Stephan Lucas mit seiner Mandantin.

Verteidiger Stephan Lucas mit seiner Mandantin.

Foto: Matthias Graben

Winterberg.   Die Frau aus Winterberg, deren Sohn verhungert war, tritt ihre Gefängnisstrafe an. Ihr Rechtsanwalt hatte für einen späten Haftantritt gekämpft.

Die zehnfache Mutter aus dem Raum Winterberg war Ende Februar nach einem Prozess-Marathon von 22 Verhandlungstagen wegen Körperverletzung mit Todesfolge in einem minderschweren Fall und Körperverletzung durch Unterlassen zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Zwischen Februar 2013 und Februar 2014 soll die heute 41-Jährige zwei ihrer Kinder nicht ausreichend mit Nahrung versorgt haben. Ihr Sohn (2) starb an Unterversorgung, eine seiner Schwestern überlebte. Ursprünglich sollte die Frau am 8. April ins Gefängnis. Ihr Verteidiger Stephan Lucas hatte aber erfolgreich Haftaufschub beantragt. Jetzt steht der Termin für den Haftantritt fest.

Abrupter Abbruch sämtlicher persönlicher Kontakte

Er ist für den 1. Juli 2019 vorgesehen. „Wir sind zuversichtlich bis zu diesem Termin alle wesentlichen Angelegenheiten regeln zu können“, sagte Lucas der Westfalenpost. Bei der Frau lebt unter anderem noch ein minderjähriges Kind. „Es ging insbesondere darum für dieses Kind eine gute Lösung zu finden“, so Lucas.

Psychotherapeutische Betreuung der Kinder

Ein – wie zunächst von der Justizbehörde angedachter – rascher Haftantritt wenige Wochen nach Rechtskraft des Urteils hätte den abrupten Abbruch sämtlicher persönlicher Kontakte zu den Kindern zur Folge gehabt, kritisiert Lucas: „Damit wäre man auch dem Wohl der Kinder nicht gerecht geworden.“ Die meisten Kinder seien mittlerweile auf verschiedene Einrichtungen und Pflegefamilien aufgeteilt. Der Umgang zwischen Mutter und Kindern werde bis heute behördlicherseits unterstützt.

Für den bislang noch bei der Mutter lebenden minderjährigen Jungen sei für die Haftzeit mittlerweile eine Lösung in einer Jugendhilfeeinrichtung gefunden worden. Ein „kindeswohlorientierter Umgang“ und „im Bedarfsfalle eine psychotherapeutische Betreuung der Kinder durch das Jugendamt“ sei zugesichert worden, so Lucas.

Anwalt kritisiert staatlicher Behörden

„Die Entscheidung ist ein großer Erfolg für das Wohl der neun unschuldigen Kinder. Erschreckend ist jedoch, dass erst ein Antrag die Behörden mobilisieren konnte“, kritisiert Lucas, der einer ausbleibende behördliche Unterstützung kritisiert. „Obwohl die Sorgen um die Kinder alle bei Gericht im Beisein der Staatsanwaltschaft eruiert worden waren, erfolgte von Seiten der Behörden, insbesondere der Staatsanwaltschaft keine Berücksichtigung bzw. Initiative.“

Parallel hat Verteidiger Lucas ein Gnadengesuch gestellt, über das noch nicht entschieden wurde.

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