Aqua Olsberg

„Vielzahl an Unglücken reicht für 20 Jahre Bürgermeisteramt“

| Lesedauer: 5 Minuten
Genau eine Monat nach dem Brand im Feuerwehr-Gerätehaus mit einem Schaden in Millionenhöhe, brach jetzt im Sauna-Bereich des Aqua-Olsberg ein Feuer aus, das sich schnell ausbreitete.

Genau eine Monat nach dem Brand im Feuerwehr-Gerätehaus mit einem Schaden in Millionenhöhe, brach jetzt im Sauna-Bereich des Aqua-Olsberg ein Feuer aus, das sich schnell ausbreitete.

Foto: Joachim Aue

Olsberg.  „So etwas braucht man nicht in seinem Leben.“ Bürgermeister Wolfgang Fischer über den Brand im Aqua Olsberg und das weitere Vorgehen:

„Die Vielzahl an Unglücken würde auch für 20 Jahre Amtszeit reichen. So etwas braucht man nicht in seinem Leben. Mir fehlen die Worte.“ Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer ist immer noch geschockt. Eigentlich hat er diese Woche Urlaub und die Feuerwehr-SMS vom Mittwochabend zunächst für einen harmlosen Brandmelde-Alarm gehalten. Sicherheitshalber ruft er aber bei Badleiter Johannes Butterweck an. Der verspricht einen schnellen Rückruf. Doch da sagt die Frau des Bürgermeisters schon: „Guck mal aus dem Fenster.“ In dem Moment sieht Fischer, wie Flammen aus dem Freizeitbad nach oben schlagen. Das ist die traurige Bestätigung: die Sauerlandtherme „Aqua Olsberg“ brennt.

Lesen Sie auch: Feuerwehrmann aus Brilon war zufällig am Tag des Brandes Saunagast. Er reagierte sofort

Niemand wurde verletzt

Einen Tag danach überwiegt für Wolfgang Fischer bei allem Schrecken, Ärger und Frust aber die beruhigende Gewissheit, dass niemand der 89 Badbesucher und der neun Mitarbeiter verletzt worden ist und dass „mein ganzes Team hier super Arbeit geleistet hat“. Nahezu alle Mitarbeitenden aus dem Rathaus seien zur Hilfe geeilt. „Das ist ein Aspekt, der mir sagt: Klasse und gut, dass wir halbwegs mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Ob das Feuerwehr, Polizei, Rotes Kreuz oder alle anderen Einsatzkräfte waren – die haben hier Großartiges geleistet. An der Einsatzstelle hat es sehr gut funktioniert.“

Lesen Sie auch:Aqua Olsberg nach Feuer evakuiert: Saunabereich ist zerstört

Lesen Sie auch:Brand am Aqua Olsberg: Schnelle Evakuierung wegen Feuerwehrmann

Lesen Sie auch:Aqua Olsberg in Flammen: 36 Bilder vom Großbrand

Perspektiven für den Schwimmbadbetrieb

Nur wenige Stunden nach dem Brand ist es schwierig, erste Perspektiven zu skizzieren. Lagebesprechungen, Telefonate, der Bürgermeister ist schwer zu erreichen. „Die ganze Abwicklung des Schadens und was da alles auf uns zukommt, das bedeute viel Arbeit für uns“, sagt Wolfgang Fischer. Eben hat er einen Anruf von NRW-Ministerin Scharrenbach erhalten. Erst das Feuerwehrhaus, jetzt die Sauerlandtherme. „Sie hat ihr Bedauern ausgedrückt und auch alle meine Bürgermeisterkollegen melden sich bei mir und bieten ihre Hilfe an.“ Das Ganze sei sehr komplex. „Wir müssen ja zum Beispiel auch überlegen: wo können die Auszubildenden aus dem Aqua zwischenzeitlich ihre Lehre fortsetzen? Das sind lauter Dinge, die jetzt bedacht werden müssen.“ Die Stadt erfahre eine große Welle an Hilfsbereitschaft; all das müsse jetzt vernünftig koordiniert werden.

Als nächstes werden Gutachter kommen und festlegen, welche Bereiche wann wieder genutzt werden dürfen. Bis dahin bleibt das Bad erstmal geschlossen. Wolfgang Fischer ist aber vorsichtig optimistisch: „Bautechnisch sieht es gut aus. Was die Anlagen im Keller anbelangt – das kann man jedoch derzeit nicht absehen. Im Moment dürfen wir nicht ins Gebäude. Daher müssen wir in aller Ruhe schauen. Aber unser Bestreben ist es schon, zumindest gerade im Schwimmbereich so schnell wie möglich wieder an den Start zu gehen. Denn da scheint kein großer Schaden vorhanden.“

Lesen Sie auch: Fachkräftemangel in der Winterberger Gastronomie

Bürgermeister hilft mit

Wolfgang Fischer hatte am Mittwochabend selbst mitgeholfen und sich u.a. um die Badbesucher in der Ballsporthalle gekümmert. „Nachdem die Umkleiden im Schwimmbad entlüftet waren, hat immer ein Mitarbeiter einen Badegast zu den Schränken begleitet. Und dann konnte sich jeder dort seine Kleidung bzw. seine persönlichen Dinge holen und sich umziehen. In dem Bereich war auch die Kleidung nicht kontaminiert.“ Anders sah es aber wohl im Saunabereich aus. Fischer: „Auch dort wurde entlüftet, aber die Berußung und der Qualm-Aufschlag waren so stark, dass dort unter Atemschutz mit den Schrank-Schlüsseln reingegangen wurde, um die Sachen einzeln für die Besucher herauszuholen. „Wir haben den Inhalt in einen blauen Sack gesteckt, in der Ballspielhalle dann die jeweiligen Nummern der Schränke aufgerufen. Dort konnten sich die Leute dann ihre Wertsachen wie Portemonnaie, Handy, Autoschlüssel oder Brille herausnehmen. Die Kleidung musste hier bleiben, da sie total verunreinigt war.“

Wenn Wolfgang Fischer sagt, dass Olsberg sein Soll an Unglücken mehr als erfüllt habe, denkt er nicht nur an den Brand vom Mittwochabend. Seine Erinnerungen wandern zum Brand der Feuerwehr-Fahrzeughalle vor vier Wochen, an den Saunabrand 2013 und nicht zuletzt an die Flugzeugkollision 2014 über Elpe zwischen einem Learjet und einem Eurofighter der Bundeswehr – ganz schön viel in der bislang zwölfjährigen Amtszeit eines Bürgermeisters. In drei Fällen ereilten die Schreckensnachrichten den Bürgermeister übrigens in seinem Urlaub. Abschalten geht anders.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Altkreis Brilon

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben