Fussball

Vom Planwagen-Trupp zum größten Schalke-Fanclub der Welt

Anlässlich der Aufstiegsfeier am letzten Spieltag der Saison 1990/91 fuhren die Briloner Schalke-Fans mit dem Trecker ins Parkstadion. Rechts auf dem Trecker: Manfred „Manni“ Marx

Anlässlich der Aufstiegsfeier am letzten Spieltag der Saison 1990/91 fuhren die Briloner Schalke-Fans mit dem Trecker ins Parkstadion. Rechts auf dem Trecker: Manfred „Manni“ Marx

Foto: Verein

Brilon.   Mit seinen ca. 1150 Mitgliedern ist der Schalke-Fanclub Königsblau Brilon der größte der Welt. Er bereitet sein 25-jähriges Bestehen vor.

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Tausend Berge, tausend Freunde - und, Stand heute, genau 9133 Tage Vereinsgeschichte: Königsblau Brilon, der weltgrößte Schalke 04-Fanclub, bereitet sich auf sein 25-jähriges Bestehen vor. Am 11. Januar ist es soweit. Dann findet im Haus Gruß am Hängeberg, der Gründungsgaststätte, die große Geburtstagsparty statt. 104 Fans können dabei sein. Platzmäßig ist die Teilnehmerzahl nämlich leider limitiert.

Die Wurzeln des Vereins liegen in den 80er-Jahren. Damals war das „Nöleken“, die kleine Bierstube im Hotel Haus Rech, ihr Stammlokal. Das größte blau-weiße Herz schlug in der Brust von Manfred „Manni“ Marx. Und der, so überliefert es die Vereins-Sage, hatte dort am 20. November 1990 die ebenso „geniale wie glorreiche Idee“, beim Wiederaufstieg der Knappen in die 1. Liga mit einem Trecker und Planwagen ins Parkstadion zu fahren. Am 13. Juni 1991brach der Tross zu seiner dreitägigen Zockel-Tour mit 6 km/h in Richtung Parkstadion auf.

46 Gründungsmitglieder

Am 11. Januar 1992 gründeten 46 Schalke-Anhänger dann den Fanclub Königsblau Brilon. Der ist mittlerweile auf rund 1170 Mitglieder angewachsen und hat internationales Flair. Exotischstes Mitglied: Der 1993 aufgenommen damalige Weihbischof von Porto Alegre, Dom Osvino Jose Both, Papst Benedikt XVI. 2006 zum Militärbischof von Brasilien ernannte. Auch Club-Präsident Clemens Tönnies gehört dem Fanclub an, ebenso standen 04-Legenden wie Bernie Klodt oder Reinhard „Stan“ Libuda zu Lebzeiten auf der Liste.

Treibende Kraft des Fanclubs war bis zu seinem Tod am 22. Mai 2009 Manfred „Manni Marx. Sein täglicher Einsatz für den Fanclub und den Verein konnte sich locker mit dem Trainingspensum der Profis auf Schalke messen. Um dem Fanclub und der damit verbundenen Arbeit nach der Ära Marx gerecht zu werden, wurden die Aufgaben auf ein achtköpfiges Präsidium verteilt.

Nachfolger von Manni „Marx“ an der Vereinsspitze ist seitdem Georg Vonnahme (56). Ihm war das Schalke-Gen nicht gerade in die Wiege gelegt worden. Guckte sich sein fußballbegeisterter Vater doch alle großen Revier-Clubs an. Darunter auch der etwa eine halbe Autostunde östlich gelegene Nachbar in Schwarz-Gelb. Das hätte also, durch die blau-weiße Brille betrachtet, auch schwer in die Buxe gehen können.... Sein blau-weißes Erweckungserlebnis hatte Georg Vonnahme im Alter von 12 Jahren beim Schalker DFB-Pokalsieg 1972, als Helmut Kremers und Co. den 1. FC Kaiserslautern mit 5:0 vom Platz fegten. „Irgendwann muss man sich ja mal entscheiden“, schmunzelt der Fanclub-Präsident heute.

Rund 150 Fans bei jedem Heimspiel

Wie oft er seitdem auf Schalke war, kann er spontan gar nicht sagen. Zu jedem Heimspiel setzen die Königsblauen einen Bus ein; manchmal auch zwei. Dabei legten die Fans zwischen dem Sauerland und der Spielstätte der Knappen in den 25 Jahren eine Strecke zurück, die etwa (0)4 mal die Erde umrundet.

Mittlerweile verschafft der Fanclub je Spieltag mehr als 150 Schalke-Anhängern - ab und an auch schon mal Andersgläubigen - Zutritt in die Veltins-Arena. Vonnahme: „Die kommen dann aus allen Himmelsrichtungen.“

Zu den Heimspiel-Ritualen gehören die Abstecher vor dem Spiel ins Traditions-Fan-Lokal „Charlys Schalker“, wo das Management des Vereins seine Büros hat, oder in den „Ess-Null-Vier“-Treff im Marriott-Hotel am Parkstadion.

Sorgen macht den Königsblauen derzeit ein wenig das gemeinsame Fußball gucken am Fernsehen. Denn ihre Sportsbar, die „Lok“ im Alten Bahnhof, ist seit kurzem geschlossen.

Das Gebäude atmet quasi königsblaue Fan-Geschichte. Es befindet sich in Besitz des Briloner Geschäftsmanns Tom Schröder - und der gehört zum Gründungskreis des Fanclub und war bei der legendären Planwagenfahrt ins Parkstadion das Küken auf dem Trecker.

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