Amtsgericht Brilon

Von Freund geschlagene Frau muss wegen Fehler vor Gericht

Gewalt in der Beziehung: In Brilon gibt eine Frau eine eidesstattliche Versicherung ab, in der sie

Gewalt in der Beziehung: In Brilon gibt eine Frau eine eidesstattliche Versicherung ab, in der sie

Foto: dpa

Brilon.   Eine Frau, die von ihrem Freund geschlagen wird, gibt eine eidesstattliche Versicherung ab. Ihr passiert ein Fehler. Daher muss sie vors Gericht.

„Das Foto spricht Bände.“ Als Richter Dietmar Härtel einen Blick auf das Handy wirft, ist ihm klar, dass die 24-jährige Angeklagte und ihr sieben Jahre älterer Freund damals „eine gewaltgeladene Beziehung“ lebten. Ein blaues Auge verunstaltet das Gesicht der zierlichen jungen Frau. Doch das stammt nicht von jenem Februartag vergangenen Jahres. Das aber hatte die Frau in einer Eidesstattlichen Versicherung angegeben, mit der sie vor Gericht ein Kontakt- und Annäherungsverbot gegen ihren Ex erwirken wollte. Jetzt muss sich die Frau selbst vor Gericht verantworten.

Fahrlässige falsche Versicherung an Eides Statt

Denn neben dem Veilchen hatte es eine Reihe weiterer Übergriffe ihres früheren Lebenspartners gegeben. „Das musste damals bei der Anwältin alles ganz schnell gehen“, sagte die junge Frau jetzt unter Tränen vor dem Amtsrichter in Brilon, wo sie sich wegen einer fahrlässigen falschen Versicherung an Eides Statt verantworten musste.

Ehemaliger Lebensgefährte : Gelegentlich geschlagen

Dass die Beziehung schwierig war und ihm gelegentlich mal die Hand ausrutschte, räumte der ehemalige Lebensgefährte ein; allerdings habe auch die Frau ihm gelegentlich eine „geschossen“.

Aufgefallen war das falsche Datum, weil sich die junge Frau nach einem Treppensturz zur ärztlichen Behandlung in die Bigger Elisabeth-Klinik begeben hatte, dort jedoch nur die typische Sturzverletzungen behandelt worden waren. Eine derartige, auf Gewalt hindeutende „Prellmarke“ im Gesicht, so der damals behandelnde Arzt als Zeuge, wäre sofort dokumentiert worden. Der Arzt: „Das hätte ich gesehen.“

Das ganze Konstrukt bei einem Fehler hinfällig

Nach einigem Hin und Her und weiteren Einblicken in die Beziehung der beiden jungen Leuten hielt selbst die Verteidigerin „den objektiven Tatbestand“ der Körperverletzung für erfüllt. Allerdings mit Blick auf die ganze Beziehung relativierte sie: „Das einzige, was nicht passt, ist das Datum.“

Das aber, so Richter Härtel, sei das Entscheidende. Denn wenn bei einer Versicherung an Eides Statt auch nur einer von zehn Punkten nicht stimme, sei das ganze Konstrukt hinfällig.

Richter: Verbuchen Sie das alles als Lebenserfahrung

Die Verteidigerin hielt eine „symbolische Strafe“ von 10 Tagessätzen zu je 15 Euro für ausreichend. Ihrer Mandantin sei in einer Ausnahmesituation die falsche Datumsangabe unterlaufen , das sei aus ihrer Sicht vor dem Hintergrund der Beziehung „eine Fahrlässigkeit am unteren Rande“ der Strafbarkeit. Auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wertete das Geständnis, den Stress und die vielen weiteren Vorkommnisse in der Beziehung als strafmildern. Ihr Strafantrag: 20 Tagessätze zu je 15 Euro plus Übernahme der Kosten des Verfahrens.

Richter Härtel schrieb der jungen Angeklagten noch einmal ins Stammbuch, dass sie ohne die Eidesstattliche Versicherung und die damit verbundene Konkretisierung der Körperverletzung ihren Gewaltschutz-Antrag vor Gericht nicht hätte durchsetzen können und verhängte die von der Staatsanwaltschaft geforderte Geldstrafe: „Das ist das billigste, was hier in den letzten fünf Jahren rausgegangen ist,“ sagte er. Sein Rat: „Verbuchen Sie das alles als Lebenserfahrung.“ Wenn es in einer Partnerschaft körperliche Übergriffe gebe, sei das „der Punkt, an dem man sich trennen sollte. Man weiß ja nicht, wo das endet.“

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