Bundestagswahl

Wahl-Debakel für die CDU auch im Hochsauerlandkreis

ePatrick Sensburg im Kreishaus in Meschede.

ePatrick Sensburg im Kreishaus in Meschede.

Foto: Kortmann

Hochsauerlandkreis.   Der HSK wird künftig mit drei Politikern im Bundestag vertreten sein. Neben Patrick Sensburg gehen Dirk Wiese und Carlo Cronenberg nach Berlin.

Der Hochsauerlandkreis wird im kommenden Bundestag mit drei Abgeordneten vertreten sein. Carlo Cronenberg (FDP) schaffte über die Landesliste den Sprung nach Berlin. Patrick Sensburg verlor zwar deutlich Erststimmen, sicherte sich aber souverän das Direktmandat. Wie vor vier Jahren wurde der Wahlabend für Dirk Wiese (SPD) zur Zitterpartie. Erst Stunden nach Schließung der Wahllokale stand fest, dass der Briloner über die Landesliste das Hochsauerland in der Hauptstadt vertreten wird.

Die HSK-CDU erlebte – wie im Bund – ein Debakel. 41,7 Prozent bedeuten empfindliche Verluste in der Unionshochburg. Selbst in Hallenberg, wo die CDU vor vier Jahren noch fast satte 63 Prozent holte, stürzte sie unter die 50-Prozent-Marke. Miserabel schneidet auch die SPD im Hochsauerlandkreis ab. Mit 22,8 Prozent blieb sie aber immerhin knapp über dem Bundesergebnis.

CDU: Konservativer werden

Gedämpfte Stimmung bei der CDU-Wahlparty im Törchen. Patrick Sensburg nahm um 20.30 Uhr nüchtern die Gratulation für seinen Wiedereinzug in den Bundestag entgegen. Sensburg hatte zunächst im Kreishaus in Meschede die Ergebnisse verfolgt und war dann nach Brilon gefahren. „Die CDU muss wieder stärker auf konservative Themen setzen“, sagte Sensburg. Bei einer Koalition mit Grünen und FDP werde das nicht leichter fallen. „Wir müssen schauen, wo und an wen wir Wähler verloren haben und daraus die Lehren ziehen.“ Im Umgang mit der Flüchtlingskrise „haben wir auch Bundesebene sicherlich Fehler gemacht. Im HSK müssen wir uns vorwerfen, uns in der Vergangenheit nicht ausreichend um die Spätaussiedler gekümmert zu haben.“

SPD: Niederlage akzeptiert

Dirk Wiese hatte unmittelbar nach der ersten Prognose die Wahlniederlage der SPD akzeptiert. „Das bedeutet für uns den Gang in die Opposition. Der Ball liegt jetzt bei Jamaika. Ich sehe für uns in der ­Oppositionsrolle auch wichtige Aufgaben – vor allem nach dem starken Abschneiden der FDP.“ Dass die Sozialdemokraten im Hochsauerland besser abschnitten als im Bund, tröstete Wiese kaum. „Das Ergebnis ist ja nicht wirklich gut. Aber gegen den Bundestrend ist man machtlos.“

AFD: Quittung für Altparteien

Entsprechend jubilierte der Arnsberger AFD-Spitzenkandidat Martin Schaefer: „Das ist mehr als eine Quittung für die Altparteien.“ Das Ergebnis der AFD im Hochsauerland bezeichnete er als zufriedenstellend. Die Partei schloss mit 7,99 Prozent unterhalb des Bundesergebnisses ab.

Die Linke: Nachdenklich

Die anderen Spitzenkandidaten reagierten geschockt auf das starke Abschneiden der AFD. „Es ist ein trauriges Ergebnis. Das Abschneiden der AFD macht nachdenklich“, sagte Reinhard Prange (Die Linke).

FDP: Vertrauensbeweis

Carlo Cronenberg, der in Neheim den Wahlerfolg der FDP feierte, fordert eine gesellschaftliche Debatte: „Wenn fast ein Drittel der Wähler Parteien am rechten und linken Rand ihre Stimme geben, muss man sich damit auseinander setzen.“ Das „tolle Ergebnis im HSK“ sei ein Vertrauensbeweis. Mit 14,3 Prozent lag die FDP in vielen Stimmbezirken sogar vor den Sozialdemokraten. Cronenberg erwartet schwierige Koalitionsverhandlungen, nachdem die SPD eine erneute Große Koalition ausgeschlossen hatte. „Letztendlich wird die Basis entscheiden, ob es eine Jamaika-Koalition gibt.“

Grüne: Für Jamaika-Koalition

Die Grüne-Spitzenkandidatin Annika Neumeister freute sich über das „unerwartet gute Bundesergebnis.“ Das zeige, dass Klima- und Umweltschutz ein wichtiges Thema sei. „Für uns Grüne ist es jetzt verpflichtend, sich für eine Jamaika-Koalition stark zu machen.“

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