Bauarbeiten

Warum in Olsberg alle 120 Meter gebohrt wird

Spülbohrung an der Bigger Hauptstraße zwischen Hotel-Restaurant Schettel und Schuhhaus Gerke, inzwischen ist die Kabeltrommel schon ein ganzes Stück weiter in Richtung Olsberg gewandert.

Spülbohrung an der Bigger Hauptstraße zwischen Hotel-Restaurant Schettel und Schuhhaus Gerke, inzwischen ist die Kabeltrommel schon ein ganzes Stück weiter in Richtung Olsberg gewandert.

Foto: Sonja Funke / Westfalenpost

Olsberg/Altkreis.  Hindernislauf an der Hauptstraße in Bigge und Olsberg: Doch eigentlich müssten die Bürger sich über die kurzen Verkehrsbeeinträchtigungen freuen.

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Wer durch Olsberg fährt, kommt nicht umhin, sie zu sehen, die Schächte auf den Gehwegen, etwa alle 120 Meter entlang der Hauptstraße. Bis zu fünf Horizontal-Bohranlagen, so genannte Ditch-Witch-Anlagen (zu Deutsch „Graben-Hexe“) sind in Olsberg im Einsatz. Hier baut die Firma GasLine eine Datenautobahn.

Die 293 Kilometer lange so genannte Sauerlandtrasse ist die längste, die das Unternehmen je am Stück gebaut hat. Sie führt von Ostwig kommend über 60 Kilometer weiter durch Olsberg und Brilon bis nach Marsberg-Westheim. Auch dort sind bereits erste Baustellen eingerichtet, das Verlegen der Leerrohre für die schnelle Glasfaser hat begonnen.

Ortstermin an der Bigger Hauptstraße vor dem Hotel Schettel. Hier ist der Zielschacht, vor dem Schuhhaus Gerke der Startschacht für eine der vielen Spülbohrungen. Wo die kastigen Baufahrzeuge, die Bohranlagen stehen, da wird gerade verlegt. So vergangene Woche in Bigge. Eineinhalb Tage hat es gedauert, bis die Bohranlage mit Sonde fast fünf Meter tief unter allen anderen Leitungen her, einmal hin geschoben und zurückgezogen hat. „Wie schnell die Bohranlage vorankommt, das hängt von der Bodenart ab“, so André Dittrich von der Firma Diroba (Dittrich-Rohrleitungsbau) aus Großvargula in Thüringen. Es gibt quasi kein Gestein, das zu hart ist. Im Sauerland sei man in 80 Prozent der Fälle bei Bodenklasse 7, härteste Klasse.

Verlegung und Trasse

Die Spülbohrungen erfordern Schächte etwa alle 120 Meter, wie zurzeit in Bigge an der Hauptstraße zu sehen. Bis zu den ersten Leitungen muss die Erde offengelegt werden, den Rest erledigt dann die Bohranlage. Alles beginnt mit der Pilotbohrung. Am Ziel angekommen, geht es nach einigen Umbauten auf den Rückweg. Etwa 14 Zentimeter dick ist das Loch, das der Bohrer dann zu bohren hat, da er drei Leerrohre à fünf Zentimeter Durchmesser, die schräg zueinander liegen, durchzieht.

Mit einem Lehm-Sand-Wasser-Gemisch unterspült geht es durch die Erde, in Bigge in 4,83 Metern Tiefe, das zeigt das Messgerät an, das immer Kontakt zur Sonde unter der Erde hat. So ist die Firma in der Lage, zentimetergenau voranzukommen. Jede Stunde, die so eine teure Bohranlage nicht wie geplant arbeiten kann, kostet das Unternehmen mehrere hundert Euro. Sobald es dauerhaft Minusgrade gibt, wird es zum Beispiel kritisch, weil mit Wasser gearbeitet wird. Deshalb lief die Bohranlage am Dienstagabend an der Talstraße/Bahnübergang auch noch um sieben Uhr abends.

„Die Trasse geht insgesamt über 293 Kilometer“, so Karsten Gehrke von der Fa. Gasline. Nicht immer wird tief gebohrt, teilweise auch gefräst oder gepflügt, so am Losenberg, von wo die Trasse von Ostwig kommend über Wald- und Forstwege verläuft. Hier kommt man sich nicht mit Fernwärme, Wasser, Abwasser, Gas oder Telefon im Boden in die Quere. Von Olsberg geht’s in den nächsten Wochen über die Ruhrstraße am Markt vorbei hoch zur Rutsche und Gierskopp und von dort am Fahrradweg entlang weiter nach Elleringhausen. Auch hier sind, je nach Boden, eher Fräse und Pflug im Einsatz. Eine Leitung geht direkt nach Elleringhausen, und die Hauptleitung zweigt nach Brilon ab und es geht weiter in Richtung Westheim, von dort soll es mittelfristig entlang der A44 nach Kasse gehen, wo die Trasse auf einen so genannten Knotenpunkt trifft. Dieser Abschnitt ist noch in der Planung.

Die Kunden und die Stadt

Um das Vorhaben zu genehmigen, hat eine Kommune nach Einreichung der Unterlagen maximal drei Monate Zeit, so Timmy Geyer, Vermessungsingenieur vom Ingenieurbüro Jonasson aus Wetter. Er plant das Teilstück der Trasse. Der Olsberger Verwaltung wurde diese im Sommer vorgestellt, sie gab im vergangenen Monat grünes Licht. Thomas Rösen, stellvertretender Leiter des Bauamtes, sagt - auch mit Blick auf das neue Pflaster, das u.a. an der Ruhrstraße wieder aufgehoben werden muss: „Uns wurde eine Verlegetechnik unterbreitet, mit der wir in der Stadt Olsberg leben können. Wir stimmen ab, wo Start und Ziel für die Bohrungen hinkommen und wo wir anders gehen müssen als vorgesehen. Es geht auch darum, dass die Oberflächen nicht zu stark in Anspruch genommen werden.“

Gasline legt Leerrohre und die Lichtwellenleiter (LWL)-Infrastruktur für jeden Kunden, der sich einmieten möchte. Das sind meistens Telekommunikationsanbieter, so genannte Provider. In Olsberg hat zurzeit Vodafone/Unitymedia einen Auftrag gegeben, Platz für weitere Interessenten ist durch die drei verlegten Leerrohre vorhanden. In ein Leerrohr passen bis zu fünf 144 Fasern starke Glasfaserbündel.

Vielleicht kommen also in Zukunft noch weitere Anbieter hinzu. „Jeder, der sich als Provider später meldet, ist froh, wenn die Kommune sagt, ‚Gasline ist hier‘“, betont Karsten Gehrke, GasLine. Für die Städte, so scheint es, ist alles gut, was erstmal liegt, jedes Leerrohr mehr ein Infrastruktur-Vorteil, auch mit Blick auf Gigabyte-Geschwindigkeiten. Die Kunden in Elleringhausen werden vielleicht schon dieses, aber auf jeden Fall im nächsten Jahr merken, was so eine Datenautobahn bringt.

Die Anbieter und der Wettbewerb

Erst im vergangenen Jahr hatte die Firma Westnetz/Innogy ein Stück Breitbandnetz verlegt, die Telekom weitere - an anderer Stelle. Eine wirklich Abstimmung unter konkurrierenden Anbietern gibt es noch nicht, das hatte die Stadt schon mehrfach bemängelt. Informiert waren andere Unternehmen durch die Gasline als neutralen Anbieter schon, sagt Timmy Geyer: „Alle Betreiber werden angeschrieben, das ist laut Bundesnetzagentur nötig, aber es gab keinen Bedarf.“ Als Planer ist Geyer gefordert, möglichst schnell eine ausbaufähige Trasse finden. Zwischen Bestwig und dem Olsberger Markt – das sind acht Kilometer - soll noch in diesem Jahr der Lückenschluss stattfinden und alles auch noch ans Netz, vielleicht sogar auch noch Elleringhausen. „Der Ort wird bald sehr leistungsfähige Koaxialkabel haben, Unitymedia war an diesem Ort sehr interessiert“, sagt Karsten Gehrke von GasLine.

Übrigens: Auch die Telekom hatte den Ort, wo sie schon Glasfaser verlegt hatte, zuletzt flugs mit Multifunktionsgehäusen ausgerüstet, nachdem eine Absage von Westnetz/Innogy gekommen war, den Ort noch zu versorgen. So sind auch jene Kunden versorgt, die keinen Kabelanschluss haben oder ein anderes Angebot wählen wollen.

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