Fernseh-Tipp

WDR-Fernseh-Doku: Auf Tuchfühlung mit dem Wisent-Leitbullen

Heike Grebe ist Filmemacherin aus dem Sauerland. Die Deifelderin hat zwei Jahre lang die ausgewilderte Wisent-Herde in Wittgenstein begleitet. Die Dokumentation ist jetzt im WDR zu sehen.   

Heike Grebe ist Filmemacherin aus dem Sauerland. Die Deifelderin hat zwei Jahre lang die ausgewilderte Wisent-Herde in Wittgenstein begleitet. Die Dokumentation ist jetzt im WDR zu sehen.  

Foto: Rita Maurer

Deifeld.  Zwei Jahre lang begleiten die Deifelderin Heike Grebe und ihr Kamera-Team ausgewilderte Wisente. Was sie erleben, zeigt jetzt eine Fernseh-Doku.

Ein Film über das Sauerland für die WDR-Reihe „Wildes Deutschland“ sollte es werden. So war der Plan von Heike Grebe aus Deifeld.

Doch bei den Dreharbeiten verliebte sich die studierte Filmemacherin samt Kamerateam in die freilebende Wisent-Herde aus dem Rothaargebirge.

Und so ist nun eine Dokumentation mit herrlichen Naturaufnahmen über „Das Land der wilden Riesen - Wisente in NRW“ entstanden, die morgen Abend um 20.15 Uhr im WDR-Programm ausgestrahlt wird.

Ein junger Bulle wird erwachsen

Zwei Jahre lang haben Heike Grebe und ihr Kamera-Team die im April 2013 in Wittgenstein ausgewilderten Wisente durch alle Jahreszeiten begleitet. Besonders im Fokus hatten sie dabei Quintus, das erste deutsche Wisentkalb, das seit Jahrhunderten kurz nach der Auswilderung in Freiheit geboren wurde. Der Film zeigt in beeindruckenden Nah- und Flugaufnahmen, wie der junge Bulle erwachsen wird und seinen Platz in der von anfangs acht auf jetzt 21 Tiere angewachsenen Herde finden muss.

Heike Grebe durch und durch ein Kind des Sauerlandes

Neben Bildern von den Wisenten sind auch liebevoll zusammengestellte Sequenzen aus dem Arnsberger Wald, vom Möhnesee sowie dem Rothaarsteig bei Winterberg und dem Kahlen Asten zu sehen. Und vom Deifelder Schützenfest.

Heike Grebe ist selbst durch und durch ein Kind des Sauerlandes. In Deifeld aufgewachsen hat sie jahrelang bei einer Produktionsfirma in Hamburg gearbeitet und war für ihre teilweise preisgekrönten Natur- und Tierfilme u.a. in Afrika und Asien unterwegs. Das jetzige Projekt war für sie willkommener Anlass, in ihre Heimat zurückzukehren: „Das Sauerland ist für mich Herzenssache. Ich habe mich riesig gefreut, dass ich mit diesem Film anderen Menschen zeigen kann, wie schön es bei uns ist.“

Auch eventuelle Gefahren für Menschen werden im Film thematisiert

Neben aller Schönheit der Natur und der imposanten Tiere – eben der „wilden Riesen“, die als die größten Landsäugetiere in Europa gelten: Wenn es um die Wisente geht, können die derzeitigen Auseinandersetzungen zwischen den Waldbauern und den Befürwortern des Auswilderungs-Projektes nicht außen vor bleiben.

Die frei umherstreifenden Wisente dringen immer wieder in Privatwälder ein und verursachen dort immense Schälschäden an Buchenbeständen. Deshalb soll eine Einzäunung der Herde gerichtlich durchgesetzt werden. Auch eventuelle Gefahren für Menschen werden im Film thematisiert, nachdem im vergangenen Jahr eine Wanderin mit ihrem Hund von einer Mutterkuh angegriffen wurde.

Die Warnsignale der Wisente

Heike Grebe hat solche Erfahrungen nicht gemacht. Durch die häufigen Begegnungen bei den Filmarbeiten kannten die Tiere das Team, das sich dadurch sogar dem Leitbullen Egnar bis auf wenige Meter annähern oder mitten durch die Herde gehen konnte – auch, als fünf Jungtiere dabei waren. Vor Beginn des Drehs hatte sich das Team von einer Biologin über das richtige Verhalten den Wisenten gegenüber und Warnsignale beraten lassen: „Uns wurde gesagt, nicht geradeaus auf die Tiere zugehen, sondern respektvoll und langsam im Zickzack, so dass sie uns sehen können.“ Warnzeichen seien zu erkennen: Wisente schnaufen und scharren mit den Hufen, wenn sie nervös werden. Oder sie blocken, indem sich die erwachsenen Tiere schützend vor ihre Kälber stellen.

Familiäres Verhalten in der Herde

Im Zweifelsfall hätten sie sich umgedreht und seien gegangen, gefährliche Situationen habe es nicht gegeben, schildert Heike Grebe. Besonders beeindruckt war sie von dem fürsorglichen und familiären Verhalten in der Herdenstruktur.

Bleibt das Sauerland mit seinen weitläufigen Wäldern also weiterhin das Land der wilden Riesen oder nicht? Für Heike Grebe ist eines klar: „In Deutschland haben wir verlernt, mit wilden Tieren zu leben. In unseren Nachbarländern klappt das Leben mit Wisenten und Wölfen dagegen problemlos. Ich hoffe, ich kann mit meinem Film zeigen, wie sanftmütig und großartig die Wisente sind und dass sie ihren Platz im Rothaargebirge behalten sollten.“

  • Der Dokumentarfilm der Sauerländerin Heike Grebe dauert 45 Minuten.
  • Er wird am Dienstag, 10. Oktober, um 20.15 Uhr im WDR-Fernsehen gesendet.

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