Interview

Wegen Corona: Im HSK wird wieder mehr Hausmusik gemacht

Auf der Cajón trommeln, singen, Klavier oder Cello spielen - diese Familie ist vielseitig talentiert und zeigt, wie man in den eigenen vier Wänden  Hausmusik machen kann.

Auf der Cajón trommeln, singen, Klavier oder Cello spielen - diese Familie ist vielseitig talentiert und zeigt, wie man in den eigenen vier Wänden Hausmusik machen kann.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Hochsauerland.  Sonntag ist der „Tag der Hausmusik“. Welche Instrumente kann man eigentlich bei der HSK-Musikschule erlernen? Leiter Ulrich Papencordt erklärt es.

Hätten Sie’s gewusst? Morgen ist der bundesweite Tag der Hausmusik. Und gerade in Zeiten von Corona haben viele Menschen auch im Hochsauerland das Musizieren in den eigenen vier Wänden oder vom Balkon aus für sich (wieder) entdeckt. Den Tag gibt es seit 1932. Er wurde von Dagmar Sikorski, Präsidentin des Deutschen Musikverleger-Verbandes ausgerufen. Er ist vor allem dem gemeinsamen Musizieren im familiären und nachbarschaftlichen Umfeld gewidmet und zielt darauf ab, Menschen zu motivieren, selbst Musik zu machen.

5000 Musikschüler und -schülerinnen im HSK

Mit kleinen Konzerten und Aufführungen im privaten Rahmen feiern zahlreiche Musiker und Musikschulen aus ganz Deutschland jährlich am 22. November diesen Tag. Er ist zugleich auch der Namenstag der Heiligen Cäcilia, die als Schutzpatronin der (Kirchen-)Musik gilt. Momentan sind Konzerte wegen Corona nicht möglich. Aber das Interesse ein Instrument zu lernen steigt – und zwar auch mit zunehmendem Alter, weiß Ulrich Papencordt, Leiter der Kreismusikschule HSK.

Wie entwickelt sich die Zahl der Musikschüler/innen?

Die Zahl hat in den letzten Jahre insbesondere auf Grund der zunehmenden Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen kontinuierlich zugenommen. In diesem Bereich beschulen wir alleine 1650 Schüler/innen im aktuellen Schuljahr an kreisweit 28 Schulen. Die Gesamtzahl der Musikschüler liegt zurzeit bei über 5000. Seit unserer Gründung 1979 steigt die Zahl.

Haben Sie das Gefühl, dass wieder mehr Hausmusik gemacht wird? Das könnte ja durchaus an Corona liegen…

Nur Lieblingsinstrumente

Ich habe in der Tat das Gefühl, dass das eigene Musizieren für die Menschen an Bedeutung gewonnen hat. Der Tag der Hausmusik soll ja Menschen zum gemeinsamen Musizieren im familiären Rahmen und im privatem Umfeld motivieren. Innerhalb der Familie wurde dies während der Kontaktbeschränkungen sicherlich verstärkt praktiziert. Die Einschränkungen beim gemeinsamen Musizieren über das familiäre Umfeld hinaus sind zwar nachvollziehbar, aber auch bedauerlich.

Welches ist das Lieblingsinstrument, mit Blick auf die Zahl der meisten Schüler?

Diese Frage möchte ich nach Instrumentengruppen differenziert beantworten: Bei den Streichinstrumenten ist die Violine das beliebteste Instrument, gefolgt vom Violoncello. Bei den Blasinstrumenten sind Querflöte und Trompete sehr beliebt. Bei den Zupfinstrumenten liegt natürlich die Gitarre aufgrund ihres hohen Bekanntheitsgrades eindeutig vorne. Bei den Tasteninstrumenten führt das Klavier, bei den Schlaginstrumenten das Drumset. Blickt man auf die Verweildauer an der Musikschule erkennt man, dass Schülerinnen und Schüler, die neben ihrem Unterricht in den verschiedenen Orchestern musizieren, das Unterrichtsangebot der Musikschule deutlich länger nutzen.

Hybrid-Lösung ist Mittel der Wahl

Wie hat sich Corona auf den Unterricht ausgewirkt?

Die Vorgaben der immer wieder angepassten Corona-Schutzverordnungen haben großen Einfluss auf die Organisation und Durchführung des Unterrichts. Zurzeit gilt die Maskenpflicht im Unterricht wo immer möglich. Zwischen den Unterrichtseinheiten müssen seit Mai 2020 Lüftungspausen eingeplant werden. Bei Sängern und Bläsern gelten besondere Abstandsregelungen. Wenn der Pandemieschutz es erfordert, versuchen wir dort, wo es gewünscht und möglich ist, Online-Unterricht durchzuführen.

Gibt es aus Erkenntnissen der Pandemie Überlegungen, weniger Präsenzunterricht anzubieten?

Klares Nein! Wenn die Coronagefahr gebannt ist, wird die HSK-Musikschule Präsenzunterricht - wo immer gewünscht und durchführbar - wieder aufnehmen. In der Zeit coronabedingter Kontaktbeschränkungen ab März 2020 sind jedoch aus der Not heraus mit viel Engagement eine Vielzahl von virtuellen Unterrichtsformen kreativ eingesetzt worden. Neben den digitalen Möglichkeiten wurden in dieser Phase aber auch die Grenzen der digitalen Unterrichtskommunikation in technischer und pädagogischer Hinsicht deutlich. Bei einem qualitativ hochwertigen Unterricht mit einer auf Nachhaltigkeit angelegten Ausbildung ist der persönliche Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden dauerhaft nicht durch virtuelle Formen zu ersetzen. Gleiches gilt für die Probenarbeit mit Ensembles.

Die neuen Erfahrungen müssen aufgegriffen und weiterentwickelt werden, um den Präsenzunterricht adäquat virtuell zu ergänzen oder einen sinnvollen Wechsel zwischen Präsenz- und Onlineunterricht zu gewährleisten. Die hybride Form ist hier die Lösung. In dem Zusammenhang erarbeiten wir gerade mit der Fachhochschule Südwestfalen ein Projekt für die Regionale 2025. Es hat schon den ersten Stern bekomme. Darin geht es genau um das Problem des Flächenkreises und die Möglichkeiten des digitalen Unterrichts.

Bei größeren Instrumenten scheut manches Elternteil die Kosten einer Neuanschaffung - kann man Instrumente auch mieten?

Nahezu jeder Schülerin und jedem Schüler, die zu Beginn der Ausbildung ein Leihinstrument wünschen, können wir ein solches gegen eine in der Entgeltordnung festgelegte Leihgebühr zur Verfügung stellen. Im Rahmen von „JeKits“, dem Kooperationsprogramm mit den 28 Grund- und Förderschulen im HSK, entfällt sogar die Leihgebühr. Nur sehr begrenzt möglich ist die Ausleihe bei Instrumenten, die mit einem hohen Transportaufwand verbunden sind. Insgesamt stehen aber circa 1200 Leihinstrumente zur Verfügung.

Welche Instrumente kann ich an der Musikschule lernen, gibt es auch die Möglichkeit, sich gesanglich ausbilden zu lassen?

Selbstverständlich. Die Musikschule bietet Unterricht an nahezu allen gängigen Instrumenten. Hier empfehle ich, einen Blick auf unsere Homepage zu werfen. Dort ist das Angebot für jede der 12 Städte und Gemeinden gesondert dargestellt. Die Stimme ist ein Instrument wie jedes andere und der Umgang mit ihr wird bei uns professionell geschult - wenn gewünscht bis zum Einstieg ins Gesangsstudium.

Kann ich auch als nicht junger Mensch noch ein Instrument erlernen? Oder ist der musikalische Zug irgendwann abgefahren?

Es gibt keine Altersgrenze. Wir merken, dass gerade jetzt eine Generation ins Rentenalter kommt, die schon früher mit Musik in Berührung gekommen ist. Was im Kopf in den Synapsen einmal angelegt ist, geht nicht verloren. Es dauert gar nicht lange, bis alte Fertigkeiten wieder abrufbar sind.

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